Die Rasse macht’s!?

„Die Rasse ist so!“ – ein viel gesprochener Satz in Bezug auf Hunde und ihre Eigenschaften; doch ist das so einfach? Im Grunde ja, nur macht eine Rasse noch kein Individuum.

Rassespezifische Eigenschaften sind das Resultat jahre-, jahrzehnte- und jahrhundertelanger Selektion, sie sind fest in den zugehörigen Hunden der Rasse verankert und für die meisten Hundehalter der Grund, sich für genau jene Rasse zu entscheiden.
Jede Hunderasse weist spezielle Eigenschaften auf, einige unterscheiden sich nur wenig von anderen Rassen derselben Gruppe, andere Wesenszüge sind eher selten vertreten.
Die Eigenschaften verschiedener Hunderassen sind so vielfältig wie das Aussehen und ebenso einheitlich – Selektion auf bestimmte Merkmale funktioniert zuverlässig, aber ist dennoch keine Schablone, die man jedem Hund überstülpen kann.

Hunde sind Individuen mit einzigartigem Charakter

Obwohl nahezu alle Hunde einer Rasse rassespezifische Eigenschaften aufweisen, unterscheiden sich selbst innerhalb eines Wurfes alle Individuen voneinander, sie entwickeln ihren eigenen Charakter, der auf ihren rassetypischen Merkmalen, dem vererbbaren Wesen der Eltern und den Erfahrungen, die sie im Laufe ihres Lebens machen, basiert.
Selbst zwei Hunde mit ähnlichen Anlagen können sich in verschiedenem Umfeld gänzlich anders entwickeln, die Erziehung und Aufzucht eines Hundes spielen eine maßgebliche Rolle für das Verhalten, das der Hund im Verlauf seines Lebens zeigen wird.

Ob der eigene Hund später ableinbar ist, freundlich auf Artgenossen reagiert, mit Außenreizen umgehen kann, nervös oder gelassen ist, hängt oft von seinen Erfahrungen und seinem Trainingsstand ab.
Die Rasseeigenschaften sind lediglich die Basis, die den Grundstein für das legen, auf das der Halter aufbauen kann – die Rassezugehörigkeit entscheidet, wie einfach einem Hund bestimmte Aufgaben zu vermitteln sind, wie ausgeprägt sein jagdliches Interesse ist, wie er nach der Pubertät auf Artgenossen reagiert oder wie gut er allein bleiben kann, sie ist jedoch kein undurchdringbares Schild, das verhindert, einem Hund einen zuverlässigen Abruf beizubringen oder ihn zu einem freundlichen, ansprechbaren Begleiter zu erziehen.
Inwieweit der erwünschte Trainingserfolg möglich ist, hängt sowohl von der Art des Trainings als auch von der Vorgeschichte des Hundes ab – ein Hund, der in ungünstigen Verhältnissen aufgewachsen ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine geringere Trainierbarkeit aufweisen als einer, der einen optimalen Start ins Leben hatte.

Die Rasse setzt Grenzen der Trainierbarkeit

Trotz der Persönlichkeit eines jeden Hundes und der Tatsache, dass alle Hunde gleich lernen, können die rassetypischen Anlagen eines Hundes den Trainingserfolg eingrenzen.
Insbesondere ursprüngliche und primitive Hunde, aber auch andere Rassehunde, können selten dauerhaft zuverlässig abgeleint werden oder mit jedem Hund ohne Management in Kontakt treten.
Einem Trainingserfolg, beispielsweise in Bezug auf einen erfolgreichen Abruf, liegt häufig ein sehr viel längeres und arbeitsintensiveres Training zugrunde als bei anderen Rassen, die von sich aus ein geringeres jagdliches Interesse zeigen oder eine höhere Kooperationsbereitschaft aufweisen.  Ein Trainingserfolg ist allein durch die Rasse nicht unmöglich, der Weg zum Erfolg ist jedoch oftmals deutlich länger und aufwendiger.
Gegen rassespezifisches Verhalten zu arbeiten, ist anstrengend; für Hund und Halter, deshalb ist es wichtig, sich für einen Hund zu entscheiden, mit dessen Anlagen man arbeiten kann, statt stets gegen sie zu trainieren.

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