Einmaleins Kanidenverhalten

Teil 4 – Schnauzgriff im innerartlichen Kontext

Der Schnauzgriff ist ein häufig missverstandenes Verhalten in der innerartlichen Kommunikation von Hunden. Meist wird er unter miteinander verwandten oder sehr lange zusammenlebenden Hunden, von denen häufig einer die Rolle des Verantwortungsträgers und Erziehers übernommen hat, angewendet – unter fremden Hunden wird ein Schnauzgriff nur in Ausnahmefällen gezeigt.

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Liebevoller Schnauzgriff zwischen Bruder (schwarz) und Schwester (grau)

Ein Schnauzgriff hat unterschiedliche Funktionen: er kann sowohl eine unterbindend wirken, wenn ein Welpe / Junghund / Geschwisterchen die Grenzen eines Verwandten / mit ihm zusammenlebenden Hundes überschreitet, er kann aber auch als liebkosende Geste unter vertrauten und verwandten Hunden innerhalb einer Gemeinschaft verwendet werden – das hängt vom Kontext und der Intensität ab.
Einem „Über-den-Fang-Greifen“ des Hundes gehen bei einem Unterbinden eines unerwünschten Verhaltens verschiedene defensive und offensive Kommunikationswerkzeuge voraus, ein Schnauzgriff wird niemals ohne vorherige Warnung angewendet. Häufig dient jener dazu, ein übermäßig forderndes oder für den anderen Hund schmerzhaftes Verhalten zu unterbrechen, beispielsweise bei zu stark saugenden Welpen, bei ruppigem Spiel oder bei einem harmlosen Disput um Ressourcen.
Als Zeichen der Zuneigung wird das „Über-den-Fang-Greifen“ ohne Warnsignale und ohne einen Konflikt ausgeführt, beispielsweise in einer harmonischer Rangelei, nach dem gegenseitigen Putzen oder während des sonstigen Körperkontaktes.

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Verwarnender Schnauzgriff mit höherer Intensität nach zu aufdringlichem Spiel, ohne sichtbares Meideverhalten und Anzeichen von Schmerzen oder Unbehagen

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Rollenwechsel nach Zuneigung und Spiel – was gefährlich aussieht, ist für keinen der Beiden schmerzhaft oder unangenehm

Ein Schnauzgriff dient nicht dazu, wehzutun, der Fang wird dabei niemals (wie es fälschlicherweise bei Menschen passiert) zugedrückt, ein Hund legt lediglich seine Zähne um bzw. auf den Fang und übt leichten Druck aus. Insbesondere Elterntiere sind ausgesprochen geduldig mit ihren Nachkommen; beim ersten Schnauzgriff quieken Welpen mitunter aus dem Schreck heraus, ältere Hunde tun dies nicht mehr. Vor allem beim Liebkosen sieht diese Geste und die Reaktion darauf völlig anders aus, der Schnauzgriff wird als angenehm empfunden.
Meist dient der Schnauzgriff als Zeichen der Zuneigung oder als freundliches „Lass das.“ Das, was Menschen daraus machen, ist er eindeutig nicht.

 

Aggressionsverhalten des Hundes – eine tiefergehende Betrachtung

Aggression ist ein natürliches, regulatives Verhalten, das dazu eingesetzt wird, konfrontierende Situationen zu vermeiden, bedrohliche Reize auf Distanz zu halten, Ressourcen zu sichern und das Individuum zu schützen. Aggressionsverhalten ist nicht nur ein Regulationsmechanismus, sondern ebenso ein kommunikatives Element im Sozialkontakt. Droh- und Aggressionsverhalten dienen dazu, Unwohlsein zu transportieren und sowohl sich selbst als auch wichtige Ressourcen wie Nachkommen, Sozialpartner, Nahrung und Lebensraum zu schützen. Aggressive Verhaltensweisen des Hundes sind als Werkzeug zu betrachten, das in vielen verschiedenen Bereichen zunächst einmal völlig natürlich als kommunikatives, deeskalierendes und distanzschaffendes, aber auch als eskalationsförderndes Verhalten eingesetzt wird.
Untersuchungen über die Aggressionsbereitschaft des Hundes ergaben, dass ein Tier, das über eine längere Zeit keine aggressiven Handlungen ausführen muss und nicht mit einschlägigen auslösenden Reizen konfrontiert wird, eine deutlich geringere Bereitschaft zu aggressiven Verhaltensweisen und aggressiven Konfliktlösungsstrategien zeigt. Wie auch bei anderen Verhaltensweisen wird Aggression als Konfliktlösung immer wieder eingeübt und erneut als notwendig eingestuft, wenn der Hund sie ausführen muss – auch, wenn sie nicht immer zum Erfolg führt. Verantwortlich dafür ist insbesondere das Hormon Noradrenalin, das sowohl der Steuerung von aggressivem Verhalten dient und im Gehirn eine Reizschwellenerniedrigung bewirkt, aber auch Lernprozesse erleichtert. Ein Tier, das regelmäßig aggressiv handelt und dabei lernt, dass es seine Umwelt dadurch beeinflussen kann, neigt in der Folgezeit eher dazu, vermehrt aggressiv zu reagieren. Es wird bei der nächsten Gelegenheit schon bei geringeren auslösenden Reizen eine aggressive Reaktion zeigen, da die Aggression als hilfreich wahrgenommen wurde.

Hund-ist-aggressivQuelle: meinhund24.de

Aggressives Verhalten – Böse Absicht oder natürlicher Reflex?

Ein distanzvergrößerndes Knurren ist keine rationale Verhaltensweise des Hundes, sondern eine instinktive kommunikative Geste, ebenso ist ein Biss in einem Schreckmoment des Hundes kein überlegtes, bewusstes Verhalten, sondern eine affektive Reaktion auf einen für ihn bedrohlichen und unangenehmen Reiz. Ein Hund, der auf Berührungen und Distanzunterschreitungen ohne sichtbare Vorwarnung mit einem Biss reagiert, handelt nicht rational motiviert, sondern instinktiv, weshalb Strafmaßnahmen in diesem Fall nicht verhaltensverringend wirken, sondern die Intensität häufig verstärken, da sich das Stresslevel des Hundes erhöht, die Bereitschaft zum Selbstschutz ansteigt und die bestehende Situation für den Hund noch negativer erscheint.
Eine Verhaltensunterbrechung durch konkurrierende aversive und appetitive Reize verringert zwar die Länge der aggressiven Handlung, nicht jedoch das generelle Auftreten und das Initialverhalten – die eskalierende Aggression tritt durch einen wiederkehrenden Abbruch möglicherweise (nicht grundsätzlich) kürzer auf, wird jedoch noch immer ausgeführt. Ein Abbruch ist lediglich im Ansatz des Verhaltens oder vor dem Auftreten der aggressiven Handlung verhaltensmindernd. Präventive Maßnahmen und ein langschrittiges Training an der Impulskontrolle des Hundes sowie an einem erneuten Einsatz von vorherigen Warnsignalen sind deutlich empfehlenswerter, ebenso ist eine Reduktion des Stresslevels und eine Vermeidung von auslösenden Reizen zur Herabsenkung der Aggressionsbereitschaft vor weiteren, verhaltensverändernden Maßnahmen sinnvoll, damit sich das Verhalten nicht weiter festigt. Bei einer durch negative Erfahrungen herabgesetzten Reizschwelle in Kombination mit einem erhöhten Testosteronlevel und einem Anstieg des Cortisolspiegels in einer Stresssituation steigt die Bereitschaft des Tieres, Drohsignale auszulassen und körperliche Aggressivität als distanzvergrößernde Maßnahme zu wählen. Das rationale Handeln des jeweiligen Hundes wird eingeschränkt, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit auf einen Biss als Folge einer Stress-, Bedrohungs- oder Affektreaktion erhöht.
Bei einem Hund mit neutraler Vorgeschichte, einer normal verlaufenden Sozialisation und einer normalen Testosteron- und Cortisolkonzentration werden zunächst warnende aggressive Signale (Drohsignale), beispielsweise Knurren, Fletschen und Abschnappen gesendet, um den Konflikt zu entschärfen, das Aggressionsverhalten tritt sowohl kontrollierter als auch verringert affektiv auf.

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Aggression between two dogs – Hana Sanders

Die neurophysiologischen Hintergründe der Aggression

Aggressives Verhalten wird in Selbstschutzaggression, Jungtierverteidigung und Wettbewerbsaggression (Ressourcen, Sozialpartner, Revier und situativer sowie genereller sozialer Status) aufgeteilt. Alle Aggressionsformen können sowohl innerartlich als auch zwischenartlich und im Mensch-Hund-Kontext auftreten.
Pauschale Trainingsansätze oder Verhaltenstherapien gegen aggressives Verhalten sind weder sinnvoll noch seriös, neben einer Anamnese, bei der die auslösenden Reize wie auch das konkrete aggressive Verhalten betrachtet werden, ist es wichtig, die verschiedenen Formen der Aggression sowie ihre zugrundeliegenden Motivationen und neurophysiologischen Hintergründe zu betrachten. Im Gegensatz zu den genannten Manifestationen des aggressiven Verhaltens ist Jagdverhalten nicht emotional angetrieben und wird weitgehend von der Genetik beeinflusst. Jagdverhalten wird in verschiedene Sequenzen unterteilt – ein vollständiges Jagdverhalten besteht aus Appetenz (Hunger / Nahrungsbeschaffung), Lokalisieren und Fixieren (schnüffeln, horchen, sichten), Anpirschen und Hetzen (Fährte verfolgen, einkreisen, Beute verfolgen) und schlussendlich dem Beutefang, dem Erlegen und Verzehren des Beutetieres. Die meisten Hunde zeigen kein vollständiges Jagdverhalten, sondern haben sich auf bestimmte Sequenzen spezialisiert, einige Hunde legen ihre Fokus auf die Fährtensuche oder das Vorstehen, andere suchen sich einen Kick in der Hatz, unter anderem bedingt durch Dopamin und Adrenalin. Das Jagdverhalten basiert auf einer Distanzverringerung, die sich auf den klassischen Beutefang mit dem Erlegen und Konsumieren der Beute als überlebenssichernden Mechanismus bezieht, während Aggression hingegen Distanz vergrößern soll und nicht dazu dient, das Überleben in Form von Nahrungsbeschaffung zu sichern, sondern lediglich beim Selbstschutz und der Ressourcenverteidigung überlebenssichernde Züge aufweisen kann. Dem Jagdverhalten liegen andere neurophysiologische Hintergründe und andere intrinsische Motivationen zugrunde als der Aggression von Hunden.

