Der Canaan Dog – ein Bedouinenhund

-Ein Gastbeitrag von Steffi –

Ein wie ich finde sehr besonderer Hund, der nicht so aussieht – der Canaan Dog

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Geschichtlicher Überblick

Im Orient gibt es verschiedene Felsritzungen aus dem Neolithikum, die Hunde darstellen, die dem heutigen Canaan Dog sehr ähneln und den Menschen begleitet haben.

Auch auf einigen ägyptischen Reliefs oder Wandmalereien tauchen ähnliche Hunde auf, ein Beispiel sind die Gräber von Bene Hassan. Aus Ashkelon gibt es einen Sarkophag, auf dem ein ähnlicher Hund abgebildet ist.

In der Bibel werden Hunde genannt, die die Herden schützen und Alarm schlagen, wenn sich jemand nähert. Die Bedouinen im heutigen Israel und Jordanien nutzen Canaan Dogs immer noch, um ihre Herden zu bewachen. Allerdings nimmt ihre Zahl und damit die Zahl der wild- bzw. halb wildlebenden Hunde stetig ab, da der Staat Israel die Bedouinen lieber sesshaft haben würde.

Prof. Menzel schrieb dazu, dass diese Hunde scheinbar eine Zwischenform zwischen den Haushunden und den Wildhunden darstellen können. Wildlebende Hunde passen sich dem Haushalt sehr schnell an und sind dann kaum von einem normalen Haushund zu unterscheiden. Das gleiche funktioniert aber auch andersherum: Wird ein gezüchteter Canaan Dog in die Wildnis entlassen, kann er sich selbst versorgen und adaptiert sich an seine Umwelt. Sie wurden bis vor 50 Jahren nie gezielt gezüchtet, sondern eher auf einen Nutzen hin selektiert; aggressive Hunde die die eigene Herde angriffen wurden einfach getötet.

Es sind ganz klar Hunde und sie benehmen sich wie Hunde, dennoch ist ihr Überlebenswille stärker als die Kooperation mit dem Menschen. Ein Canaan würde im Zweifel eher fliehen als anzugreifen.

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Aussehen

Der Canaan hat einen quadratischen, athletischen Körperbau von mittlerer Größe, aufrecht stehende, spitz zulaufende Ohren, mandelförmige dunkle Augen, ein dichtes Fell mit Unterwolle, welches nicht zu weich ist. Levi hat sehr harsches Fell, was aber ideal gegen sämtliche Wetterbedingungen schützt. Sie haben einen relativ breiten Kopf (gerade bei Rüden gut zu sehen), der aber zur Nase hin spitz zuläuft. Die Rute sollte hoch angesetzt sein und im Idealfall über den Rücken verlaufen, einige haben eine Sichelrute, andere einen richtigen Ringelschwanz.

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Es gibt sie in verschiedenen Farben: Creme, sandfarben, rot, schwarz mit weiß oder weiß mit schwarz gefleckt, weiß mit braunen Flecken (mit oder ohne Maske); nicht erwünscht ist grau, gestromt, liver oder black&tan.

Das Aussehen ist an die Gegebenheiten angepasst, daher haben viele streunende Hunde in den südlichen Ländern ein ähnliches Aussehen.
Rüden sind in der Regel größer und kräftiger als Hündinnen.

Verhalten

Sie sind sehr eigen- und selbständig, das kommt durch ihre ursprüngliche Lebensweise: entweder als freilebende Hunde oder als Begleiter bei den Bedouinen. In beiden Situationen entscheiden sie über ihr Leben selbst und es wird ihnen so gut wie nichts vorgeschrieben. Das macht es für viele Hunde schwierig, sich an die Normen hier anzupassen, wenn von den Hunden ein „Kadavergehorsam“ erwartet wird. Wer sich für einen Canaan Dog oder sonst einen Paria entscheidet, sollte sich von einem immer funktionierenden und akkuraten Grundgehorsam verabschieden.

Im Allgemeinen sind sie bereit mit dem Menschen zu kooperieren, solange sie daran Gefallen finden und man mit ihnen und nicht gegen sie arbeitet. Wichtig ist dabei das Vertrauen, was der Hund in seinen Menschen braucht. Ist es nicht da, wird dieser sich weigern mit zu machen.

