(M)ein Xoloitzcuintle – eine Rassebeschreibung

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– Ein Gastbeitrag von Jenny –

Obwohl der Xoloitzcuintle – oder Mexikanischer Nackthund – zu den ältesten Hunderassen der Welt zählt, ist er doch heute eher selten anzutreffen und den meisten Menschen völlig unbekannt.
Seit fast zwei Jahren wohnt mein Xolo-Rüde Nextic bei mir und ich möchte euch an meinen Erfahrungen mit dieser Rasse teilhaben lasssen.

Ein kurzer geschichtlicher Überblick zur Rasse

Der älteste ärchologische Beweis für die Existenz des Xolos ist eine etwa 1700 vor Christus entstandene Tonfigur aus Tlatilco (Mexiko) und es ist sehr wahrscheinlich, dass auch schon vor dieser Zeit Nackthunde eine große Rolle im Leben der Azteken gespielt haben, hauptsächlich als Jagd- und Wachhunde.
Den Name Xoloitzcuintle kann man als „Hund des Gottes Xolotl“ übersetzen – Der Xolo war ein wichtiger Teil des religiösen Kultus. Man glaubte, dass ein Xolo das Heim vor bösen Geistern und Eindringlingen beschützen würde, die Hunde wurden oft geopfert und mit dem Besitzer begraben, um dessen Seele sicher in die Unterwelt zu führen.
Außerdem galten die Hunde als Delikatesse und wurden zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten, Begräbnissen und religiösen Festen verspeist sowie als „lebender Proviant“ auf Reisen mitgeführt. Auch Heilkräfte sprach man dem Xolo zu, besonders bei Asthma, Rheuma und Schlaflosigkeit.
Weiters galt es als sehr gastfreundlich, jemanden ein paar Xolos ins Bett zu legen, damit diese in kalten Nächten als Wärmeflaschen fungieren konnten.
Nach der Kolonialisierung durch die Spanier wurde die Rasse fast ausgelöscht und bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts nicht mehr bewusst gezüchtet. Stattdessen haben viele Xolos halbwild als Straßenhunde überlebt und gehören somit zu den klassischen Pariahunden – Auch heute findet man in Mexiko noch viele nackte, halbwilde Hunde.

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Xoloitzcuintle – Foto von Jenny G.

Erscheinungsbild

Den Xoloitzcuintle gibt es heutzutage in drei verschiedenen Größen:

Standard: 46-60cm
Medium: 36-45cm
Miniatur: 25-35cm

Natürlich ist das hervorstechendsten Merkmal des Xolos seine Haarlosigkeit, wobei es auch eine behaarte Variation gibt. Da diese erst seit kurzem in den Rassestandard aufgenommen wurde und sie nicht bewusst gezüchtet, können alle Fellvariationen fallen – Vom Stockhaar, Langhaar bis hin zum Rauhaar in allen möglichen Farben kommt alles vor. Im neuen Standard wird allerdings ein kurzes Fell ohne Unterwolle verlangt.
Bei beiden Variationen werden einfarbige, dunkle Hunde bevorzugt – Gerade bei der haarlosen Variante wird so eine übermäßig sonnenempfindliche Haut vermieden.
Bei der haarlosen Variante können auch Haare am Kopf, den Extremitäten, der Rute und dem Rücken auftreten, gewünscht wird aber ein möglichst haarloser Körper.

Der Xolo sollte ein wenig länger als hoch sein, mandelförmige Augen, große Stehohren und einen harmonischen, Körperbau ohne Extreme aufweisen.

Mexikanische Nackthunde sind oft sehr frühreif, auch bei der großen Variante werden die Hündinnen oft schon mit 5-6 Monaten läufig und dann auch gerne drei Mal im Jahr.

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Xoloitzcuintle rennend – Foto von Jenny G.