Aggression wird durch verschiedene Hormone, Botenstoffe und Gehirnregionen gesteuert. Bei einer konfrontierenden Auseinandersetzung kommt es zu einer Aktivierung der Amygdala (unseres Angstzentrums), der Insula (des Ekelzentrums) sowie des Hypothalamus (in dem Fall als Stresszentrum, denn der Hypothalamus regelt unseren Hormonhaushalt über die Hypophyse) und des Hirnstamms. Neben Serotonin, Dopamin und GABA sind auch die Signalmoleküle Noradrenalin und Acetylcholin Schlüsselfaktoren für ein breites Spektrum von Verhaltensweisen. Serotonin hat sowohl hemmende als auch stimulierende Effekte auf aggressives Verhalten; Serotonin und die γ-Aminobuttersäure (GABA) wirken sich aggressionshemmend aus. Dopamin und das mesolimbische System, das mit dem Belohnungssystem assoziiert wird, stehen mit offensivem aggressiven Verhalten in Verbindung. Dopamin kann sowohl aggressionsverstärkend als auch impulsivitätshemmend wirken, wodurch abnorme aggressive Verhaltensweisen entstehen können.
Beim Selbstschutzverhalten werden sowohl defensive als auch offensive aggressive Mechanismen aktiviert – während offensive Aggression eine Form des agonistischen Verhaltens ist, die sowohl durch einen defensiven als auch offensiven Aggressor in Bezug auf Ressourcenverteidung (Wettbewerbsaggression, Jungtierverteidigung) auftritt, ist defensive Aggression eine Reaktion auf eine bedrohliche Situation und dient insbesondere dem Selbstschutz.
Beim Selbstschutzverhalten werden vor allem Bereiche des medialen Hypothalamus sowie des periaquäduktalen Graus (einem Hirnbereich, der Angst- und Fluchtreflexe koordiniert) aktiviert. Bei defensiver Aggression sind im Gegensatz zur offensiven Aggression auch die Neurotransmitter Glutamat, Cholecystokinin sowie Substanz P beteiligt, die unter anderem auch für Angst- und Schmerzreaktionen zuständig sind. Auch Serotonin (5-HT) als Schlüsselneurotransmitter im Zusammenhang mit aggressivem Verhalten spielt bei der Selbstschutzaggression eine wichtige Rolle. Im Allgemeinen hat Serotonin eine hemmende Wirkung auf aggressives Verhalten, allerdings steht das funktionale aggressive Verhalten, das eine kommunikative und distanzvergrößernde sowie deeskalierende Funktion erfüllt, im Zusammenhang mit dem Serotoninspiegel.
Da Selbstschutzaggression in hohem Maße selbstbelohnend ist, spielt Noradrenalin im Zusammenhang mit einer Verfestigung des aggressiven Verhaltens eine besondere Rolle.
Verantwortlich für die Verteidigung der Jungtiere ist insbesondere das Hormon Prolaktin. Aggressives Verhalten, das der Verteidigung des Nachwuchses dient, ist in hohem Maße instinktiv und wird selten durch die Erfahrungen des Tieres verringert oder gemildert.
Tritt aggressives Verhalten als Partnerschutzverhalten auf, ist das als Eifersuchtshormon bekannte Vasopressin verantwortlich, während innerartliche Konflikte, die sowohl status- als auch ressourcenbezogen sein können, maßgeblich durch Sexualhormone wie u.A. Testosteron und Serotonin beeinflusst werden. Gemeinsam mit dem Bindungshormon Oxytozin spielt Vasopressin besonders in der Frühphase sich neu bildender Beziehungen eine Rolle. Vasopressin ist als Kotransmitter des Noradrenalins aktiv und sorgt für das Fernhalten unbeteiligter Dritter in der Phase der Beziehungsbildung. Generell ist bei vielen Wirbeltieren eine Beteiligung des Vasopressin-Oxytozin-Systems an der Regelung sozialer Beziehungen nachgewiesen.

Ressourcenverteidigung in Form von Wettbewerbsaggression liegen andere hormonelle Ursachen als der Verteidigung des Nachwuchses zugrunde: Bei Futteraggression spielen Dopamin und Cortisol eine wichtige Rolle – sowohl eine erhöhte als auch eine verminderte Cortisolkonzentration ist mit einer steigenden Aggressionsbereitschaft verbunden. Die Auswirkungen von Cortisol stehen jedoch ebenso in Verbindung mit dem Testosteronlevel – ein erhöhter Testosteronspiegel in Kombination mit einem verringerten Cortisolspiegel trägt zu einer gesteigerten Aggressivität sowie aggressiver Handlungsbereitschaft bei, wohingegen eine geringe Konzentration an Testosteron und ein erhöhtes Cortisolniveau aggressives Verhalten hemmt. Die Rolle von Dopamin in Bezug auf aggressives Verhalten ist noch nicht genau bekannt. Das dopaminerge System wird aktiviert, wenn ein offensives Lebewesen auf ein defensives Lebewesen trifft. Beim Zusammentreffen eines konfliktbereiten Tieres auf ein defensives Tier erhöhen sich sowohl der Dopamin- als auch der Serotoninspiegel in Erwartung einer negativen Konfrontation. Beide Neurotransmitter sind nicht nur an aggressivem Verhalten beteiligt, sondern auch an der Bewältigung von Stress. Sowohl angenehme als auch stressige Ereignisse aktivieren das mesocorticolimbische Dopaminsystem.
Die Beteiligung von Dopamin an der Regulierung des aggressiven Verhaltens wird mit wettbewerbsbezogener Motivation assoziiert. Aggressives Verhalten in Verbindung mit erhöhter Dopaminkontzentration entsteht, wenn ein Konflikt zwischen zwei Individuen auftritt.
Eine Konfrontation um Ressourcen regt die Dopamin-Beteiligung aufgrund ihrer Rolle im Belohnungssystem an. Der Dopaminspiegel ist mit erhöhter Risikobereitschaft verbunden – die Risikobewertung beruht auf der Gewichtung der in Aussicht stehenden Belohnung und der zu erwartenden Selbstbelohnung während einer Konfrontation, wodurch die Dopaminregulation bei ressourcenbezogenener und konfrontierender Aggression eine wichtige Rolle spielt.
Durch den Selbstbelohnungsaspekt einer erfolgreichen Ressourcenverteidigung festigt sich dieses Verhalten schneller als andere aggressive Verhaltensweisen und führt deshalb besonders oft zu übersteigertem, problematischem Verhalten.

Ursachen inadäquater und übersteigerter Aggression

In einer angemessenen Form dient Aggression ebenso wie Beschwichtigung dazu, Konflikte zu entschärfen, aber auch dazu, jene für sich zu entscheiden. Aggression ist ein natürlicher Mechanismus, um sich gegenüber anderen Individuen durchzusetzen, Ressourcen zu schützen oder zu beanspruchen und ein sicheres Lebensumfeld zu schaffen. Bei einem normalen, angemessenen Aggressionsverhalten sind Interdependenzen zwischen Drohen und Beschwichtigung vorhanden, der offensive Part reagiert auf die konfliktentschärfenden Signale des Gegenübers und zeigt situativ sowohl offensive Handlungen (Aggression) als auch defensive Handlungen (Beschwichtigung, Vermeidung). Ein Hund, der aggressive Handlungen als einzige Konfliktlösung etabliert hat, zeigt nur noch wenige Beschwichtigungssignale, mitunter bleibt eine entschärfende Kommunikation zunächst völlig aus, es kommt direkt zum Angriff oder zum Bedrohungsverhalten – um dies zu entschärfen, müssen alle Stufen des Drohverhaltens wiederhergestellt werden und Meideverhalten als gewinnbringende Lösung etabliert werden.
In den meisten Fällen entsteht ein unangemessenes Aggressionsverhalten durch eine für den jeweiligen Hund unpassende oder unzureichende Sozialisierung, gravierende Erziehungsfehler und die immer wiederkehrende Bestätigung, einen Konflikt nur durch massives aggressives Handeln erfolgreich lösen zu können. Hunde, deren Drohsignale missachtet oder bestraft wurden, neigen dazu, keine Warnzeichen zu zeigen, sondern direkt zu beißen.
Obwohl aggressives Verhalten nicht rassebedingt ist, weisen einige Rassen Verhaltensweisen auf, die ohne entsprechende Kontrolle und Modifikation seitens des Halters zu einer Begünstigung aggressiver Konfliktlösungen führen können. Individuen können stärker ausgeprägte Vorwärtstendenzen aufweisen und durch eine ungünstige Verpaarung, die die aggressiven Tendenzen fördern sowie durch eine unzureichende Aufzucht bereits im Junghundalter ausgeprägte Aggressivität zeigen. Insbesondere Rassen und Individuen, die aufgrund ihrer Unsicherheit oder ihrer Reaktivität dazu neigen, einen engen, klaren Handlungsrahmen zu benötigen, neigen bei unklaren Regeln, bereits wenigen schlechten Erfahrungen und Erfolgen aggressiver Problemlösungen dazu, unangemessene Aggression zu zeigen, die oftmals in wettbewerbsbezogen oder selbstschutzmotiviert ist.
Viele Hunde, die vorrangig aggressiv in Konflikte treten, profitieren von einem engmaschigen, berechenbaren und klaren Handlungsrahmen, in dem sie sich bewegen können, bevor es ihnen ermöglicht wird, eigene Lösungsansätze zu finden und erfolgreich statt einer aggressiven Konfliktlösung einzusetzen.

 

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Eskalationsleiter beim Hund – Quelle: Teamschule.ch

Fazit

Es ist wichtig, aggressives Verhalten genauso wie beschwichtigendes und defensives konfliktvermeidendes Verhalten als einen natürlichen, funktionalen Bestandteil in der Kommunikation des Hundes anzusehen. Aggressives Handeln eines Hundes in Form von Drohsignalen sind ein Teil deeskalierender Kommunikation und dienen erst einmal dazu, Konflikte artübergreifend zu vermeiden. Aggressives Verhalten eskaliert erst dann, wenn feine, konfliktentschärfende Drohgesten wiederholt missachtet wurden und der Hund gelernt hat, sich durch deutlichere Signale durchsetzen zu müssen. Um eine übersteigerte Aggressivität zu vermeiden, ist es wichtig, die normale Kommunikation des Hundes sowohl im Droh- als auch im Meideverhalten zu respektieren und darauf einzugehen. Aggressives Verhalten hat in jedem Fall eine Ursache, die sowohl durch die Umwelt, als auch durch Krankheiten bedingt sein kann; ist diese Ursache aus der Welt geschafft oder die Emotion des Hundes zum Auslöser eine andere, mindert sich die Aggressionsbereitschaft. Bereits manifestiertes Aggressionsverhalten sollte unbedingt in einem auf das Indiviuum abgestimmten Training behandelt werden und nicht in Form einer strafbasierten, reaktionshemmenden Weise trainiert werden, es ist wichtig, nicht nur die Ausführung der aggressiven Handlung zu unterdrücken, sondern auch ihre Ursachen zu beheben und eine vollständige Kommunikationsleiter des Drohverhaltens wiederherzustellen. Aggressives Verhalten ist eine natürliche, affektive und instinktgesteuerte Reaktion auf einen auslösenden Umweltreiz, die sowohl ernstgenommen als auch respektiert werden sollte. Durch deeskalierendes Verhalten, distanzvergrößernde Maßnahmen und entsprechendes Training am Verhalten des Hundes und seiner Bewertung des Schlüsselreizes lassen sich übermäßige aggressive Handlungen vermeiden.

References: Aggressive behavior and three neurotransmitters: dopamine, GABA, and serotonin—a review of the last 10 yearsRodrigo Narvaes ; Rosa Maria Martins de Almeida ;Psychology & Neuroscience 2014
Biology of Aggression, 2005; Randy J. Nelson
Affective Neuroscience: The Foundations of Human and Animal Emotions (Series in Affective Science), Panksepp
http://www.concordia.ca/cunews/main/releases/2011/02/09/behavioral-problems-linked-to-cortisol-levels.html
Aggression im Hundealltag von Sophie Strodtbeck
Neuroendocrine aspects of pediatric aggression: Can hormone measures be clinically useful?
Drew H Barzman, Avni Patel, Loretta Sonnier and Jeffrey R Strawn
Cortisol, dopamine, aggression presentation; Gustavo A. Martínez-Muñiz
Brain structures and neurotransmitters regulating aggression in cats: implications for human aggression; Gregg TR, Siegel A.

Der Canaan Dog – ein Bedouinenhund

-Ein Gastbeitrag von Steffi –

Ein wie ich finde sehr besonderer Hund, der nicht so aussieht – der Canaan Dog

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Geschichtlicher Überblick

Im Orient gibt es verschiedene Felsritzungen aus dem Neolithikum, die Hunde darstellen, die dem heutigen Canaan Dog sehr ähneln und den Menschen begleitet haben.