Sie sind sehr wachsam, ihnen entgeht nichts! Alles was als gefährlich eingestuft wird, wird verbellt: das kann ein vorbeifahrendes Auto, der Nachbar oder ein sich bewegendes Katzenspielzeug sein, was immer in der Ecke liegt. Wichtig ist es, dem Hund zu zeigen, was ist normal und was nicht. Levi weiß genau, wer bei uns wohnt und wer nicht, wer regelmäßig durch das Hoftor kommt und wer neu ist.

Selbst auf einem Spaziergang sind sie immer wachsam und beobachten ihre Umgebung, Levi kann draußen zwar entspannen, aber dennoch ist er wachsam und schläft nur wenn er sich sicher fühlt (Auto, Wohnung etc.).

Zu seiner eigenen Familie ist er sehr loyal, alles was ich Levi als „Familienmitglied“ vorstelle, wird von ihm akzeptiert, das gilt auch für Nager und Vögel. Ich hab die Kaninchen mit ihm im Garten laufen lassen und er hat auf sie aufgepasst.

Fremde Hunde werden im eigenen Bereich eher selten toleriert, wobei Levi da sehr offen ist, intakte Rüden werden jedoch nicht geduldet. Generell ist es nicht unüblich, dass sich gleichgeschlechtliche Hunde ab dem Erwachsenenalter nicht mehr verstehen. Denn im Gegensatz zu vielen Hunden werden sie erwachsen und benehmen sich entsprechend.

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Sie sind, sofern gut sozialisiert, sehr offen für neues, wenn auch skeptisch am Anfang. Alles wird erst vorsichtig inspiziert, bevor es für ungefährlich gehalten wird. Selbst unbekanntes Futter wird meistens erst einmal in Ruhe angeschaut, bevor es gegessen wird. Das darf aber nicht mit Angst verwechselt werden. Wer in der Natur keine Skepsis zeigt, wird aufgegessen und lebt nicht lange.

Er ist kein Hund, der gut Befehle ohne zu hinterfragen ausführt. Levi und ich führen viele Diskussionen und nicht immer habe ich Recht! Wir gehen viele Kompromisse ein, dennoch können sie sehr gut trainiert und konditioniert werden, wenn das Training an den jeweiligen Hund angepasst wird. Levi hat nicht nur den Grundgehorsam gelernt, sondern auch den einen oder anderen Trick.

Nicht zu unterschätzen ist der Jagdtrieb dieser Hunde! Als eigenständige Wesen, die auch alleine in der Wüste überleben, jagen sie natürlich auch. Levi ist es egal, ob es ein Kaninchen oder ein Reh ist. Das übliche JET-Training ist dabei nicht immer hilfreich, ich arbeite dagegen viel mit selbstbelohnendem Verhalten und „gemeinsames Jagen“.

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Bis Levi bei mir einzog, kannte ich das Phänomen so gut wie gar nicht, dass Hunde ihr Essen verstecken, wenn sie satt sind. Dambo hat es immer im Napf liegen lassen, aber Levi vergräbt sein Futter: im Katzenklo, in der Zimmerpflanze, im Bett, im Sofa, auf dem Sessel oder wenn er im Garten Futter kriegt auch da. Ob das jetzt Rassetypisch oder generell eher Urhundetypisch ist, kann ich nicht genau sagen.

Ich hab oben bereits erwähnt, dass Menzel sie als Zwischenglied von Haus- und Wildhunden ansiedelt. 2015 hatte ich das Glück in Israel wildlebende aber auch Bedouinenhunde beobachten zu dürfen, dazu kenne ich viele Canaans als Haushunde. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Hunde, die wild oder halb wild leben, eine viel größere Individualdistanz aufweisen, als Hunde, die an den Menschen und deren Umfeld (z.B. Stadt, Dorf etc.) gewöhnt sind. Selbst die Hunde, die bei den Bedouinen leben, bleiben auf Entfernung und lassen sich allerhöchstens von den Kindern anfassen. Der Canaan Dog ist immer bei seinem Menschen, aber selten mit ihm. Die Interaktion mit dem Menschen, wie bei den meisten Jagdhunden, wurde niemals als Zuchtziel ausgewählt. Sie sollten die Herde bewachen und melden, wenn sich jemand nähert, sie agieren eigenständig und ohne Kommando des Menschen. Betrachtet man so ein Bedouinencamp, sieht man die Hunde um das Camp herumlaufen, niemals in den Zelten oder nahe bei den Menschen. Einige Rüden bewegen sich außerhalb des Camps, manchmal schließen sich neue Hunde an oder junge Exemplare ziehen weg und suchen sich was neues. Aber anders als unsere Hütehunde bewegen sie sich mit der Herde und halten die Tiere nicht zusammen, das ist Aufgabe der Frauen und Kinder. Es ist eben ein Hund, der eine lose Beziehung zu dem Menschen hat und dies im Falle der Bedouinen auch zeigt. Ein einzelner Hund kann eine sehr innige Beziehung zu einem Menschen aufbauen, wenn beide Parteien das zulassen.

