Im Sinne des Tierschutzes? – Weil Wissen hilft, nicht Mitleid

– Ein Artikel in Zusammenarbeit mit Sophie Strodtbeck –

Zu jedem Artikel, der sich mit Tierschutzhunden auseinandersetzt, sollte vorab unbedingt erwähnt werden, dass es nicht den Tierschutz gibt – Hunde, unabhängig von ihrer Herkunft und ebenso innerhalb einer Rasse, sind Individuen, die zwar aufgrund ähnlicher Erfahrungen oder ähnlicher rassespezifischer Merkmale vergleichbare Verhaltensweisen zeigen können, in ihren Eigenheiten jedoch immer unterschiedlich sind. Zu Tierschutzhunden fallen vermutlich jedem, der mit diesem Thema bereits in Berührungen gekommen ist, einige Phrasen ein – Tierschutzhunde seien alle „dankbar“, alle „verhaltensgestört“ oder „traumatisiert“. So mancher Halter oder Trainer denkt besonders an die Hunde, die durch übermäßiges Jagdverhalten, durch unverhältnismäßige Aggression oder ausgeprägte Angst aufgefallen sind; doch genauso, wie es Tierschutzhunde gibt, die ein schweres Päckchen aus verschiedenen verhaltensspezifischen und ggf. gesundheitlichen Problemen zeigen, gibt es jene, die sich ohne Anpassungsschwierigkeiten in den westeuropäischen Alltag integrieren. Der Tierschutzhund ist auch nur Hund, manchmal intensiver, manchmal leicht handhabbar.

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Ehemaliger rumänischer Tierheimhund, Mischling aus unbekannten Rassen/Schlägen*

Nichtsdestotrotz gibt es bei Hunden aus dem Tierschutz, vor allem jenen, die aus einem kulturell und landschaftlich anders geprägten Umfeld stammen, gewisse Parallelen, die das Zusammenleben mit ihnen oftmals von dem mit hiesigen Hunden, seien es jene aus Privatabgaben, Tierheimen oder Hunden aus einer Zuchtstätte, deutlich unterscheiden.

Insbesondere Hunde aus dem ausländischen Tierschutz haben meist eine unbekannte Vergangenheit und – gemessen an der Aufzucht hier lebender Welpen – eine unzureichende, häufig mit fehlender Sozialisation auf bestimmte Reize einhergehende Aufzucht erfahren, die zu Stress- und Abwehrreaktionen auf unbekannte oder ängstigende Reize im neuen Lebensumfeld führen kann. Gepaart mit negativen Erfahrungen Menschen und anderen Hunden gegenüber oder der Not, sich selbst zu versorgen, womöglich in Kombination mit bestimmten Rasseeigenschaften, kann die Aufnahme eines solchen Hundes trotz guten Willens und positiver Beschreibung seitens der Vermittlungsstelle zur Herausforderungen werden; sowohl für unerfahrene als auch für erfahrene Halter.
In einigen Fällen wird eine solche Herausforderung mit Bravour gemeistert, Halter und Hund finden zueinander und gehen fortan einen gemeinsamen, für beide Seiten angenehmen und stressarmen Weg. In anderen Fällen ist die Anleitung eines Trainers oder anderer kompetenter Personen erforderlich und führt zum gewünschten Erfolg, dem weitestgehend reibungslosen Zusammenleben von Hund und Besitzer. Bedauerlicherweise gibt es jedoch noch immer genügend Beispiele, bei denen sich der neu eingezogene Vierbeiner als nicht kompatibel mit seinem „Adoptanten“ erweist, was entweder zu lebenslanger Einschränkung auf beiden Seiten oder zur Abgabe des Hundes in ein anderes, hoffentlich geeigneteres Zuhause führt.
Solche Fälle gibt es allerdings nicht nur im Auslandstierschutz, sondern immer dann, wenn zwei Individuen aufeinandertreffen, die aufgrund ihrer Bedürfnisse oder Eigenschaften nicht zusammenpassen und die nicht ohne übermäßigen Aufwand oder Einschränkungen bedürfnisstillend zusammenleben können – sei es im Inlandstierschutz oder auch bei Hunden, die von einem anerkannten, seriösen Züchter stammen.
Die Ursachen dafür können vielfältig sein, sowohl mangelnde Aufklärung seitens des Züchters, mangelnde Einsicht oder Ehrlichkeit seitens des Halters oder eine fehlerhafte Beschreibung seitens der Vermittlungsstelle. Ebenso stellt die übermäßige Ausprägung bestimmter Merkmale in einer nicht vorhersehbaren Weise Gründe für eine potenzielle Abgabe des Hundes dar.