Auch auf einigen ägyptischen Reliefs oder Wandmalereien tauchen ähnliche Hunde auf, ein Beispiel sind die Gräber von Bene Hassan. Aus Ashkelon gibt es einen Sarkophag, auf dem ein ähnlicher Hund abgebildet ist.

In der Bibel werden Hunde genannt, die die Herden schützen und Alarm schlagen, wenn sich jemand nähert. Die Bedouinen im heutigen Israel und Jordanien nutzen Canaan Dogs immer noch, um ihre Herden zu bewachen. Allerdings nimmt ihre Zahl und damit die Zahl der wild- bzw. halb wildlebenden Hunde stetig ab, da der Staat Israel die Bedouinen lieber sesshaft haben würde.

Prof. Menzel schrieb dazu, dass diese Hunde scheinbar eine Zwischenform zwischen den Haushunden und den Wildhunden darstellen können. Wildlebende Hunde passen sich dem Haushalt sehr schnell an und sind dann kaum von einem normalen Haushund zu unterscheiden. Das gleiche funktioniert aber auch andersherum: Wird ein gezüchteter Canaan Dog in die Wildnis entlassen, kann er sich selbst versorgen und adaptiert sich an seine Umwelt. Sie wurden bis vor 50 Jahren nie gezielt gezüchtet, sondern eher auf einen Nutzen hin selektiert; aggressive Hunde die die eigene Herde angriffen wurden einfach getötet.

Es sind ganz klar Hunde und sie benehmen sich wie Hunde, dennoch ist ihr Überlebenswille stärker als die Kooperation mit dem Menschen. Ein Canaan würde im Zweifel eher fliehen als anzugreifen.

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Aussehen

Der Canaan hat einen quadratischen, athletischen Körperbau von mittlerer Größe, aufrecht stehende, spitz zulaufende Ohren, mandelförmige dunkle Augen, ein dichtes Fell mit Unterwolle, welches nicht zu weich ist. Levi hat sehr harsches Fell, was aber ideal gegen sämtliche Wetterbedingungen schützt. Sie haben einen relativ breiten Kopf (gerade bei Rüden gut zu sehen), der aber zur Nase hin spitz zuläuft. Die Rute sollte hoch angesetzt sein und im Idealfall über den Rücken verlaufen, einige haben eine Sichelrute, andere einen richtigen Ringelschwanz.

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Es gibt sie in verschiedenen Farben: Creme, sandfarben, rot, schwarz mit weiß oder weiß mit schwarz gefleckt, weiß mit braunen Flecken (mit oder ohne Maske); nicht erwünscht ist grau, gestromt, liver oder black&tan.

Das Aussehen ist an die Gegebenheiten angepasst, daher haben viele streunende Hunde in den südlichen Ländern ein ähnliches Aussehen.
Rüden sind in der Regel größer und kräftiger als Hündinnen.

Verhalten

Sie sind sehr eigen- und selbständig, das kommt durch ihre ursprüngliche Lebensweise: entweder als freilebende Hunde oder als Begleiter bei den Bedouinen. In beiden Situationen entscheiden sie über ihr Leben selbst und es wird ihnen so gut wie nichts vorgeschrieben. Das macht es für viele Hunde schwierig, sich an die Normen hier anzupassen, wenn von den Hunden ein „Kadavergehorsam“ erwartet wird. Wer sich für einen Canaan Dog oder sonst einen Paria entscheidet, sollte sich von einem immer funktionierenden und akkuraten Grundgehorsam verabschieden.

Im Allgemeinen sind sie bereit mit dem Menschen zu kooperieren, solange sie daran Gefallen finden und man mit ihnen und nicht gegen sie arbeitet. Wichtig ist dabei das Vertrauen, was der Hund in seinen Menschen braucht. Ist es nicht da, wird dieser sich weigern mit zu machen.

Sie sind sehr wachsam, ihnen entgeht nichts! Alles was als gefährlich eingestuft wird, wird verbellt: das kann ein vorbeifahrendes Auto, der Nachbar oder ein sich bewegendes Katzenspielzeug sein, was immer in der Ecke liegt. Wichtig ist es, dem Hund zu zeigen, was ist normal und was nicht. Levi weiß genau, wer bei uns wohnt und wer nicht, wer regelmäßig durch das Hoftor kommt und wer neu ist.

Selbst auf einem Spaziergang sind sie immer wachsam und beobachten ihre Umgebung, Levi kann draußen zwar entspannen, aber dennoch ist er wachsam und schläft nur wenn er sich sicher fühlt (Auto, Wohnung etc.).

Zu seiner eigenen Familie ist er sehr loyal, alles was ich Levi als „Familienmitglied“ vorstelle, wird von ihm akzeptiert, das gilt auch für Nager und Vögel. Ich hab die Kaninchen mit ihm im Garten laufen lassen und er hat auf sie aufgepasst.

Fremde Hunde werden im eigenen Bereich eher selten toleriert, wobei Levi da sehr offen ist, intakte Rüden werden jedoch nicht geduldet. Generell ist es nicht unüblich, dass sich gleichgeschlechtliche Hunde ab dem Erwachsenenalter nicht mehr verstehen. Denn im Gegensatz zu vielen Hunden werden sie erwachsen und benehmen sich entsprechend.

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Sie sind, sofern gut sozialisiert, sehr offen für neues, wenn auch skeptisch am Anfang. Alles wird erst vorsichtig inspiziert, bevor es für ungefährlich gehalten wird. Selbst unbekanntes Futter wird meistens erst einmal in Ruhe angeschaut, bevor es gegessen wird. Das darf aber nicht mit Angst verwechselt werden. Wer in der Natur keine Skepsis zeigt, wird aufgegessen und lebt nicht lange.

Er ist kein Hund, der gut Befehle ohne zu hinterfragen ausführt. Levi und ich führen viele Diskussionen und nicht immer habe ich Recht! Wir gehen viele Kompromisse ein, dennoch können sie sehr gut trainiert und konditioniert werden, wenn das Training an den jeweiligen Hund angepasst wird. Levi hat nicht nur den Grundgehorsam gelernt, sondern auch den einen oder anderen Trick.

Nicht zu unterschätzen ist der Jagdtrieb dieser Hunde! Als eigenständige Wesen, die auch alleine in der Wüste überleben, jagen sie natürlich auch. Levi ist es egal, ob es ein Kaninchen oder ein Reh ist. Das übliche JET-Training ist dabei nicht immer hilfreich, ich arbeite dagegen viel mit selbstbelohnendem Verhalten und „gemeinsames Jagen“.

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Bis Levi bei mir einzog, kannte ich das Phänomen so gut wie gar nicht, dass Hunde ihr Essen verstecken, wenn sie satt sind. Dambo hat es immer im Napf liegen lassen, aber Levi vergräbt sein Futter: im Katzenklo, in der Zimmerpflanze, im Bett, im Sofa, auf dem Sessel oder wenn er im Garten Futter kriegt auch da. Ob das jetzt Rassetypisch oder generell eher Urhundetypisch ist, kann ich nicht genau sagen.

Ich hab oben bereits erwähnt, dass Menzel sie als Zwischenglied von Haus- und Wildhunden ansiedelt. 2015 hatte ich das Glück in Israel wildlebende aber auch Bedouinenhunde beobachten zu dürfen, dazu kenne ich viele Canaans als Haushunde. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Hunde, die wild oder halb wild leben, eine viel größere Individualdistanz aufweisen, als Hunde, die an den Menschen und deren Umfeld (z.B. Stadt, Dorf etc.) gewöhnt sind. Selbst die Hunde, die bei den Bedouinen leben, bleiben auf Entfernung und lassen sich allerhöchstens von den Kindern anfassen. Der Canaan Dog ist immer bei seinem Menschen, aber selten mit ihm. Die Interaktion mit dem Menschen, wie bei den meisten Jagdhunden, wurde niemals als Zuchtziel ausgewählt. Sie sollten die Herde bewachen und melden, wenn sich jemand nähert, sie agieren eigenständig und ohne Kommando des Menschen. Betrachtet man so ein Bedouinencamp, sieht man die Hunde um das Camp herumlaufen, niemals in den Zelten oder nahe bei den Menschen. Einige Rüden bewegen sich außerhalb des Camps, manchmal schließen sich neue Hunde an oder junge Exemplare ziehen weg und suchen sich was neues. Aber anders als unsere Hütehunde bewegen sie sich mit der Herde und halten die Tiere nicht zusammen, das ist Aufgabe der Frauen und Kinder. Es ist eben ein Hund, der eine lose Beziehung zu dem Menschen hat und dies im Falle der Bedouinen auch zeigt. Ein einzelner Hund kann eine sehr innige Beziehung zu einem Menschen aufbauen, wenn beide Parteien das zulassen.

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Bis zu einem bestimmten Alter jedoch (ca. 6-8 Wochen) sind sie sehr unerschrocken und zeigen keine Angst gegenüber dem Menschen. Während unseres Wüstentrips haben wir einen Wurf Canaans gefunden, geschätzt wurden sie auf ca. 6 Wochen, eine Hündin davon wurde mitgenommen und sie zeigte sich aufgeschlossen und offen allem neues. Ausgewachsene wild/halbwild lebende Hunde sind viel skeptischer Fremden und Neuem gegenüber, als die, die bei uns aufwachsen, egal, ob es um Menschen oder Futter geht.

Hunde, die von klein auf an den Menschen und alles, was dazu gehört, gewöhnt sind, können sehr gut in der Stadt leben. Für einen Hund aus der Wildnis stellt es in der Regel auch kein Problem dar, allerdings muss man Abstriche machen und das Training bzw. die Gewöhnung an das neue Leben kleinschrittig aufbauen. Levi z.B. ist ein Zuchthund, ist aber in einem kleinen Dorf in Italien ohne große Umweltreize groß geworden, bei der Gewöhnung an fremde Menschen bin ich mir nicht sicher, was da gemacht wurde. In einer reizarmen Umgebung fühlt er sich wohl, kann gut mit mir agieren und orientiert sich an mir oder an Dambo. Sind wir aber in der Stadt, fällt es ihm schwer: laute Geräusche, viele Menschen und neue Gerüche verunsichern ihn schnell. In so einem Fall stellt er das Denken ein und reagiert nur noch instinktiv: Flucht ist dabei seine erste Wahl, egal wohin, nur erst einmal weg von allem, bis er in Sicherheit ist und es sich angucken kann. Und das ist der entscheidende Faktor, der ihn von einem Angsthund unterscheidet: Er flüchtet, aber nur soweit, bis er sich sicher fühlt, er rennt nicht völlig plan- und kopflos weg. Ein Canaan Dog kann sich relativ gut orientieren und findet den Weg nach Hause. Selbst wenn er mir wegrennen würde, weil er was gesehen hat, weiß er wo ich bin und taucht hinter/vor/neben mir wieder auf und läuft weiter. Und auch in einer Angstsituation entfernt er sich nicht weit von mir, ich kann ihn zwar nicht einfangen, aber er bleibt bei mir, in sicherer Entfernung (diesen Fall hatten wir einmal in einem Park in Potsdam, er hat auf mich gewartet und wäre auf Abstand mit mir zum Auto gelaufen, ließ sich aber nicht einfangen, solange wir an der Stelle standen, vor der er sich erschreckt hatte).

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Wildlebende Hunde haben für solche Zwecke mehrere Höhlen, wobei eine der Hauptwohnsitz ist (in Levis Fall unsere Wohnung), sie haben aber auch weitere Zufluchtsorte, die sie aufsuchen, wenn sie gejagt werden oder es nicht rechtzeitig zurück schaffen, z.B. weil es schnell zu heiß wird (in Levis Fall ist das z.B. das Auto, er weiß in der Regel wo das steht oder die Wohnung meiner Mutter in Berlin).

