Der Hund im Hundepelz, von domestizierten und nicht domestizierten Canis-Formen

Unsere Haushunde sind faszinierende, in vielen Regionen für den Menschen zum Alltag gehörende Lebewesen – obwohl der Hund zu einem der wichtigsten Begleiter des Menschen gehört, wirft seine Entstehung noch immer viele Fragen auf. Dass aus dem scheuen Wolf ein mutiger, anpassungsfähiger und treuer Gefährte des Menschen geworden ist, scheint beim Vergleich des hündischen und wölfischen Verhaltens kaum noch vorstellbar zu sein – doch wie viel haben unsere Haushunde noch mit ihren wilden Verwandten gemeinsam und welche Erkenntnisse in Bezug auf ihre Zahmwerdung gibt es?

Unsere Haushunde umfassen derzeit 339 FCI-registrierte Rassen, zusätzlich in ihrem Herkunftsland anerkannte Hunderassen und diverse regionale Schläge, die sich nicht nur optisch gravierend unterscheiden, sondern auch in ihrem Verhalten rassetypische Unterschiede sowie individuelle Charaktereigenschaften aufweisen. 

Derzeitige Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass die Domestikation des Hundes vor 20.000 bis 40.000 Jahren in Eurasien stattgefunden hat. Die Domestikation hat nach neusten Erkenntnissen nicht an mehreren Orten gleichzeitig, sondern lediglich an einem Ort stattgefunden. Die domestizierte Population bildete vor 17.000 bis 24.000 Jahren genetische unterschiedliche Gruppen in westlichen und östlichen Regionen, was die vorherige Annahme, Hunde seien aus mehreren Populationen Europa, Ostasien und Zentralasien entstanden, erklärt. [1][2]
Eine Studie, bei der Proben von genetisch reinen australischen Dingos und Neuguinea-Dingos gesammelt wurden, lässt darauf schließen, dass die Dingos in zwei Gruppen vor 8.000 bis 10.000 Jahren von Papua-Neuguinea über die jetzt überflutete Landbrücke nach Australien eingewandert sein könnten. Mitochondriale DNA-Daten, die von Wissenschaftlern der Royal Society gesammelt wurden, deuten darauf hin, dass der wildlebende Verwandte unseres Haushundes, der Dingo, seit über 18.000 Jahren in Australien aufzufinden ist. Er soll sich aus Zentralasien über Landbrücken, die während der letzten Eiszeit (Pleistozäne Epoche) zu den Landmassen von Australasien gehörten, nach Australien ausgebreitet und dort angesiedelt haben.  [3]
In Süd- und Westostasien leben noch immer verwilderte und wildlebende Haushunde, sogenannte Pariahunde, die häufig ohne näheren Menschenkontakt abseits von Dörfern und Ortschaften leben und sich sowohl durch selbstbestimmte Jagd als auch durch das Töten von schwachen oder verwundeten Weidetieren und das Plündern von Abfällen versorgen.
Anders als Straßenhunde und andere domestizierte Schläge in europäischen sowie westlich geprägten Ländern sind Pariahunde oftmals scheu und leben in selbstorganisierten, losen Zweckgemeinschaften.
Trotz des oftmals ursprünglichen Aussehens und des mitunter instinktiven, scheuen Verhaltens von einigen Schlägen, insbesondere nordischen Hunden und primitiven Hunden, sind diese vollumfänglich in der Lage, den Menschen als Sozialpartner anzuerkennen und sich an ein Leben in urbanem Raum anzupassen.

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Stray dogs at the pier of Dona Paula by Ruben Swieringa

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