Wann immer es um die Aufnahme und Abgabe eines Hundes geht, ist vor allem eines wichtig: Ehrlichkeit und ein neutraler, fachkundiger Blick von jemandem, der oftmals fehlinterpretierte Verhaltensweisen korrekt deuten kann. Nur ein Hund, der mit all seinen Marotten und Vorzügen beschrieben wird, hat optimale Chancen auf ein passendes Zuhause, bei anderen ist es Glücksspiel, das sowohl zu Lasten des Hundes als auch zum Nachteil des Menschen stattfindet.
Nach wie vor scheinen Menschen, vor allem im Tierschutz, es für unabdingbar zu halten, Hunde in bestimmte Schubladen zu stecken. Dazu gehören neben der „nur lieb und dankbar- Schublade“ auch einige Rasseschubladen. So sieht man immer wieder den „Corgie aus Griechenland“ oder den Border Collie aus der Türkei in verschiedenen Vermittlungsanzeigen.  Dass es diese Hunde in diesen Ländern kaum oder gar nicht gibt, und dass die meisten von ihnen „Hunde ohne Rasse“ sind, die zwar eventuell rein optische Ähnlichkeiten, sonst aber keinerlei Gemeinsamkeiten mit den Rassen, als die sie verkauft werden, haben, spielt leider oft keine Rolle. Dabei wäre auch hier eine ehrliche Beschreibung ein Mosaiksteinchen, das zu einer erfolgreichen Vermittlung führen kann. Denn wer beim schwarz-weißen Hund aus der Türkei, der als Border Collie deklariert wird, auch dessen Eigenschaften erwartet, wird hinterher enttäuscht sein, einen Hund ohne Rasse, der eben genau das ist, und kein Mix aus Rassen, wie wir sie kennen, zu bekommen. Hat dieser Hund nun nur die typischen Eigenschaften im Gepäck, die man für das Leben auf der Straße in genau diesem Landstrich benötigt, ist die Ent-täuschung hinterher oft groß und das Zusammenleben schwierig.
Ob es sich bei dem labradorähnlichen, aber sehr groß geratenen Hund aus dem Osten tatsächlich um einen Retrievermischling oder doch um einen Herdenschutzhund handelt, können die Vermittler nur selten korrekt feststellen, deshalb ist es wichtig, sich an eine erfahrene Person, die neben der Beurteilung des Phänotypes auch auf spezielle Verhaltensweisen achtet, zu wenden – doch nicht jeder Hund, der sich als wachsam entpuppt oder Ähnlichkeit mit einem Hirtenhund aufweist, ist auch einer; Pauschaleinstufungen in die eine oder andere Richtung tun keinem Hund gut. In unklaren Fällen sollte der Mut zum Fragezeichen hinter der vermuteten Rassezugehörigkeit sich vor allem in der Tiervermittlung öfter durchsetzen. Genauso, wie Rasseeinstufungen Türen öffnen und Verhalten erklären, können sie blind für die tatsächlichen Gründe der gezeigten Verhaltensweisen machen. Ist unklar, warum ein Hund sich auf bestimmte Weise verhält, sollten gerade bei Hunden aus dem Tierschutz nicht nur die Rasse, sondern auch individuelle Lebenserfahrungen oder gesundheitliche Ursachen in Betracht gezogen werden.