Im Vergleich zu anderen Urhunden (ich persönlich hatte Kontakt zu Shibas, Akitas, Huskys, einer Korean Jindo-Hündin, Islandhunden, Thai Ridgebacks) kann ich sagen, dass keiner von denen so extrem skeptisch gegenüber Neuem war (sofern sie nicht depriviert waren!). Wobei da aber der Faktor mitspielt, dass diese Hunde zwar ursprünglich sind und viele von den Eigenschaften besitzen, dennoch wurden sie für einen Zweck (z.B. Jagd, Schlittenhunde) gezüchtet und somit mehr vom Menschen abhängig waren als der Canaan Dog. Gerade der Islandhund ist offen für alles und freundlich zu jedem, zumindest den, den ich kenne.

Pariahunde können beim Menschen leben und mit ihm interagieren, sie können aber gleichzeitig auch selbständig ohne diesen überleben, sofern genug Wild da ist, sind sie unabhängig von Siedlungen. Die meisten Parias finden sich dennoch in der Nähe der Siedlungen (Egal ob Israel oder Zentralasien), einfach weil das Futter dort auf der Straße liegt und nicht noch erbeutet werden muss. In Israel/Jordanien gibt es wahrscheinlich noch kleinere Familienverbände die weitab vom Menschen leben. Und auch der Indian Paria Dog, der New Guinea Singing Dog oder der New Guinea Highland Wild Dog können fernab der Zivilisation überleben und tun dies erfolgreich auch.

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Canaan Dogs im Sport

Obwohl es in den USA nicht unüblich ist, Canaans im Sport zu sehen ist es in Deutschland eher eine Seltenheit. Vieles in dem Hundesport ist ihnen auf Dauer zu langweilig: viele Wiederholungen finden sie furchtbar.

Wobei sie oft für Agility zu begeistern sind, da ihre Schnelligkeit und Geschicklichkeit herausgefordert werden, können sie auf einem Turnier aber auch einfach nicht mitmachen, weil ihnen gerade nicht danach ist. Die 100%ige Sicherheit hat man eben nie.

Was ihnen Spaß macht ist Nasenarbeit: Mantrail, Fährtensuche, aber auch hier Vorsicht mit Wiederholungen! Levi z.B. macht eine Runde Mantrail sehr gut, die zweite dagegen wird nicht sauber, sehr langsam oder mit Unterbrechungen ausgeführt. Und wehe er muss zweimal die gleiche Person suchen! Da kann er dann schon mal Umwege laufen, weil sie interessanter sind oder einer Katzenfährte hinterhergehen. Aber auch dann kann ich ihm nicht meinen Willen aufzwingen, weil er dann umdreht und zum Auto läuft.

Fürs Canicross kann ich ihn jedoch immer überzeugen: er läuft für sein Leben gerne.

Da ich selber aber auch nicht so der Hundesportler bin, kann ich nur auf Erfahrungen anderer zugreifen: in den USA machen sie Agility, Obedience, Herding, Barn Hunt und vieles mehr.

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Warum ich mich für einen Canaan Dog entschieden habe?

Ich mag ihre Eigenständigkeit, das selber denken, ihre Fähigkeit sich schnell anzupassen und auch wenn es manchmal nervig sein kann: das Hinterfragen und nicht jeden Befehl ausführen. Natürlich führt er mich vor, steht vor mir, weiß genau was er machen soll und tut es nicht. Ich sehe es ihm an! Sage ich ihm er soll sich setzen kommt es fast immer zu der Frage: warum?

Für Levi bin ich nicht die Herrscherin die alles bestimmt, sondern seine Freundin mit der er Abenteuer erleben kann. Wir sind ein Team was miteinander agiert, er folgt mir, weil er mir vertraut und nicht weil ich es ihm sage. Durch das Vertrauen was wir haben, fährt er in Berlin S-Bahn, obwohl er es unheimlich findet. Er würde niemals was tun, was ihm schadet, nur weil ich das gerne will. Und genau das mag ich an ihm: Er ist ein Hund mit allem was dazugehört, aber mit viel Grips und einen eigenen Willen.

Natürlich mag ich auch die Optik, auch wenn sie sich für einen Laien nicht viel vom Husky unterscheidet.

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Bücher:

Dres. R. und R. Menzel, Pariahunde
Myrna Shiboleth, The Israel Canaan Dog

Links:

http://www.canaandog.ch
http://www.canaandog.co.uk/
http://myrnash0.tripod.com/shaarhagai-canaandogs/

Dominanz – Mythos oder Realität?

Der Begriff „Dominanz“ ist weit verbreitet in der wissenschaftlichen und populären Literatur über das Verhalten von Haushunden; vor allem in Bezug auf aggressives und agonistisches Verhalten in Hund-Hund- und Mensch-Hund-Beziehungen.
Obwohl Dominanz ein situatives Verhalten beschreibt, wird der Begriff immer wieder irrtümlich verwendet, um ein vermeintliches Wesensmerkmal einzelner Hunde zu beschreiben, obgleich es keine Beweise dafür gibt, dass ein solches Merkmal existiert.
Anders als oftmals angenommen beschreibt „Dominanz“ keine generelle Position innerhalb einer Hierarchie oder eine dauerhaft präsente Charaktereigenschaft, sondern bezieht sich auf das situationsbezogene Verhalten in Konflikten und in der sozialen Interaktion – ein Hund kann einem Artgenossen gegenüber in einem Konflikt dominant auftreten und dessen Ausgang positiv für sich entscheiden, in einer anderen Interaktion mit demselben Hund jedoch submissiv agieren. Ein andauerndes Streben nach Dominanz oder einen Hund, der jedes andere Lebewesen unterwerfen möchte, gibt es jedoch nicht.
Die Idee, dass Hunde nach dauerhafter Dominanz streben und den Wunsch haben, den Menschen zu unterwerfen, ist längst überholt; auch unter Hunden gibt es meist wechselnde Sozialstrukturen und keine strikte Hierarchie. Die Vorstellung einer dauerhaft dominanten Position und dem Streben nach Macht, die aus der Beobachtung von Gehegewölfen abgeleitet wurde, ist inzwischen durch Verhaltensbeobachtungen und qualifizierten Studien an Wölfen und Haushunden widerlegt worden – während Wölfe innerhalb ihres Familienverbandes und im Kontakt zu Menschen dazu neigen, zu kooperieren und gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, ordnen sich Hunde situativ einem Artgenossen oder dem Menschen unter – eine Eigenschaft, die nicht natürlich entstanden ist, sondern durch Selektion gefördert wurde, da ein konfliktvermeidenes Verhalten sowohl Mensch-Hund-Beziehungen als auch innerartliche Beziehungen erleichtert. [1]

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Dominanz oder Kommunikation? – Eine stressbedingte Reaktion auf Unbehagen

Verhalten, das oftmals als irrtümlich dominant eingestuft wird, ist in der Regel in drei Motivationen zu unterteilen: Instinkt, Übersprung/Stressabbau und Konfliktlösung.
– Hunde, die vermeintliches Sexualverhalten ihren Besitzern oder anderen Hunden gegenüber zeigen, versuchen nur selten, ihr Gegenüber zu unterwerfen; vielmehr dient dieses Verhalten dem Stressabbau. Insbesondere das „Besteigen“ ist ein häufiges Übersprungsverhalten, das nicht durch das Streben nach Macht, sondern durch Stress bedingt ist.
– Vierbeiner, die vor dem Halter wegrennen, in die Leine beißen, knurren oder schnappen, zeigen konfliktlösendes und konfliktvermeidendes Verhalten, sie sind jedoch nicht dominant.
– Jagdverhalten oder Ressourcenverteidung sind weder Dominanz noch Ungehorsam, sondern natürliches Verhalten, das aus Hundesicht absolut logisch ist. Es liegt am Halter, dieses mit bedürfnisorientiertem Training in angemessene Bahnen zu lenken.
– Ein Hund, der wegläuft, versucht, sich dem Konflikt mit seinem Halter zu entziehen, ein Hund, der knurrt oder schnappt, möchte kein Anführer sein, sondern kommuniziert Unbehagen und versucht, die Situation durch sein Kommunikationsrepertoire zu lösen.
– Hunde, die nicht auf den Rückruf reagieren, nicht auf die Worte des Halters reagieren, entgegen eines Verbotes aufs Bett springen, sind nicht dominant, sondern haben schlichtweg nicht zufriedenstellend gelernt, was sie dürfen oder nicht dürfen. [2]

In Studien über das Verhalten einer Gruppe Haushunde waren lediglich paarweise Beziehungen erkennbar, aber es konnte keine Gesamthierarchie festgestellt werden. Assoziatives Lernen bietet mehr Erklärungen für das agonistische Verhalten bei Hunden als das traditionelle Konzept der Dominanz. Andere Untersuchungen zeigen, dass Hunde nicht motiviert sind, einen Platz in einer „Rangordnung“ einzunehmen oder eine Gruppe anzuführen. Die Vorstellung, dass jeder Hund von einem angeborenen Wunsch motiviert wird, Menschen und andere Hunde zu kontrollieren, unterschätzt die komplexen kommunikativen und kognitiven Fähigkeiten von Hunden enorm. Vermeintlich dominantes Verhalten wird oftmals von Hunden gezeigt, die gelernt haben, Aggression zu nutzen, um eine vorweggenommene Strafe zu vermeiden oder von Hunden, die vermeintlich respektlose Übersprungshandlungen zeigen. [3]

Dominanz existiert tatsächlich, allerdings bezeichnet sie nicht das dauerhafte Streben nach Macht und Gewinn, sondern dient dazu, eine soziale Dynamik zu beschreiben. Dominanz ist ein Konzept zwischen Individuen und ein situationsbezogenes Verhalten, doch basiert eine gesunde soziale Dynamik nicht darauf, eine Hierarchie durch aggressive Handlungen durchzusetzen – derartige Konzepte sind potenziell gefährlich und fördern Aggression. Eine ordnungsgemäße Sozialisation und bedürfnisorientierte Ausbildung fördern eine angemessene Interaktion zwischen Mensch und Hund und tragen zu einer auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt beruhenden Beziehung bei; im Falle von Verhaltensauffälligkeiten ist keine „Rangreduktion“ sinnvoll, sondern ein auf den Einzelfall angepasstes Training, das den Umgang zwischen Hund und Halter schult.

Sources:
http://www.journalvetbehavior.com/article/S1558-7878%2808%2900115-9/abstract
https://www.sciencedaily.com/releases/2009/05/090521112711.htm
http://www.sciencemag.org/news/2014/08/wolves-cooperate-dogs-submit-study-suggests
http://www.apbc.org.uk/articles/why-wont-dominance-die

Einmaleins Kanidenverhalten

Teil 3- Neophobie bei Hunden und Hundeartigen

Der Begriff Neophobie bezeichnet die Angst vor unbekannten Situationen, neuartigen Dingen oder fremden Personen. Neophobie wird besonders bei Wildkaniden (Wölfen, Kojoten, Schakalen und Dingos), aber auch bei Hunden mit Deprivationssyndrom beobachtet.
Bei wildlebenden Hunden und nicht domestizierten Kaniden erfüllt die Angst vor Unbekanntem eine wichtige, überlebenssichernde Funktion – Neophobie erfüllt eine wichtige Funktion bei der Nahrungsbeschaffung, der Wahl des Reviers und dem Verhalten anderen Lebewesen gegenüber. Neophobische Tiere sind seltener gefährdet, toxische Pflanzen zu konsumieren, sich potenziell gefährlichen Objekten und Lebewesen unbedacht zu nähern und sich selbst Gefahrensituationen auszuliefern – es ist eine Überlebensstrategie.
Deprivierte Hunde reagieren auf eine Vielzahl unbekannter Reize ängstlich-vermeidend, weil sie aufgrund ihres reizarmen Aufwachsens keine angemessenen Bewältigungsstrategien kennenlernen und kein gesundes Explorationsverhalten entwickeln konnten – wie auch bei Wildkaniden und deren Mischlingen bleibt das instinktgeleitete neophobische Verhalten ein Leben lang präsent, lässt sich jedoch durch intensives Training deutlich verbessern.

