Einmaleins Kanidenverhalten

Teil 4 – Schnauzgriff im innerartlichen Kontext

Der Schnauzgriff ist ein häufig missverstandenes Verhalten in der innerartlichen Kommunikation von Hunden. Meist wird er unter miteinander verwandten oder sehr lange zusammenlebenden Hunden, von denen häufig einer die Rolle des Verantwortungsträgers und Erziehers übernommen hat, angewendet – unter fremden Hunden wird ein Schnauzgriff nur in Ausnahmefällen gezeigt.

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Liebevoller Schnauzgriff zwischen Bruder (schwarz) und Schwester (grau)

Ein Schnauzgriff hat unterschiedliche Funktionen: er kann sowohl eine unterbindend wirken, wenn ein Welpe / Junghund / Geschwisterchen die Grenzen eines Verwandten / mit ihm zusammenlebenden Hundes überschreitet, er kann aber auch als liebkosende Geste unter vertrauten und verwandten Hunden innerhalb einer Gemeinschaft verwendet werden – das hängt vom Kontext und der Intensität ab.
Einem „Über-den-Fang-Greifen“ des Hundes gehen bei einem Unterbinden eines unerwünschten Verhaltens verschiedene defensive und offensive Kommunikationswerkzeuge voraus, ein Schnauzgriff wird niemals ohne vorherige Warnung angewendet. Häufig dient jener dazu, ein übermäßig forderndes oder für den anderen Hund schmerzhaftes Verhalten zu unterbrechen, beispielsweise bei zu stark saugenden Welpen, bei ruppigem Spiel oder bei einem harmlosen Disput um Ressourcen.
Als Zeichen der Zuneigung wird das „Über-den-Fang-Greifen“ ohne Warnsignale und ohne einen Konflikt ausgeführt, beispielsweise in einer harmonischer Rangelei, nach dem gegenseitigen Putzen oder während des sonstigen Körperkontaktes.

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Verwarnender Schnauzgriff mit höherer Intensität nach zu aufdringlichem Spiel, ohne sichtbares Meideverhalten und Anzeichen von Schmerzen oder Unbehagen

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Rollenwechsel nach Zuneigung und Spiel – was gefährlich aussieht, ist für keinen der Beiden schmerzhaft oder unangenehm

Ein Schnauzgriff dient nicht dazu, wehzutun, der Fang wird dabei niemals (wie es fälschlicherweise bei Menschen passiert) zugedrückt, ein Hund legt lediglich seine Zähne um bzw. auf den Fang und übt leichten Druck aus. Insbesondere Elterntiere sind ausgesprochen geduldig mit ihren Nachkommen; beim ersten Schnauzgriff quieken Welpen mitunter aus dem Schreck heraus, ältere Hunde tun dies nicht mehr. Vor allem beim Liebkosen sieht diese Geste und die Reaktion darauf völlig anders aus, der Schnauzgriff wird als angenehm empfunden.
Meist dient der Schnauzgriff als Zeichen der Zuneigung oder als freundliches „Lass das.“ Das, was Menschen daraus machen, ist er eindeutig nicht.

 

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