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Herdenschutzhundmischling, seit seiner Abgabe bei einer Dauerpflegestelle lebend*

Betrachtet man den Verlauf vieler Hundeabgaben, so wird deutlich, dass es oftmals nicht an einem übermäßig schwierigen Hund, sondern vielmehr an mangelnder Aufklärung, fehlenden erzieherischen Fähigkeiten, einen Hund zu führen, aber vor allem an mangelnder Vereinbarkeit der jeweiligen Interessen von Hund und Mensch liegt. Umso wichtiger ist es, bei der Neuanschaffung eines Hundes die Möglichkeit zu haben, Informationen zunächst kostengünstig einzuholen und Stellen zu kennen, an die man sich wenden kann.
Es liegt nicht nur in der Hand von Vermittlungsorganisationen, ehrliche, aussagekräftige Texte, die offen über mögliche Schwierigkeiten, regionale Schläge und Anpassungsschwierigkeiten schreiben, sondern auch in der Verantwortung von Haltern jener Hunde – seien es Hunde aus dem Ausland, dem Inland oder Rassehunde – einen offenen Informationsaustausch zu ermöglichen, Probleme anzusprechen und die Nachteile sowie Vorzüge der jeweiligen Hunde in den Fokus zu rücken.
Insbesondere bei der Prävention von Hundeabgaben stellen aufklärende, weiterbildende Artikel, kostenlose Trainingsangebote, Rasseberatungen, Literatur über rassespezifische Besonderheiten und Trainerlisten einen effektiven Beitrag zum Tierschutz dar, sofern sie vom Hundeinteressenten wahr- und angenommen werden. Ein potenzieller Halter, der sich aufgrund der Informationen über die Hunde oder die Rasse, für die er sich interessiert, bewusst dafür oder dagegen entscheidet ist ein größerer Gewinn für das, was wir unter Tierschutz verstehen als jener, der Hunde aus Mitleid aufnimmt, ihnen oder sich selbst dann jedoch aus Überforderung nicht ausreichend gerecht werden kann.

Spricht man vom Tierschutz, ist es eindeutig nicht sinnvoll, die Zucht von Hunden auszuklammern oder zu verteufeln, sondern vielmehr, seriöse Zucht zu fördern, genetische Vielfalt zu unterstützen und die Haltung sowie Weiterentwicklung von Rassen zu bestärken. Entgegen des oftmals erklingendes Vorwurfes, Hunde aus einer Zucht stünden dem Tierschutz entgegen, ist die Aufnahme eines solchen Hundes oftmals eine bessere und mehr im Sinne des Tierschutz stehende Entscheidung als einen Hund unbekannter Vergangenheit mit möglicherweise unkalkulierbarem Verhalten in eine Lebenssituation, die die Einstellung darauf nicht zulässt, aufzunehmen.
Jede vernünftige und überlegte Aufnahme oder Nicht-Aufnahme eines Hundes ist tierschutzfördender als gut gemeinte, aber unzureichende durchgeführte Adoptionen von Hunden, die nicht ihres Wesens entsprechend gefördert werden können.
Der Schrei danach, Rassehundzucht zu verbieten, um die Aufnahme von Abgabehunden anzukurbeln, kann nicht im Sinn von durchdachter Tierschutzarbeit sein – wer einen Hund möchte, sollte die Option haben, den für sich passenden Vierbeiner aufzunehmen, anstatt sein Leben mit einem Vierbeiner zu verbringen, dessen erst nach der Vermittlung auftretende Verhaltensweisen zu einer Lebenseinschränkung auf beiden Seiten führen. Wer sich für einen Hund mit protokolliertem Gesundheitszustand und bekannten Aufzuchtbedingungen entscheidet, handelt ebenso pro Hund.
Selbstverständlich ist die durchdachte Aufnahme eines Hundes aus dem Tierschutz ein ausgesprochen bedeutender Part – vermittlungsfähige Hunde, die von einem Leben in unserem Alltag profitieren und die mit ihren Eigenheiten oder Vorzügen so aufgenommen werden können, wie sie sind, sollten diese Chance unbedingt erhalten. Jeder, der einen Vermittlungshund aufnimmt, behält oder erfolgreich weitervermittelt, leistet einen unerlässlichen Teil zum gelungen Tierschutz.
Die vielen Fälle von erfolgreichen Vermittlungen und zufriedenen Hunden in den Händen glücklicher Halter zeigen, dass der Import von Hunden aus dem Ausland durchaus seine Berechtigung hat – gut umgesetzt.