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-Hund bei dem Vorhaben, Futter aus der Hand eines Fremden zu nehmen, in Fluchtposition verharrend, vor dem Essen wieder zurückschreckend, dann auf Distanz bleibend

Im Gegensatz zu deprivierten Hunden zeigen Wildkaniden und deren Mischlinge neben Neophobie auch Neophilie, eine große Neugier und ein ausgeprägtes Erkundungsverhalten bei neuen Objekten. Exploration ist eine wichtige Eigenschaft, um Informationen über Merkmale der Umgebung zu sammeln, die direkt oder indirekt das Überleben und die Reproduktion beeinflussen können. In engem Zusammenhang mit der Exploration steht die Neophobie, die die Exposition gegenüber der Gefahr reduzieren kann, aber auch das explorative Verhalten einschränkt.
Wolf & Co dazu, schneller Bewältigungsstrategien zu entwickeln, erlerntes Verhalten anzuwenden und sich selbst neues Verhalten zu erarbeiten, sind jedoch weniger zugänglich dafür, sich Verhaltensweisen mit menschlicher Hilfe beibringen zu lassen.


Kojoten-Hund-Mischlinge nach jahrelanger Gewöhnung an neue Objekte. Trotz des intensiven Trainings zeigen die Tiere noch immer neophobische Tendenzen.

Die reduzierte Latenz, sich neuen Objekten zuzuwenden und Gefahren abzuwägen sowie weniger Zeit für die Erkundung von Gegenständen aufzubringen, kann bei Hunden als eine Folge der Domestikation interpretiert werden – durch die Domestikation haben gesunde Hunde die Angst vor Neuem abgelegt, jedoch auch ihr ausgeprägtes und eigenständiges Erkundungsverhalten verloren – zwei Eigenschaften, die mit der engen Kooperation mit Menschen einhergehen und häufig als wünschenswert angesehen werden.

Sources: The influence of relationships on neophobia and exploration in wolves and dogs -Lucia Morettia, Marleen Hentrup, Kurt Kotrschal,Friederike Range
The Domestic Dog: Its Evolution, Behaviour and Interactions with People – James Serpell
Kalissa Black as owner of the coydogs and originator of the linked video

Partners in crime

Für viele Hundehalter ist das ausgeprägte Instinktverhalten, insbesondere das Jagdverhalten, ein Graus – dabei lässt sich das Jagdverhalten als Chance sehen, die „wilden Überbleibsel“ des Canis Familiaris Venatorius, des jagenden Haushundes, verstehen und wertschätzen zu lernen, einen Blick in die faszinierende Weite des hündischen Verhaltensrepertoires zu werfen.

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Wild dogs hunting prey – unknown photographer; source: Greg Litatcio

Jagdersatztraining oder auch Anti-Jagd-Training ist den meisten Begleitern eines jagdbegeisterten Hundes ein Begriff – eine Herangehensweise des gemeinsamen Jagens, die „Ulli-Methode“, findet ebenso immer mehr Beachtung – in diesem Artikel möchte ich meine Heransgehensweise beschreiben, aber auch kurz auf die anderen eingehen.
Beim gemeinsamen Jagen, beim „Ullieren“ und auch bei der Jagdkooperation geht es in erster Linie darum, mit dem Jagdverhalten, das der Hund zeigt, zu arbeiten, es nicht auf Ersatzobjekte umzulenken, sondern sich selbst als Jagdpartner zu beweisen und das erwünschte, kooperative Jagdverhalten des Hundes auszubauen, um jenem Schritt für Schritt mehr Bedeutung als der Solitärjagd beizumessen.

Der jagende Hund

Jagende Hunde sind hochtalentiert – einige haben eine außergewöhnliche Expertise auf ihrem Gebiet, andere sind echte Allrounder; ob im Spurenlesen, Vorstehen, Aufstöbern, Hetzen oder auf allen Ebenen, sie perfektionieren ihre Taktik jeden Tag und geben uns Tag für Tag die Chance, an ihrer Welt teilzuhaben.
Mit einem jagenden Hund eröffnen sich nicht nur neue Herausforderungen, sondern auch neue Welten, wir haben die Möglichkeit, das hochfunktionale, präzise und über Jahrtausende perfektionierte Verhalten des Hundes verstehen zu lernen, indem wir ihn beobachten, seine Körpersprache lesen lernen und die Motivation hinter den einzelnen, für den jeweiligen Hund bedeutsamen Sequenzen zu verstehen.
Durch das Fördern der jeweiligen Talente entsteht seitens des Hundes Eustress, er verknüpft die Interaktion mit uns besonders positiv und nimmt den Menschen auf seinen Jagdabenteuern als angenehme Begleitung wahr – er kann seine Leidenschaft (maßvoll) ausleben und wird zusätzlich dafür belohnt, er bekommt positives Feedback, soziale Anerkennung, das Verhalten, aber auch die Interaktion mit dem Menschen wird verstärkt – nicht nur die Jagdsequenz rückt in den Fokus und bleibt dem Hund in positiver Erinnerung, sondern auch die Orientierung an seinem Menschen.

Der Meisterschnüffler

Der Geruchssinn eines Hundes ist deutlich genauer und besser entwickelt als der eines Menschen – Hunde nehmen Gerüche schneller und präziser wahr und können sie deutlich besser zuordnen. Während der Mensch noch rätselt, ob der Hund sich für eine Hasen-, Katzen-, oder Rehspur interessiert, weiß der Hund bereits vor dem Betreten der Spur, welche Tiere sich dort zuvor aufgehalten haben – und er kann es uns beibringen, wenn wir ihn aufmerksam beobachten.
Die Körpersprache verrät häufig, für welches Tier sich der hündische Begleiter just interessiert, jedes Lebewesen hat für den Hund eine andere Bedeutung und ist mit einem anderen Grad an Erregung und unterschiedlicher Erwartung verbunden. Mittlerweile kann ich an der Art, wie Frau Hund die Spur, absucht feststellen, von welchem Tier sie hinterlassen wurde und damit einschätzen, welche Wertigkeit für meinen Hund dahintersteht. Das erleichtert es mir, auf seine Bedürfnisse einzugehen, auszumachen, wie ich am besten reagiere und wie gut die Ansprechbarkeit meines Vierbeines derzeit ist – auch, wie nah das Wild ist und wie frisch die Spur ist, erkenne ich an den Signalen, die mein Hund sendet und kann so im Sinne des Wildes und meines Hundes handeln.
Wann immer mein Hund mir eine Fährte anzeigt und zuvor Kontakt zu mir aufnimmt, erkläre ich mich bereit, sie mit im gemeinsam abzusuchen – an kurz genommener Schleppleine, manchmal nur ein kleines Stück, manchmal weiter, so, dass wir nicht in den Niederwald gehen und kein Wild belästigen.
Auf einsichtigen Wiesen und Weideflächen ist meine erste Handlung, Fräulein Furchtlos mit einem Suchsignal loszuschicken und sie für jede Spur, die sie findet, zu loben; auch, wenn ich sehe, wie Wild eine Spur hinterlässt, gehe ich jene, sobald es sicher nicht mehr gestört wird, mit ihr ab.
Durch dieses Training ist ihr Verhalten auf Spuren deutlich entspannter geworden, sie ist geschult. Sie kann einschätzen, ob sich eine Fährte lohnt, wie frisch diese ist, welches Wild dort gelaufen ist oder, ob andere Tätigkeiten spannender sind – und nicht nur sie kann das, ich kann es durch ihr Verhalten ebenso.

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Mit Adleraugen

Hunde sind nicht nur exzellente Spurenleser, sondern auch sehr gute Bewegungsseher – Objekte, die sich im Stillstand bewegen, nehmen sie deutlich schlechter wahr als wir, wohingegen sie auf Bewegungsreize binnen Sekunden reagieren und ihr Instinktverhalten sofort überhandnimmt – doch auch das Anzeigeverhalten lässt sich fördern und ausarbeiten.
Solange das Wild im Stillstand ist, nehmen Hunde es eher über den Geruch wahr, den es aussendet, allerdings können auch Hunde lernen, die Silhouetten verschiedener Wildarten auf Distanz zu erkennen. Mir war es besonders wichtig, ein ruhiges, bedachtes Anzeigeverhalten auszuarbeiten, um dem Hund zu ermöglichen, abzuwägen, wann es sich lohnt, dem Wild nachzustellen und, wann die Beschäftigung mit dem Wild Energieverschwendung ist – wann immer ich bemerkt habe, das Frau Hund Wild sichtet, habe ich das Anzeigen ruhig gelobt, mich mit ihr ein Stück genährt und sie leicht berührt, um sie durch einen taktilen Reiz ansprechbarer zu machen und, um sie in ihrer ruhigen Position zu halten.
Jede Orientierung zu mir oder Weg vom Wild, jedes Ohrenzucken, jede Gewichtsverlagerung wurde belohnt und anschließend wieder Aufmerksamkeit auf das erwünschte ruhige Beobachten gelenkt. Sah ich das Wild vorher, habe ich jede Gelegenheit genutzt, den Hund darauf leise aufmerksam zu machen, um das Erlernte kontrolliert zu festigen und besonders diesem Hund zu zeigen, dass auch ich Interesse an seiner (Um-)Welt habe.
Das Training hat uns nach recht kurzer Zeit dazu gebracht, dass auch flüchtiges Wild auf eine Distanz von unter 20-30 Metern nur noch selten interessant ist, es wurde nicht als erfolgversprechend eingestuft und das Stresslevel, jedem Wild potenziell folgen zu wollen, deutlich reduziert. Sogar aus einem Hundekletteräffchen, das für ein Eichhörnchen schon mehrfach einen geraden Baumstamm meterhoch geklettert ist, ist ein Hund geworden, der sich damit zufriedengibt, den Baum emporzublicken und sich danach Futter abzuholen oder es vom Baum abzulecken – obwohl er weiß, dass er anders könnte, wenn er wollte.

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Der gemeinsame Höhepunkt oder: die Königsdisziplin

Unsere Teamarbeit bezieht sich nicht nur auf die ruhigen Sequenzen des Jagdverhaltens, das Wittern und Anzeigen, sondern auch auf das Aufstöbern und die gemeinsame, zugegebenermaßen stark abgewandelte Hatz.
Kooperation direkt am Wild, in höchster Erregungslage, funktioniert auch jetzt noch nicht zuverlässig. Eine Zuverlässigkeit, die es uns ermöglicht, einen leinenlosen Hund zu haben, gibt es in unserem Duo ohnehin nicht, doch manchmal hapert es leider sogar daran, Wild in Interaktion mit mir aufspüren und nachgehen zu wollen – verständlich, schließlich bin ich da in jeder Hinsicht ein Bremsklotz und Spielverderber, der darauf achten möchte und muss, dass sich das Wild trotz unseres Trainings nicht gestört fühlt oder gefährdet wird.