Charakter

Xolos binden sich eng an ihre Bezugsperson und sind dann in der Regel richtig „anhänglich“ und fast katzenartig– Mein Nextic ist trotz seiner Größe ein absoluter Schoßhund und liebt es, eng an mich gekuschelt dazuliegen. Wenn er das einmal nicht darf, liegt er zumindest auf meinen Füßen oder sitzt neben mir und legt seinen Kopf auf meinen Oberschenkel. Generell könnte man ihn den ganzen Tag streicheln, er bekommt davon nie genug und grunzt dann entspannt vor sich hin – Schnurren kann er dann halt doch nicht 😉
Ich kann aber dadurch zumindest den aztekischen Mythos der Heilkräfte bestätigen –
Bei Bauchweh und Kopfschmerzen hilft so ein warmer Xolo definitiv.
Bei Schlaflosigkeit würde ich ihn allerdings eher nicht empfehlen – Nextic schläft sehr gern mit komplett verrenktem Hals und drückt seine Nase gegen irgendwas und schnarcht dann lautstark.
Bei fremden Leuten ist Nextic reserviert bis misstrauisch, sprechen sie ihn nicht direkt an, sind sie ihm vollkommen egal, er würde nie einfach zu jemanden hinlaufen oder mit jemand unbekannten mitgehen.
Im Gegensatz zu meinem TWH ist seine erste Strategie hier immer schon weggehen gewesen, damit er offen nach vorne geht, muss schon einiges vorfallen – Das liegt allerdings sicherlich auch daran, dass der Herr Nackt seinen persönlichen Bodyguard in Form meine Hündin meist dabei hat 😉
Xolos sind auch gute Wachhunde und auch Nextic entgeht nichts – Aber er hat auch schnell gelernt, die Nachbarn von Fremden zu unterscheiden und wenn er einmal etwas meldet, dann ist es wirklich etwas ungewöhnliches.
Viele Xolohalter erzählen auch, dass ihre Hunde durch Bellen melden, das macht Nextic gar nicht, aber er bellt auch sonst sehr, sehr selten und ich war mir lang nicht sicher, ob er es überhaupt beherrscht.
Dafür heult Nextic in bestimmten Situationen, zum Beispiel (selten) beim Alleinbleiben oder wenn er meine Hündin beim Spaziergang aus den Augen verliert und sie sich gegenseitig suchen.

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Xoloitzcuintle sitzend – Foto von Jenny G.

Sozialverhalten mit anderen Hunden

Ich habe Nextic mit 12 Wochen bekommen und schon damals war er für sein Alter sehr erwachsen. Dieses typische babyhafte Welpenwesen hatte er gar nicht mehr, er hat schon damals genau gewusst, was er wollte – oder auch nicht – und hat das auch wesentlich älteren Hunden deutlichst und mit Nachdruck vermittelt -an Selbstbewusstsein hat es ihm nie gemangelt .
Nextic hatte eigentlich nie sonderlich großes Interesse an Fremdhunden, der Kontakt mit meiner Hündin und ein paar Hundekumpels haben ihm auch als Junghund ausgereicht, richtig gespielt hat er nie mit Fremdhunden. Heute, als zweijähriger Rüde, spielt er zwar immer noch gern mit meiner Hündin, aber sehr selten mit anderen Hunden – Da sehr oft, wenn meine Hündin ein Spiel initiiert und er mitmachen kann.
Mit Hunden, denen wir draußen begegnen, ist er soweit verträglich, lässt sich aber nichts bieten und erwartet die Einhaltung gewisser Höflichkeitsregeln. Generell haben Xolos aber selten ein Problem mit Artgenossen, auch wenn sie meist eher selbtsicher und statusbewusst sind – Auch bei der Haltung von gleichgeschlechtlichen, intakten Gruppen kommt es in der Regel eher nicht zu Konflikten.
Wie viele primitive Rassen kommuniziert auch der Xolo sehr fein und spielt recht wild und mit vielen Nacken, Kehl-, Bein- und Ohrbissen und Pfotenhieben – Das irritiert viele Hunde „normale“ Rassen oft am Anfang.

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Xoloitzcuintle-Welpe droht adultem Hund – Foto Yves R.

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Xoloitzcuintle im Spiel mit peruanischem Nackthund – Foto Jenny G.

Hundesport

Hier sind die Xolos sehr unterschiedlich – im allgemeinen dank ihres Körperbaus echte Allrounder, die für fast alle Hundesportarten geeignet sind, aber nicht jeder Xolo bringt beispielsweise den Beutetrieb für Discdogging oder ähnliches mit. Viele Xolos werden im Agility geführt, auch beim Trailen/Fährten stellen sie sich meist sehr geschickt an.
Mit Nextic mache ich Unterordnung – Das gefällt ihm total, er macht da mit Begeisterung mit und ist dabei sehr konzentriert und lernt sehr schnell. Allerdings darf man ihn hier natürlich nicht mit den klassischen Gebrauchthunderassen vergleichen – Nextic muss man oft wirklich überzeugen, dass etwas lustig ist und er kann dann auch sehr stur sein (Platz auf der Wiese war ein Theater – Er wollte sich partout nicht hinlegen und ist sogar extra auf den Gitterboden daneben ausgewichen, nur weil er seinen mexikanischen Sturschädel durchsetzen wollte). Auch wenn er einen schlechten Tag hat und keine Lust, brauche ich gar nicht auf den Hundeplatz fahren – Dann verweigert er die Mitarbeit komplett. Auch wenn er merkt, dass ich nicht bei der Sache bin, macht er zu und ich kann das Training vergessen.
An den meisten Tagen ist Nextic aber mit vollem Herzen dabei und ist dann auch sehr ausdauernd und kann sich lange konzentrieren und es macht dann einfach Spaß, mit ihm zu arbeiten.
Außerdem machen wir Zughundesport (Canicross, Bikejöring und beim Wandern hängen die Hunde auch im Zuggeschirr, und sie ziehen vor dem Wagen) – Das war eine Sache, von der ich Nextic lange überzeugen musste, da er Geschirre ansich schrecklich findet. Mittlerweile ist er aber ein toller Zughund geworden und gerade beim Wandern und vor dem Wagen ein echter Verlasshund. Er denkt an den richtigen Stellen mit, ohne alles zu hinterfragen und zeigt konstante Leistung.
Ich denke auch, dass ihm Coursing großen Spaß machen würde, da er Gefallen am Hetzen findet, leider habe ich hier keine Möglichkeit, das einmal auszuprobieren.