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Bis zu einem bestimmten Alter jedoch (ca. 6-8 Wochen) sind sie sehr unerschrocken und zeigen keine Angst gegenüber dem Menschen. Während unseres Wüstentrips haben wir einen Wurf Canaans gefunden, geschätzt wurden sie auf ca. 6 Wochen, eine Hündin davon wurde mitgenommen und sie zeigte sich aufgeschlossen und offen allem neues. Ausgewachsene wild/halbwild lebende Hunde sind viel skeptischer Fremden und Neuem gegenüber, als die, die bei uns aufwachsen, egal, ob es um Menschen oder Futter geht.

Hunde, die von klein auf an den Menschen und alles, was dazu gehört, gewöhnt sind, können sehr gut in der Stadt leben. Für einen Hund aus der Wildnis stellt es in der Regel auch kein Problem dar, allerdings muss man Abstriche machen und das Training bzw. die Gewöhnung an das neue Leben kleinschrittig aufbauen. Levi z.B. ist ein Zuchthund, ist aber in einem kleinen Dorf in Italien ohne große Umweltreize groß geworden, bei der Gewöhnung an fremde Menschen bin ich mir nicht sicher, was da gemacht wurde. In einer reizarmen Umgebung fühlt er sich wohl, kann gut mit mir agieren und orientiert sich an mir oder an Dambo. Sind wir aber in der Stadt, fällt es ihm schwer: laute Geräusche, viele Menschen und neue Gerüche verunsichern ihn schnell. In so einem Fall stellt er das Denken ein und reagiert nur noch instinktiv: Flucht ist dabei seine erste Wahl, egal wohin, nur erst einmal weg von allem, bis er in Sicherheit ist und es sich angucken kann. Und das ist der entscheidende Faktor, der ihn von einem Angsthund unterscheidet: Er flüchtet, aber nur soweit, bis er sich sicher fühlt, er rennt nicht völlig plan- und kopflos weg. Ein Canaan Dog kann sich relativ gut orientieren und findet den Weg nach Hause. Selbst wenn er mir wegrennen würde, weil er was gesehen hat, weiß er wo ich bin und taucht hinter/vor/neben mir wieder auf und läuft weiter. Und auch in einer Angstsituation entfernt er sich nicht weit von mir, ich kann ihn zwar nicht einfangen, aber er bleibt bei mir, in sicherer Entfernung (diesen Fall hatten wir einmal in einem Park in Potsdam, er hat auf mich gewartet und wäre auf Abstand mit mir zum Auto gelaufen, ließ sich aber nicht einfangen, solange wir an der Stelle standen, vor der er sich erschreckt hatte).

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Wildlebende Hunde haben für solche Zwecke mehrere Höhlen, wobei eine der Hauptwohnsitz ist (in Levis Fall unsere Wohnung), sie haben aber auch weitere Zufluchtsorte, die sie aufsuchen, wenn sie gejagt werden oder es nicht rechtzeitig zurück schaffen, z.B. weil es schnell zu heiß wird (in Levis Fall ist das z.B. das Auto, er weiß in der Regel wo das steht oder die Wohnung meiner Mutter in Berlin).