Nichtsdestotrotz sind wir auch in dieser Hinsicht weit gekommen – neben einer Kanidin, die mir Umweltgefahren bereits von Anfang an zuverlässig als Bedrohung gemeldet und uns den Weg dorthin verwehrt hat, ist auch eine Hundedame aus ihr geworden, die mit mir gemeinsam unterschiedliche Wildarten sucht und, nach Begegnungen mit fliehenden, defensiven Wildschweinen, die als jagdbares Gut klassifiziert wurden, tatsächlich aufgrund meiner ehrlichen Sorge anerkannt hat, dass Wildschweine diskussionslos gefährlich sind.
Wir gingen öfter kleine Abstecher ins übersichtliche Wegabseits, wo ich jedes Wittern von Wildschweinen gelobt und mit einem besorgten Gefahrenausruf quittiert habe, sodass sich ein vorbildlicher Rückzug eingespielt hat, während ich jede Rehsichtung mit einem interessierten Anpirschen und anschließendem Hinhocken zur Beobachtungsposition aufgebaut habe.
Um das Verhalten am Wild gezielt zu fördern, habe ich sowohl wildreiche als auch wildarme Gebiete aufgesucht, um die Gewöhnung an den Reiz ausbauen, aber auch Entspannungstage zu haben, die uns beide die Aufregung abbauen lassen und zeigen, dass sich Spaziergänge ebenso für andere Abenteuer lohnen.
In wildreichem Gebiet habe ich jede Chance ergriffen, Wild ruhig zu beobachten, die Witterung aufzunehmen, die Nähe einzuschätzen und das erwünschte Verhalten zu belohnen, um es zu festigen.
Ohne Interesse an Kooperation mit mir zu zeigen, lasse ich Jagdsequenzen soweit wie möglich nicht zu – es gibt keinen Abbruch, die Leine wird kurz genommen und ich warte ab, bis wieder eine beidseitige Kommunikation möglich ist und wir gemeinsam spazieren gehen können.
Passiert es, dass Wild im Unterholz aufspringt oder den Weg kreuzt, fasse ich die Leine so kurz wie möglich und renne auf dem Weg mit, bis ich merke, dass das Adrenalin im Hunde-und Menschenkörper abgebaut wurde – dann gibt es ein Stoppsignal oder einen Rückpfiff und viel, viel Futter vor einer Verschnauf- und Sammelpause. Zeigt der Hund jedoch in diesem Moment kein Interesse daran, loszustarten, pfeife ich ihn zu mir, um ihn mit dem Sprint und einer großen Futterportion zu belohnen.

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Erlaubte Solitärjagd und Jagdersatz

In wenigen Situationen darf der rote Hund selbstbestimmt jagen – es ist in Ordnung für mich, wenn er buddelt und Mäuse fängt, er darf Ratten von mir fernhalten und, nach kurzem Blickkontakt, nicht dem Jagdschutz unterliegende Vögel aufscheuchen, weil er davon jederzeit abrufbar ist und kein Interesse zeigt, Vögel zu erhaschen, dabei renne ich nicht mit, er darf seine Energie loswerden und wir nutzen es als Training zur Abrufbarkeit.
Als Jagdersatz nutzen wir sehr gern Fleisch- und Schleppwildfährten, die mit hoher Nase und nicht spurgetreu abgesucht werden dürfen, wir machen Futtersuchspiele und Zughundesport, bei dem ausgiebig gerannt werden darf.
Werkzeuge aus klassischem, aber auch aus abgewandeltem Jagdersatztraining haben für uns nicht funktioniert, jeder Versuch, Jagdverhalten zu verbieten oder zu Sanktionieren, scheiterte sofort. Für uns war dieser Weg richtig und ich freue mich, in die Jagdwelt des Hundes einzutauchen, ihn zu lassen, Sachen zu erkunden und zu lernen und mitzufiebern, wenn er gefahrenlos sprinten oder einen gelungenen Mäusesprung vollziehen kann.

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Wer sich zum Jagdersatztraining, aber auch zum gemeinsamen Jagen nach der Ulli-Methode informieren möchte, kann das hier tun:

Jagdersatztraining – Facebook
Markertraining-Website – Jagdersatztraining
Ullihunde – Facebook
Ullihunde-Website

Credits to Greg Litatcio as photo source

Einmaleins Kanidenverhalten

Teil 2 – knabbern, festhalten und lecken als Zeichen der Zuneigung

Knabbern, Festhalten mit der Schnauze und zärtliches Beißen sind Zeichen hündischer Zärtlichkeit. Hunde, insbesondere im Welpenalter, erkunden mit dem Mund. Ihre Artverwandten, Wölfe, Dingos und andere Kaniden, zeigen dieses Verhalten auch als adulte Tiere Artgenossen und in Obhut lebend auch Menschen gegenüber.

Hunde kauen, lecken und saugen an Gegenständen und Menschen aus unterschiedlichen Gründen – sie finden einen Geruch interessant und möchten ihn erkunden oder beginnen, in spielerischer Absicht zu knabbern.
Eine klassische Form der Spielaufforderung ist es ebenso, zu knabbern oder zart zu beißen.

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-Adulter Wolfhund knabbert am Bein seiner Besitzerin, um seine Zuneigung auszudrücken, ihre Aufmerksamkeit einzufordern und sie bei sich zu behalten

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– Hündin beißt dem zu ihr gehörigen Rüden nach dem gemeinsamen Schnüffeln zärtlich in den Hals, um Zugehörigkeit zu demonstrieren

Untereinander zeigen Kaniden ein partnerschaftliches, pflegendes Verhalten, indem sie sich gegenseitig mit den Vorderzähnen beknabbern, einige Hundeartige möchten auch Menschen mit dem unter Hunden so üblichem Knabbern pflegen und auf diese Weise ihre Gewogenheit ausdrücken.
Insbesondere primitive, sehr junge Hunde und Wildkaniden sowie deren Mischlinge neigen dazu, spielerisches oder pflegendes Kauen zu zeigen – manche nehmen sogar den Kopf, die Hand oder den Arm ihrer Bezugsperson in das Maul, ebenso, wie sie bei Artgenossen die gesamte Schnauze oder den gesamten Nackenbereich umfassen können. Besonders junge Kaniden neigen dazu, durch Hochspringen und gleichzeitiges Schnappen ein Spiel iniziieren zu wollen – ein juveniler Zug, der auch bei manchen adulten Tieren besteht und ebenso im Mensch-Hund-Kontext gezeigt werden kann.

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– Hündin zeigt ein herausforderndes, spielerisches Fletschen und beginnt anschließend, an dem Ärmel und der Hand der Besitzerin zu kauen

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– Wolfhund umfasst die Hand seiner Bezugsperson mit dem Fang, kaut vorsichtig auf ihr herum und hält sie fest, um Zuneigung zu bekunden und Aufmerksamkeit einzufordern

Lecken oder auch „küssen“ wird häufig mit hündischer Zuneigung assoziiert, wobei das Schnauzenlecken häufig eine Beschwichtigungs- und Demutsgeste darstellt, die dazu dient, das Gegenüber und sich selbst zu beruhigen. Lecken an Händen oder anderen Körperstellen dient hingegen häufiger der Pflege und der Zuneigung als der Besänftigung. Durch das Schnauzenlecken demonstrieren Kaniden außerdem Zugehörigkeit und Akzeptanz.

Diese Verhaltensweisen werden aufgrund ihrer Divergenz zu menschlichem Verhalten und ihrer Seltenheit in domestizierten, adulten Hunden häufig als Dreistigkeit und als unerwünschtes Verhalten wahrgenommen und den Hunden infolgedessen untersagt – tatsächlich handelt es sich dabei um ein unter Hunden sehr vertrautes, zärtliches Verhalten, das nur selten eine Grenzüberschreitung, die eine Zurechtweisung zur Folge hat, darstellt.

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– Neuguinea-Dingos lecken einander die Schnauze, um Zugehörigkeit und Demut zu zeigen

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-Huskyrüde leckt Bezugsperson über das Gesicht, um seine Zuneigung auszudrücken, zu beschwichtigen und sich ergeben zu zeigen

Sources: Behaviour of Wolves Dogs and Related Canids – Michael W.Fox
Canine Behavior: A Photo Illustrated Handbook – Barbara Handelman
Natasha Woodall, Texas Wolfdog Project: Rescue, Adoption and Education – photo sources
Joan Dalgeish, owner of New Guinea Singing Dogs – photo sources

Interessenkonflikt – unterschiedliche Charaktere in der Mehrhundehaltung

Mittlerweile ist es immer üblicher, mehr als einen Hund zu haben – die Vorteile liegen auf der Hand: Viele Hunde sind hochsozial und schätzen den Kontakt zu Artgenossen in einer festen, harmonischen Gruppe sehr, sie profitieren Tag für Tag davon, können an Souveränität gewinnen, manche Verlustängste verlieren, ihr Sozialverhalten ausbauen und befinden sich in ständiger Interaktion mit einem Partner, der sie im Idealfall vollumfänglich versteht – jedoch ist das nicht grundsätzlich so; damit das Zusammenleben mit mehr als einem Hund eine Bereicherung darstellt, müssen die Hunde untereinander kompatibel sein und auch als Gruppe zu ihrem Menschen passen.

Hunde sind Individuen, ganz klar – kein Hund gleich dem anderen, erst recht nicht charakterlich. Ihre Empfindungen und Bedürfnisse stehen denen der Menschen in Vielschichtigkeit und Vielseitigkeit in nichts nach.
Hunde möchten vor allem eins: Bedürfnisbefriedigung, genauso wie die meisten Menschen, als Einzelhund ist das selten ein Problem, doch manchmal ist es dem Menschen ein Bedürfnis, gleich mehrere Hunde zu halten, obwohl die Hunde gänzlich andere Vorstellungen haben – sind die Unterschiede der Hunde zu gravierend und eine Angeleichung durch Training nicht möglich, gestaltet sich die Mehrhundehaltung häufig als Herausforderung.

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Mehrhundehaltung kann erfüllend sein, auch, wenn man völlig unterschiedliche Hunde miteinander sein lässt, doch kann es zu Konflikten führen, wenn die Hunde charakterlich oder bedürfnisbezogen nicht zusammenpassen und man keine Möglichkeit hat, das zu ändern.
Hat der eine Hund ein ausgeprägtes Ruhebedürfnis und muss seinen Alltag mit einem quirligen, unbeherrschten Jungspund verbringen, ist das für den Ruheliebenden problematisch – sieht er sich gezwungen, den Hampelmann zurechtzuweisen und sein Verhalten zu unterbinden, befinden sich beide Hunde in einer für sie unangenehmen Situation, schlimmstenfalls nicht nur für wenige Minuten, sondern für den Rest des Hundelebens.
Lebt man mit einem einen Hund, der ausgesprochen artgenossenverträglich ist und nichts lieber tut, als Hundekontakt zu haben und einem anderen, dem andere Hunde vom Pelz bleiben sollten, bedeutet das viel Management oder eine extreme Einschränkung für mindestens einen der Hunde, vor allem, wenn man beide gleichzeitig ausführen möchte oder muss. Die Liste der möglichen Ungleichheiten zwischen Hunden setzt sich endlos fort, nicht nur charakterlich, sondern auch seitens des Trainingsaufwandes, des Auslastungsbedarfes oder der gesundheitlichen Versorgung.

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Mehrere Hunde zu halten sollte kein Kompromiss sein oder zum Dauerspießrutenlauf werden. Sicherlich ist die Haltung eines Hundes ein geringerer Aufwand als die zweier, dreier oder einer Gruppe, doch sollte der Mehraufwand in Relation zu dem Gewinn dieser Haltungsform stehen – was nützt es mir und insbesondere den Hunden, wenn zwei von ihnen fünffache Arbeit bedeuten, die man nicht leisten kann und die dazu führt, dass die Hunde unverhältnismäßig stark zurückstecken müssen? In einem solchen Fall müssen Lösungen gefunden werden, für alle Beteiligten.

Hunde sollten keine Kommunikationsbarrieren überwinden müssen, nicht zurückstecken müssen, weil einer völlig andere Bedürfnisse als der andere hat oder als Belastung empfunden werden, weil man ihrem Arbeitsaufwand nicht gerecht werden kann.
Im Idealfall bedeutet Mehrhundehaltung Mehrkosten, Mehraufwand, aber auch deutlich mehr Lebensqualität auf allen Seiten – deshalb ist es unabdinglich, sich vor der Haltung genau zu entscheiden, welche Hunde miteinander kompatibel sind und bei bereits bestehender Haltung zur Zufriedenheit aller Parteien zu lösen.