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Günes von Sophie Strodtbeck – die türkische Sonne, die als lebendiges Beispiel für eine ganzes Fehlerkonzert im Tierschutz über deutschen Weiden flimmert

Den wichtigsten Beitrag im Tierschutz leistet jedoch noch immer die kompetente Hilfe vor Ort – sei es bei der Durchführung und Betreuung von Sterilisationsprojekten, dem sozialen oder politischen Engagement in Bezug auf den landesinternen Tierschutz oder die Aufklärung über verhaltensspezifische und rassetypische Merkmale bestimmter Hunde und Schläge.
In diesem Artikel wird bewusst von Sterilisations- statt von Kastrationsprojekten geschrieben: Fatalerweise sind es oftmals Kastrationsprogramme, die in den jeweiligen Ländern zu einer Reduktion der Population führen sollen – demgegenüber steht eine italienische Langzeit-Studie (2000-2013), die zeigt, dass weder Kastrationen noch Vermittlungen die Streunerhund-Population reduzieren („Free-roaming dogs control activities in one italian province (2000-2013): is the implemented approach effective?“, Barnard, S. et al, Mac Vet Rev 2015). Es wurden Daten über die Streunerpopulation einer italienischen Provinz aus den Jahren 2000 bis 2013 ausgewertet. Die bisher verfolgte Strategie mit umfassenden Kastrationsmaßnahmen (Einfangen-Kastrieren-Wiederausetzen oder Vermitteln) hat nicht zu einer Verringerung der Streuner-Population geführt, weil sie nur das Symptom, aber nicht die Wurzel des Problems bekämpft. Statt der – aufgrund der Kastrationsmaßnahmen zu erwartenden – Alterung der Population ist das Gegenteil festzustellen. Entstandene Lücken werden sofort wieder aufgefüllt, denn die Populationsdichte in einem Lebensraum wird bestimmt durch die Bedingungen im selbigen, und nicht davon, wie viele Tiere man tötet/rettet/kastriert.
Allerdings leben die verwilderten Haushunde in vielen Regionen in festen Gruppenstrukturen, so dass eine Sterilisation der aggressiveren, konfliktpräsenteren Rüden oft die bessere Alternative wäre. Denn dieser hormonell weiterhin intakte Rüde wird verhindern, dass ein Konkurrent „seine Mädels“ deckt, selber aber weiterhin decken, ohne Nachwuchs produzieren zu können.
Wenn man sich bewusst macht, dass es eben die Bedingungen im Lebensraum sind, die die Populationsdichte bestimmen, hat man hier auch einen weiteren Ansatzpunkt vor Ort, auch wenn dieser sicherlich hart klingt: Solange in den betreffenden Ländern weiterhin ausreichend Müll rumliegt, also genug Ressourcen vorhanden sind, um die Population konstant zu halten, und solange diese Hunde von (oft ausländischen) Tierschützern gefüttert werden, wird sich auf lange Sicht nichts ändern, weil sich ja die Bedingungen für mehr Individuen in diesem Landstrich verbessern, die Lücken also sofort aufgefüllt werden. Gut gemeint ist also auch hier oft das Gegenteil von gut gemacht…
Des Weiteren sollte gut gemachter Tierschutz vor Ort bereits bei den Kleinsten anfangen: nur, wenn man bereits Kindern zeigt, dass Hunde keineswegs nur „schmutzig und böse“ sind, wird sich auf lange Sicht etwas ändern. Es bietet sich an, nicht nur bei fremden Kindern in Form von Aufklärungsprojekten an Schulen anzusetzen, sondern gerade innerhalb des eigenen Umfeldes ein von Anfang an gutes und wichtiges Bild vom Zusammenleben mit Hunden zu schaffen.
Außerdem neigt der deutsche Auslandstierschutz – sicherlich auf Grund mancher nachvollziehbarer Erfahrungen – dazu, die Bevölkerung vor Ort pauschal zu verunglimpfen („die bösen Rumänen quälen Hunde“), wodurch oft eine echte Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort nicht möglich ist. Ohne die Einbeziehung der Menschen vor Ort wird sich aber auf lange Sicht nichts ändern, und es bleibt bei einer reinen „Symptomdoktorei“ – oft auf Kosten der „geretteten“ Hunde, und auch der Menschen, die diese Hunde im festen Glauben, etwas Gutes zu tun, aufnehmen.
Wie man es also dreht und wendet: ohne ein Umdenken der Menschen vor Ort, aber auch derer, die im (Auslands-)Tierschutz tätig sind, wird keine Änderung der Situation herbeigeführt werden können. Und genau hier, bei Aufklärung und Ehrlichkeit bei der Vermittlung, sollte angesetzt werden, um auf lange Sicht eine Verbesserung der „Streuner“ zu erreichen. Das ist aber oft mühsamer, als das vermitteln einzelner, „nur dankbarer“ Straßenhunde.