Im Vergleich zu anderen Urhunden (ich persönlich hatte Kontakt zu Shibas, Akitas, Huskys, einer Korean Jindo-Hündin, Islandhunden, Thai Ridgebacks) kann ich sagen, dass keiner von denen so extrem skeptisch gegenüber Neuem war (sofern sie nicht depriviert waren!). Wobei da aber der Faktor mitspielt, dass diese Hunde zwar ursprünglich sind und viele von den Eigenschaften besitzen, dennoch wurden sie für einen Zweck (z.B. Jagd, Schlittenhunde) gezüchtet und somit mehr vom Menschen abhängig waren als der Canaan Dog. Gerade der Islandhund ist offen für alles und freundlich zu jedem, zumindest den, den ich kenne.

Pariahunde können beim Menschen leben und mit ihm interagieren, sie können aber gleichzeitig auch selbständig ohne diesen überleben, sofern genug Wild da ist, sind sie unabhängig von Siedlungen. Die meisten Parias finden sich dennoch in der Nähe der Siedlungen (Egal ob Israel oder Zentralasien), einfach weil das Futter dort auf der Straße liegt und nicht noch erbeutet werden muss. In Israel/Jordanien gibt es wahrscheinlich noch kleinere Familienverbände die weitab vom Menschen leben. Und auch der Indian Paria Dog, der New Guinea Singing Dog oder der New Guinea Highland Wild Dog können fernab der Zivilisation überleben und tun dies erfolgreich auch.

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Canaan Dogs im Sport

Obwohl es in den USA nicht unüblich ist, Canaans im Sport zu sehen ist es in Deutschland eher eine Seltenheit. Vieles in dem Hundesport ist ihnen auf Dauer zu langweilig: viele Wiederholungen finden sie furchtbar.

Wobei sie oft für Agility zu begeistern sind, da ihre Schnelligkeit und Geschicklichkeit herausgefordert werden, können sie auf einem Turnier aber auch einfach nicht mitmachen, weil ihnen gerade nicht danach ist. Die 100%ige Sicherheit hat man eben nie.

Was ihnen Spaß macht ist Nasenarbeit: Mantrail, Fährtensuche, aber auch hier Vorsicht mit Wiederholungen! Levi z.B. macht eine Runde Mantrail sehr gut, die zweite dagegen wird nicht sauber, sehr langsam oder mit Unterbrechungen ausgeführt. Und wehe er muss zweimal die gleiche Person suchen! Da kann er dann schon mal Umwege laufen, weil sie interessanter sind oder einer Katzenfährte hinterhergehen. Aber auch dann kann ich ihm nicht meinen Willen aufzwingen, weil er dann umdreht und zum Auto läuft.

Fürs Canicross kann ich ihn jedoch immer überzeugen: er läuft für sein Leben gerne.

Da ich selber aber auch nicht so der Hundesportler bin, kann ich nur auf Erfahrungen anderer zugreifen: in den USA machen sie Agility, Obedience, Herding, Barn Hunt und vieles mehr.

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Warum ich mich für einen Canaan Dog entschieden habe?

Ich mag ihre Eigenständigkeit, das selber denken, ihre Fähigkeit sich schnell anzupassen und auch wenn es manchmal nervig sein kann: das Hinterfragen und nicht jeden Befehl ausführen. Natürlich führt er mich vor, steht vor mir, weiß genau was er machen soll und tut es nicht. Ich sehe es ihm an! Sage ich ihm er soll sich setzen kommt es fast immer zu der Frage: warum?

Für Levi bin ich nicht die Herrscherin die alles bestimmt, sondern seine Freundin mit der er Abenteuer erleben kann. Wir sind ein Team was miteinander agiert, er folgt mir, weil er mir vertraut und nicht weil ich es ihm sage. Durch das Vertrauen was wir haben, fährt er in Berlin S-Bahn, obwohl er es unheimlich findet. Er würde niemals was tun, was ihm schadet, nur weil ich das gerne will. Und genau das mag ich an ihm: Er ist ein Hund mit allem was dazugehört, aber mit viel Grips und einen eigenen Willen.

Natürlich mag ich auch die Optik, auch wenn sie sich für einen Laien nicht viel vom Husky unterscheidet.

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Bücher:

Dres. R. und R. Menzel, Pariahunde
Myrna Shiboleth, The Israel Canaan Dog

Links:

http://www.canaandog.ch
http://www.canaandog.co.uk/
http://myrnash0.tripod.com/shaarhagai-canaandogs/

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