Auch hier leben zwei Hunde, die sehr unterschiedlich in ihren Bedürfnissen sind, aber auch zwei Menschen, die den Bedürfnissen des jeweiligen Hundes gerecht werden können, ohne einen benachteiligen zu müssen.
Der freundliche, verträgliche und Menschen zugewandte Husky kann Hundekontakt haben, gestreichelt werden, sich über Ansprache freuen – Dinge, die nicht möglich sind, wenn ich mit beiden Hunden allein unterwegs bin, weil mein Hund völlig andere Bedürfnisse hat. Es ist kein schönes Gefühl, Hundebegegnungen abweisen zu müssen, beide Hunde durch die Gestaltung des Spaziergangs nur halbgare Zufriedenheit zu ermöglichen und sie in ihrer Persönlichkeit dadurch mehr als nötig einschränken zu müssen.
Sind wir zu zweit mit beiden Hunden unterwegs, kann meine Hündin Menschen meiden, mit mir auf Lichtungen stöbern, sich mit ihrer Umwelt befassen und den Husky bespielen, während jener all das tun kann, was das schönste Huskygrinsen dieser Welt hervorruft – knapp überholt vom schönsten Rothundschmunzeln desselben Tages.
Allein mit beiden Hunden wäre das für beide Hunde und den Menschen eine brenzlige Konstellation, weil es immer einen Interessenskonflikt gäbe – die zwei sind so unterschiedlich in vielen Dingen, dass sie bei einer Person untergehen würden; da jedoch jeder von uns einen Hund hat und ihm gerecht werden kann, sind sie eine absolute Bereicherung füreinander und für uns. Für mich käme die Haltung zweier Hunde als Einzelperson nur infrage, wenn die Hunde sich aneinander angleichen und ihren Interessen allein nachkommen kann – wenn sie einander zufriedenstellen und auch für mich doppelte Freude bedeuten.

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„Die klären das unter sich?“

Ob und was überhaupt Hunde unter sich klären ist ein viel behandeltes, kontroverses Thema – „Was haben zwei Fremde schon miteinander zu klären?“ ist eine der treffendsten Fragen, die ich zu dieser Thematik bisher gelesen habe – „Nichts – oder besser: Fast nichts“.
Hunde kommunizieren bei jeder Begegnung miteinander und auch mit uns, sie teilen dem Gegenüber Informationen über ihre Absichten mit, über das Gefühl, mit dem sie in die Begegnung gehen, sie präsentieren sich, sie drohen oder beschwichtigen; doch nicht immer werden diese Informationen auch vom anderen Hund verstanden oder berücksichtigt.

Grundsätzlich erübrigen sich klärende oder eher mehr Unklarheit schaffende Begegnungen zwischen einander fremden Hunden bereits, wenn man die Körpersprache beider liest und feststellt, dass jene ausgesprochen selten Wert darauf legen, sich näher miteinander bekannt zu machen.
Direkte Konfrontationen zwischen zwei oder mehreren Hunden sind unnatürlich und für die meisten Hunde unhöflich, dadurch entsteht ein Konflikt, den es dann zu klären gilt – im Idealfall unter den Haltern, indem man sich Sichtzeichen gibt oder sich kurz austauscht und einander ausweicht. Kommt dennoch eine Begegnung zustande, weil die Kommunikation der Halter miteinander genauso reibungsvoll verläuft wie die der Hunde, ist es Sache des Menschen, die Situation aufzulösen – im Sinne aller Beteiligten.

Die verschiedenen Absichten und das unterschiedliche Kommunikationsverhalten der jeweiligen Hunde kann forcierte, unerwünschte Begegnungen zum Problem werden lassen; dass zwei fremde Hunde miteinander spielen wollen und dem jeweiligen Spielstil des anderen entsprechen, ist ausgesprochen selten – „Spiel“, das unter Fremdhunden beobachtet wird, dient oftmals eher einer sehr juvenilen, freundlichen Art des Konfliktabbaus, kann allerdings in Sekundenschnelle umschlagen, wenn einer die Konfliktlösung des anderen nicht akzeptiert oder ein „Spielverhalten“ zeigt, das dem Gegenüber widerstrebt.
Besonders dann, wenn ein Interaktionspartner sexuelle Ambitionen hegt oder dazu neigt, sein Gegenüber zum Stressabbau zu besteigen, kommt es zu Konflikten, die ernster werden können – aber auch, wenn zwei sehr unterschiedliche Charaktere einander begegnen, besteht ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotenzial, vor allem bei einem sehr ungestümen, rüpelhaftem und einem zurückhaltenden, ängstlichen Hunden – für beide sind geordnete, kontrollierte Begegnungen wichtig, damit die jeweiligen Verhaltensweisen modifiziert und in Bahnen gelenkt werden können, erzwungener Fremdhundkontakt wirkt sich in jedem Fall kontraproduktiv aus.
Hunde, die immer und immer wieder in Situationen gedrängt werden, die sie nicht selbst lösen können, verlieren das Vertrauen zum Halter und entwickeln unerwünschte Lösungsstrategien, die oftmals zu übermäßigem Flucht- oder Aggressionsverhalten, das nur mit großem Aufwand wieder gelöst werden kann, führen. Prävention und Augenmaß ist eindeutig die bessere Wahl als die bequeme Maxime „Das machen die unter sich aus.“

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Vorsorgliche Beschwichtigung seitens sozial unsicherer Hündin gegenüber ungestümen Hund

„Dürfen die Hunde gar nichts mehr untereinander regeln?“

Doch, dürfen sie – wenn sie einander kennen oder, wenn sie auch gegenüber fremden Hunden fair handeln können – und der andere Hund das annehmen kann.
Ich lasse meinen Hund ausgesprochen selten auf fremde Hunde los – weil ich nicht weiß, wie der jeweilige Hunde reagiert. Bevor ich entscheide, meinen Hund eine Situation an meiner Stelle klären zu lassen, vergehen in der Regel einige Sekunden, in der ich die Körpersprache des anderen Hundes (und, falls anwesend, des Halters) so genau wie möglich lese und abwäge, ob mein Hund der bessere (Er-)Klärer ist als ich.
Häufig passieren solche Situationen mit Hunden, deren Menschen einige hundert Meter vor oder hinter jenen laufen und gar nicht mitbekommen, dass der Hund auf Abwegen quer übers Feld zum Fremdhund ist.
Bemerke ich, dass der andere Hund stoppt, einen Bogen läuft oder anders bereits auf Distanz beginnt, zu kommunizieren und die Signale meines Hundes richtig zu deuten, lasse ich eine Kommunikation zu – ist das nicht der Fall und alle noch so feinen oder offensichtlichen Drohsignale meines Hundes werden ignoriert, übernehme ich die Verantwortung, den Fremdhund zu stoppen, um den Konflikt im Keim zu ersticken und beiden Hunden eine unerwünschte Konfrontation zu ersparen; die wenigsten „Tut-Nixe“ ignorieren die Signale anderer Hunde aus Absicht oder dem Wunsch nach Maßregelung, viele verstehen sie nicht oder reagieren darauf mit „fiddle about“ – einer spielerischen, häufig stark überzogenen und hektischen Art der Konfliktlösung, die unter adulten Hunden vieler Rassen selten verwendet wird und damit häufig zu Konflikten führt.
Findet ein Kontakt zwischen meinen Hunden und einem Fremdhund statt, ist die Sache häufig schnell erledigt – entweder, der Kontakt ist erwünscht und die Hunde gehen ein Stück miteinander oder der unerwünschte Gast sucht schnell das Weite, notfalls, indem ich als Mensch meiner Aufgabe nachkomme und nachhelfe.

Klärungsbedarf unter Hundefreunden

Sind meine Hunde und ich in einer Gruppe aus mehreren Hunde-Halter-Teams unterwegs, die bereits miteinander bekannt sind und einander mögen, dürfen die Hunde nahezu alles untereinander klären – weil sie einander einschätzen können, weil sie sich miteinander verstehen, weil auch wir als Halter genau wissen, dass die Kommunikation erfolgreich ist.
Ich weiß, dass ich in einer Diskussion meiner Hunde innerhalb ihrer Gruppe nicht einzugreifen brauche – weil die Hunde so aufeinander abgestimmt sind, dass die Kommunikation passt und dass verschiedene Konflikte nicht aus dem Ruder laufen.
Meine Hunde haben zum Glück (!) kein ausgeprägtes Ressourcenverteidigungsverhalten, keine Tendenzen, andere Hunde zu jagen, zu hüten, zu besteigen oder andauernd zu bespielen – sie sind durchsetzungsstark und können maßvoll mit anderen Hunden umgehen, deshalb dürfen sie viele Dinge selbst lösen. Mit uns laufen jedoch auch Hunde mit, die das nicht können, mit denen es eine Gratwanderung darstellt, ob sie eine Zurechtweisung eines anderen, eines vertrauten Hundes akzeptieren können oder ob sie über die Stränge schlagen – in solchen Fällen greifen wir als Halter ein, denn auch unter Freunden gibt es keine Narrenfreiheit.

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Ressourcenverteidung zwischen zwei Jugendfreunden – ein Beispiel reibungsloser Kommunikation

Fremden Hunden traue ich in der Regel nicht zu, meine Hunde einschätzen zu können oder angemessen zu reagieren – ein Grund, aus dem ich nur Hundekontakt zulasse, wenn ich zweifelsfrei sehe, dass beide Hunde jenen wünschen, sofern er sich ansonsten verhindern lässt.
Kenne ich Hund und Halter und weiß, dass jeder von uns seinen Hund richtig einschätzen kann, lassen wir die Hunde ihre Konflikte lösen – eine erfolgreiche Konfliktlösung ist wichtig für das Sozialverhalten und Selbstbewusstsein des Hundes, deshalb sollte es jedem Hund ermöglicht werden, unter kontrollierten Bedingungen eigene, angemessene Lösungsansätze finden zu dürfen; Fremdhunde sind dafür allerdings ein denkbar schlechter Übungsgegenstand.

(M)ein Xoloitzcuintle – eine Rassebeschreibung

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– Ein Gastbeitrag von Jenny –

Obwohl der Xoloitzcuintle – oder Mexikanischer Nackthund – zu den ältesten Hunderassen der Welt zählt, ist er doch heute eher selten anzutreffen und den meisten Menschen völlig unbekannt.
Seit fast zwei Jahren wohnt mein Xolo-Rüde Nextic bei mir und ich möchte euch an meinen Erfahrungen mit dieser Rasse teilhaben lasssen.

Ein kurzer geschichtlicher Überblick zur Rasse

Der älteste ärchologische Beweis für die Existenz des Xolos ist eine etwa 1700 vor Christus entstandene Tonfigur aus Tlatilco (Mexiko) und es ist sehr wahrscheinlich, dass auch schon vor dieser Zeit Nackthunde eine große Rolle im Leben der Azteken gespielt haben, hauptsächlich als Jagd- und Wachhunde.
Den Name Xoloitzcuintle kann man als „Hund des Gottes Xolotl“ übersetzen – Der Xolo war ein wichtiger Teil des religiösen Kultus. Man glaubte, dass ein Xolo das Heim vor bösen Geistern und Eindringlingen beschützen würde, die Hunde wurden oft geopfert und mit dem Besitzer begraben, um dessen Seele sicher in die Unterwelt zu führen.
Außerdem galten die Hunde als Delikatesse und wurden zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten, Begräbnissen und religiösen Festen verspeist sowie als „lebender Proviant“ auf Reisen mitgeführt. Auch Heilkräfte sprach man dem Xolo zu, besonders bei Asthma, Rheuma und Schlaflosigkeit.
Weiters galt es als sehr gastfreundlich, jemanden ein paar Xolos ins Bett zu legen, damit diese in kalten Nächten als Wärmeflaschen fungieren konnten.
Nach der Kolonialisierung durch die Spanier wurde die Rasse fast ausgelöscht und bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts nicht mehr bewusst gezüchtet. Stattdessen haben viele Xolos halbwild als Straßenhunde überlebt und gehören somit zu den klassischen Pariahunden – Auch heute findet man in Mexiko noch viele nackte, halbwilde Hunde.