Einen leider viel zu selten beachteten, aber ebenfalls nicht zu unterschätzenden, immer bedeutsameren Teil des Tierschutzes vor allem im ost- und südeuropäischen Ausland stellt zudem die Aufklärung, Betreuung und der Schutz über und von Hunden, die mit einer „Auslandsadoption“ aus ihrem gewohnten, für sie angenehmen Umfeld gerissen würden, dar. Nicht jeder Hund, insbesondere nicht jeder auf der Straße lebende oder gar dort aufgewachsene, augenscheinlich gesunde Hund, profitiert davon, aus seinem Alltag herausgerissen und in eine Fremde, für ihn völlig konträre Welt gesetzt zu werden. Aus diesem Vorgehen entstehen häufig massive Verhaltensprobleme, die sowohl zu einer Belastungsreaktion oder gar einer traumatischen Erfahrung des Hundes und ggf. durch das daraus resultierende Verhalten auch des Halters führen können. Insbesondere Straßenhunde – das zeigen eindrucksvoll die Beobachtungen von Günter Bloch, aber auch die von Gerd Schuster oder anderen, beispielsweise Stefan Kirchhoff – fühlen sich in ihrem Lebensumfeld wohl und leiden eher unter einer Verfrachtung in ein für sie fremdes und aus Straßenhundesicht wenig attraktives Land.
Auch bestimmte Rassen, vor allem Herdenschutzhunde, aber ebenfalls die derzeit zu ihrem Nachteil immer mehr in Mode kommenden Wolfhunde, seien es Rassewolfhunde oder Mischlinge, profitieren selten von der (unüberlegten) Anschaffung und einem Besitzer, dem die nötige Sachkunde sowie Erfahrung oder Passion im Umgang mit diesem Hunden fehlt. Das Training mit Tierheimhunden, die aufgrund ihres Verhaltens derzeit nicht vermittelbar sind, wird bedauerlicherweise viel zu selten im Atemzug mit Tierschutz erwähnt, dabei leistet vor allem die Arbeit mit Abgabehunden ebenso wie die Aufklärung über rassetypisches Verhalten, die Einrichtung spezieller Auffangstellen sowie die Mithilfe in diesen ihren Beitrag zum erfolgreichen, gut gemachten Tierschutz.

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Wolfhunde verschiedenen Wolfsanteils in einer deutschen Wolfhundauffangstation*