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Xoloitzcuintle beim Apport – Foto von Jenny G.

Jagdtrieb

Ich weiß von keinem (erzogenen) Xolo, der einen wirklich unkontrollierbaren Jagdtrieb hat und nie abgeleint werden kann. Nextic hat es mir in der Hinsicht sehr einfach gemacht, da er sich zunächst sehr an meiner Hündin orientiert hat und die schon gewusst hat, dass ich es nicht schätze, wenn sie sich ihr Abendessen selbst fängt und so hat Nextic in seiner Junghundezeit auch nicht wirklich Interesse an Wild gezeigt. Mittlerweile findet er Wild durchaus spannend – wenn er es sieht – und würde auch ohne meine Hündin losstarten. Gottseidank zeigt Herr Nackt mir Wild sehr schön durch vorstehen an, wenn man ihn da abruft, geht er auch nicht hinterher. Einmal habe ich das Vorstehen wirklich lange übersehen, da ich einen Hundehaufen auf der Wiese gesucht habe, und als der angezeigta Auerhahn dann den typischen Tiefstart hingelegt hat, ist Nextic auch hinterher. Allerdings hat er dann sofort umgedreht, als er bemerkt hat, dass er keine Chance hat, den Hahn zu erwischen und ist nicht kopflos hinterhergerannt.
Allerdings ist er ein passionierter und erfolgreicher Mäusejäger – Aber das darf er bei mir auch.

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Xoloitzcuintle vorstehend – Foto von Jenny G.

Was kann man also abschließend über den Xolo sagen und warum habe ich mich für diesen Hund entschieden?

Nextic ist ein genialer Hund und sicherlich nicht mein letzter Xolo. Ich mag, dass er zwar ursprünglich ist, aber doch ein „Hund“ und dass er für jeden Blödsinn zu haben ist. Trubel und Menschenmassen machen ihm nichts, er kommt in der Großstadt genauso gut klar wie am Land, man kann mit ihm Hundesport machen oder auch einfach nur ohne Leine Gassi gehen. Drinnen merkt man kaum war von ihm, draußen kann er richtig Gas geben. Herr Nackt ist ein kleiner, sturer Choleriker, der gern testet, ob es auch heute noch verboten ist, das leere Teller auszuschlecken, aber er hat noch nie irgendwas etwas kaputt gemacht (ok doch – eine Klopapierrolle 😉 ).
Und lustigerweise finden die meisten Menschen, die Nextic kennenlernen, ihn zwar im ersten Moment eher hässlich aber wirklich jeder mag ihn einfach. Auch Menschen, die sonst eigentlich keine Hunde mögen sind nach kurzer Zeit hin und weg von ihm.
Ich wollte immer einen Hund um die 25kg mit moderatem Körperbau, der gerne ein bisschen Hundesport macht, mich aber auch überall hin begleiten kann. Er sollte kein „Everybody’s Darling“ sein, aber meine Kernfamilie mögen und akzeptieren. Mein Hund soll und darf wachen und mich im Zweifelsfalle auch beschützen. Ich mag keine hektischen, zum Überdrehen neigende oder laute Hunde und mir war wichtig, dass mein Hund auch klar mit Artgenossen kommunizieren kann. All das habe ich beim Xolo gefunden und Nextic erfüllt meine Erwartungen sehr gut – Ein bisschen weniger stur könnte er aber sein 😉

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Xoloitzcuintle „Nextic“- Foto von Jenny G.

3 Gedanken zu “(M)ein Xoloitzcuintle – eine Rassebeschreibung

  1. Hallo Jenny. Eine wirklich wunderbare Beschreibung deines Hundes! Vielen Dank dafür. Kann man dich auch irgendwie persönlich anschreiben? Denn deine Erklärung welchen Hund du haben wolltest, als du dich für den Xolo entschieden hast, entspricht genau unseren Erwartungen. Würde mich da gerne mal mit dir unterhalten.

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