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Xoloitzcuintle – Foto von Jenny G.

Erscheinungsbild

Den Xoloitzcuintle gibt es heutzutage in drei verschiedenen Größen:

Standard: 46-60cm
Medium: 36-45cm
Miniatur: 25-35cm

Natürlich ist das hervorstechendsten Merkmal des Xolos seine Haarlosigkeit, wobei es auch eine behaarte Variation gibt. Da diese erst seit kurzem in den Rassestandard aufgenommen wurde und sie nicht bewusst gezüchtet, können alle Fellvariationen fallen – Vom Stockhaar, Langhaar bis hin zum Rauhaar in allen möglichen Farben kommt alles vor. Im neuen Standard wird allerdings ein kurzes Fell ohne Unterwolle verlangt.
Bei beiden Variationen werden einfarbige, dunkle Hunde bevorzugt – Gerade bei der haarlosen Variante wird so eine übermäßig sonnenempfindliche Haut vermieden.
Bei der haarlosen Variante können auch Haare am Kopf, den Extremitäten, der Rute und dem Rücken auftreten, gewünscht wird aber ein möglichst haarloser Körper.

Der Xolo sollte ein wenig länger als hoch sein, mandelförmige Augen, große Stehohren und einen harmonischen, Körperbau ohne Extreme aufweisen.

Mexikanische Nackthunde sind oft sehr frühreif, auch bei der großen Variante werden die Hündinnen oft schon mit 5-6 Monaten läufig und dann auch gerne drei Mal im Jahr.

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Xoloitzcuintle rennend – Foto von Jenny G.

Charakter

Xolos binden sich eng an ihre Bezugsperson und sind dann in der Regel richtig „anhänglich“ und fast katzenartig– Mein Nextic ist trotz seiner Größe ein absoluter Schoßhund und liebt es, eng an mich gekuschelt dazuliegen. Wenn er das einmal nicht darf, liegt er zumindest auf meinen Füßen oder sitzt neben mir und legt seinen Kopf auf meinen Oberschenkel. Generell könnte man ihn den ganzen Tag streicheln, er bekommt davon nie genug und grunzt dann entspannt vor sich hin – Schnurren kann er dann halt doch nicht 😉
Ich kann aber dadurch zumindest den aztekischen Mythos der Heilkräfte bestätigen –
Bei Bauchweh und Kopfschmerzen hilft so ein warmer Xolo definitiv.
Bei Schlaflosigkeit würde ich ihn allerdings eher nicht empfehlen – Nextic schläft sehr gern mit komplett verrenktem Hals und drückt seine Nase gegen irgendwas und schnarcht dann lautstark.
Bei fremden Leuten ist Nextic reserviert bis misstrauisch, sprechen sie ihn nicht direkt an, sind sie ihm vollkommen egal, er würde nie einfach zu jemanden hinlaufen oder mit jemand unbekannten mitgehen.
Im Gegensatz zu meinem TWH ist seine erste Strategie hier immer schon weggehen gewesen, damit er offen nach vorne geht, muss schon einiges vorfallen – Das liegt allerdings sicherlich auch daran, dass der Herr Nackt seinen persönlichen Bodyguard in Form meine Hündin meist dabei hat 😉
Xolos sind auch gute Wachhunde und auch Nextic entgeht nichts – Aber er hat auch schnell gelernt, die Nachbarn von Fremden zu unterscheiden und wenn er einmal etwas meldet, dann ist es wirklich etwas ungewöhnliches.
Viele Xolohalter erzählen auch, dass ihre Hunde durch Bellen melden, das macht Nextic gar nicht, aber er bellt auch sonst sehr, sehr selten und ich war mir lang nicht sicher, ob er es überhaupt beherrscht.
Dafür heult Nextic in bestimmten Situationen, zum Beispiel (selten) beim Alleinbleiben oder wenn er meine Hündin beim Spaziergang aus den Augen verliert und sie sich gegenseitig suchen.

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Xoloitzcuintle sitzend – Foto von Jenny G.

Sozialverhalten mit anderen Hunden

Ich habe Nextic mit 12 Wochen bekommen und schon damals war er für sein Alter sehr erwachsen. Dieses typische babyhafte Welpenwesen hatte er gar nicht mehr, er hat schon damals genau gewusst, was er wollte – oder auch nicht – und hat das auch wesentlich älteren Hunden deutlichst und mit Nachdruck vermittelt -an Selbstbewusstsein hat es ihm nie gemangelt .
Nextic hatte eigentlich nie sonderlich großes Interesse an Fremdhunden, der Kontakt mit meiner Hündin und ein paar Hundekumpels haben ihm auch als Junghund ausgereicht, richtig gespielt hat er nie mit Fremdhunden. Heute, als zweijähriger Rüde, spielt er zwar immer noch gern mit meiner Hündin, aber sehr selten mit anderen Hunden – Da sehr oft, wenn meine Hündin ein Spiel initiiert und er mitmachen kann.
Mit Hunden, denen wir draußen begegnen, ist er soweit verträglich, lässt sich aber nichts bieten und erwartet die Einhaltung gewisser Höflichkeitsregeln. Generell haben Xolos aber selten ein Problem mit Artgenossen, auch wenn sie meist eher selbtsicher und statusbewusst sind – Auch bei der Haltung von gleichgeschlechtlichen, intakten Gruppen kommt es in der Regel eher nicht zu Konflikten.
Wie viele primitive Rassen kommuniziert auch der Xolo sehr fein und spielt recht wild und mit vielen Nacken, Kehl-, Bein- und Ohrbissen und Pfotenhieben – Das irritiert viele Hunde „normale“ Rassen oft am Anfang.

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Xoloitzcuintle-Welpe droht adultem Hund – Foto Yves R.

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Xoloitzcuintle im Spiel mit peruanischem Nackthund – Foto Jenny G.

Hundesport

Hier sind die Xolos sehr unterschiedlich – im allgemeinen dank ihres Körperbaus echte Allrounder, die für fast alle Hundesportarten geeignet sind, aber nicht jeder Xolo bringt beispielsweise den Beutetrieb für Discdogging oder ähnliches mit. Viele Xolos werden im Agility geführt, auch beim Trailen/Fährten stellen sie sich meist sehr geschickt an.
Mit Nextic mache ich Unterordnung – Das gefällt ihm total, er macht da mit Begeisterung mit und ist dabei sehr konzentriert und lernt sehr schnell. Allerdings darf man ihn hier natürlich nicht mit den klassischen Gebrauchthunderassen vergleichen – Nextic muss man oft wirklich überzeugen, dass etwas lustig ist und er kann dann auch sehr stur sein (Platz auf der Wiese war ein Theater – Er wollte sich partout nicht hinlegen und ist sogar extra auf den Gitterboden daneben ausgewichen, nur weil er seinen mexikanischen Sturschädel durchsetzen wollte). Auch wenn er einen schlechten Tag hat und keine Lust, brauche ich gar nicht auf den Hundeplatz fahren – Dann verweigert er die Mitarbeit komplett. Auch wenn er merkt, dass ich nicht bei der Sache bin, macht er zu und ich kann das Training vergessen.
An den meisten Tagen ist Nextic aber mit vollem Herzen dabei und ist dann auch sehr ausdauernd und kann sich lange konzentrieren und es macht dann einfach Spaß, mit ihm zu arbeiten.
Außerdem machen wir Zughundesport (Canicross, Bikejöring und beim Wandern hängen die Hunde auch im Zuggeschirr, und sie ziehen vor dem Wagen) – Das war eine Sache, von der ich Nextic lange überzeugen musste, da er Geschirre ansich schrecklich findet. Mittlerweile ist er aber ein toller Zughund geworden und gerade beim Wandern und vor dem Wagen ein echter Verlasshund. Er denkt an den richtigen Stellen mit, ohne alles zu hinterfragen und zeigt konstante Leistung.
Ich denke auch, dass ihm Coursing großen Spaß machen würde, da er Gefallen am Hetzen findet, leider habe ich hier keine Möglichkeit, das einmal auszuprobieren.

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Xoloitzcuintle beim Apport – Foto von Jenny G.

Jagdtrieb

Ich weiß von keinem (erzogenen) Xolo, der einen wirklich unkontrollierbaren Jagdtrieb hat und nie abgeleint werden kann. Nextic hat es mir in der Hinsicht sehr einfach gemacht, da er sich zunächst sehr an meiner Hündin orientiert hat und die schon gewusst hat, dass ich es nicht schätze, wenn sie sich ihr Abendessen selbst fängt und so hat Nextic in seiner Junghundezeit auch nicht wirklich Interesse an Wild gezeigt. Mittlerweile findet er Wild durchaus spannend – wenn er es sieht – und würde auch ohne meine Hündin losstarten. Gottseidank zeigt Herr Nackt mir Wild sehr schön durch vorstehen an, wenn man ihn da abruft, geht er auch nicht hinterher. Einmal habe ich das Vorstehen wirklich lange übersehen, da ich einen Hundehaufen auf der Wiese gesucht habe, und als der angezeigta Auerhahn dann den typischen Tiefstart hingelegt hat, ist Nextic auch hinterher. Allerdings hat er dann sofort umgedreht, als er bemerkt hat, dass er keine Chance hat, den Hahn zu erwischen und ist nicht kopflos hinterhergerannt.
Allerdings ist er ein passionierter und erfolgreicher Mäusejäger – Aber das darf er bei mir auch.

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Xoloitzcuintle vorstehend – Foto von Jenny G.

Was kann man also abschließend über den Xolo sagen und warum habe ich mich für diesen Hund entschieden?

Nextic ist ein genialer Hund und sicherlich nicht mein letzter Xolo. Ich mag, dass er zwar ursprünglich ist, aber doch ein „Hund“ und dass er für jeden Blödsinn zu haben ist. Trubel und Menschenmassen machen ihm nichts, er kommt in der Großstadt genauso gut klar wie am Land, man kann mit ihm Hundesport machen oder auch einfach nur ohne Leine Gassi gehen. Drinnen merkt man kaum war von ihm, draußen kann er richtig Gas geben. Herr Nackt ist ein kleiner, sturer Choleriker, der gern testet, ob es auch heute noch verboten ist, das leere Teller auszuschlecken, aber er hat noch nie irgendwas etwas kaputt gemacht (ok doch – eine Klopapierrolle 😉 ).
Und lustigerweise finden die meisten Menschen, die Nextic kennenlernen, ihn zwar im ersten Moment eher hässlich aber wirklich jeder mag ihn einfach. Auch Menschen, die sonst eigentlich keine Hunde mögen sind nach kurzer Zeit hin und weg von ihm.
Ich wollte immer einen Hund um die 25kg mit moderatem Körperbau, der gerne ein bisschen Hundesport macht, mich aber auch überall hin begleiten kann. Er sollte kein „Everybody’s Darling“ sein, aber meine Kernfamilie mögen und akzeptieren. Mein Hund soll und darf wachen und mich im Zweifelsfalle auch beschützen. Ich mag keine hektischen, zum Überdrehen neigende oder laute Hunde und mir war wichtig, dass mein Hund auch klar mit Artgenossen kommunizieren kann. All das habe ich beim Xolo gefunden und Nextic erfüllt meine Erwartungen sehr gut – Ein bisschen weniger stur könnte er aber sein 😉

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Xoloitzcuintle „Nextic“- Foto von Jenny G.