Im Tierschutz, in diesem Fall im Auslandstierschutz, gibt es einige, meist kleinere Organisationen, die eine hervorragende Arbeit leisten, die jene Hunde, die sie vor Ort über einige Zeit erleben können, bei sich aufnehmen, um dann zu entscheiden, ob und an wen sie vermittlungsfähig sind, die ehrlich über Verhaltensweisen und gesundheitliche Probleme aufklären und auch nach der Vermittlung noch beratend zur Seite stehen. Leider rücken solche Organisationen oftmals in den Schatten derer, die durch herzzerreißende Anzeigen, traurige Bilder und besonders unkomplizierte, für alles und jeden geeignete Hunde mit dafür erstaunlich bewegender Vergangenheit, ins Auge stechen. Vergleicht man Inserate von seriösen Organisationen mit denen, die vor allem auf eine schnelle Vermittlung möglichst vieler Hunde ausgelegt sind, werden schnell deutliche Unterschiede sichtbar.
Pflegestellen, besonders jene, die sich passioniert und mit dem nötigen Know-how einer Rasse oder eines Schlages annehmen, sind nahezu unerlässlich für gut gemachte Tierschutzarbeit. Doch auch solche, die Hunde erst mal aufnehmen, um für potenzielle Interessenten zu prüfen, ob der Hund wirklich in das geplante Lebensumfeld passt oder die mit jeder Art von (Auslands-)Tierschutzhunden betraut sind, sind von großer Bedeutung für den Tierschutz.
Die Aufnahme eines Hundes aus dem inländischen oder ausländischen Tierschutz hilft dem jeweiligen Individuum ebenfalls, ist jedoch verglichen mit dem Engagement im jeweiligen Land oder der Arbeit mit noch im Tierheim befindlichen Hunden ein kleiner, doch dennoch wichtiger Teil der Tierschutzarbeit.
Ebenso wichtig wie die Verbesserung der Situation im Ausland und die Prävention sind inländische Organisationen, die sich um bestimmte Rassen oder Hunde mit spezifischen Problemen kümmern, seien es Herdenschutzhundhilfen, Wolfhundauffangsstationen, Windhundnothilfen, Vereine für nordische Hunde oder solche, die sich aggressiven, ängstlichen oder jagdlich besonders begeisterten Hunden widmen. Persönliches Engagement, entweder im Training, in der Betreuung, der Versorgung oder durch Spenden und Veranstaltungen hilft, solche wichtigen Angebote zu erhalten und zu fördern. Wenn es um Tierschutz geht, kann jeder seinen Beitrag leisten, beim eigenen Hund, durch kritische Fragen, durch ehrliche Angaben, aber besonders durch handfesten Einsatz.

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Hütehundmischling aus Privatabgabe – aufgrund seines Verhaltens wird er durch Maulkorb und Leine gesichert*

*Alle gezeigten Hunde sind mir persönlich bekannt und stehen exemplarisch für gelungenen Tierschutz, da sie entweder in geeigneten Händen oder in kompetenten Tierheimen/Nothilfen leben

8 Gedanken zu “Im Sinne des Tierschutzes? – Weil Wissen hilft, nicht Mitleid

  1. Sehr gut geschrieben! Etwas wäre sicher auch erwähnenswert, und zwar dass todkranke oder auch schwerverletzte Hunde auf Teufel komm raus aufgepäppelt werden. Meiner Meinung nach sollte man diese armen Tiere auf eine humane , stressfreie Art gehen lassen und die Kräfte und Finanzen für andere sinnvolle Tierschutzprojekte verwenden.

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    • Ich möchte mich mit der Wertung und Be-/Verurteilung dessen zurückhalten, weil mir genügend Fälle bekannt sind, in denen kranke, schwerverletzte (junge) Hunde nach dem Aufpäppeln ein schönes, weitestgehend sorgenfreies Leben geführt haben.
      Nichtsdestotrotz stehe ich dem Ansatz, jeden Hund, selbst einen, der aufgrund einer Krankheit dauerhaft stark beeinträchtigt sein wird, sehr teure Medikamente oder Operationen benötigt und infolgedessen schwierig vermittelt werden kann oder an einer tödlichen Erkrankung leidet, sehr kritisch gegenüber und kann Organisationen, die sich gegen einen solchen Hund und für augenscheinlich gesunde Hunde entscheiden, absolut verstehen.

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  2. Sehr gut und präzise geschrieben! Nur aus Erbarmen einen Hund bei sich aufzunehmen, ist NIE die richtige Lösung. Sehr wichtig( wie super geschreiben) zu wissen, die Eigenschaften des Hundes und was wir mit dem Hund arbeiten wollen. So ist wird man weniger enttäuscht, sollten unsere Vorstellung nicht eintreten…

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