Dominanz – Mythos oder Realität?

Der Begriff „Dominanz“ ist weit verbreitet in der wissenschaftlichen und populären Literatur über das Verhalten von Haushunden; vor allem in Bezug auf aggressives und agonistisches Verhalten in Hund-Hund- und Mensch-Hund-Beziehungen.
Obwohl Dominanz ein situatives Verhalten beschreibt, wird der Begriff immer wieder irrtümlich verwendet, um ein vermeintliches Wesensmerkmal einzelner Hunde zu beschreiben, obgleich es keine Beweise dafür gibt, dass ein solches Merkmal existiert.
Anders als oftmals angenommen beschreibt „Dominanz“ keine generelle Position innerhalb einer Hierarchie oder eine dauerhaft präsente Charaktereigenschaft, sondern bezieht sich auf das situationsbezogene Verhalten in Konflikten und in der sozialen Interaktion – ein Hund kann einem Artgenossen gegenüber in einem Konflikt dominant auftreten und dessen Ausgang positiv für sich entscheiden, in einer anderen Interaktion mit demselben Hund jedoch submissiv agieren. Ein andauerndes Streben nach Dominanz oder einen Hund, der jedes andere Lebewesen unterwerfen möchte, gibt es jedoch nicht.
Die Idee, dass Hunde nach dauerhafter Dominanz streben und den Wunsch haben, den Menschen zu unterwerfen, ist längst überholt; auch unter Hunden gibt es meist wechselnde Sozialstrukturen und keine strikte Hierarchie. Die Vorstellung einer dauerhaft dominanten Position und dem Streben nach Macht, die aus der Beobachtung von Gehegewölfen abgeleitet wurde, ist inzwischen durch Verhaltensbeobachtungen und qualifizierten Studien an Wölfen und Haushunden widerlegt worden – während Wölfe innerhalb ihres Familienverbandes und im Kontakt zu Menschen dazu neigen, zu kooperieren und gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, ordnen sich Hunde situativ einem Artgenossen oder dem Menschen unter – eine Eigenschaft, die nicht natürlich entstanden ist, sondern durch Selektion gefördert wurde, da ein konfliktvermeidenes Verhalten sowohl Mensch-Hund-Beziehungen als auch innerartliche Beziehungen erleichtert. [1]

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Dominanz oder Kommunikation? – Eine stressbedingte Reaktion auf Unbehagen

Verhalten, das oftmals als irrtümlich dominant eingestuft wird, ist in der Regel in drei Motivationen zu unterteilen: Instinkt, Übersprung/Stressabbau und Konfliktlösung.
– Hunde, die vermeintliches Sexualverhalten ihren Besitzern oder anderen Hunden gegenüber zeigen, versuchen nur selten, ihr Gegenüber zu unterwerfen; vielmehr dient dieses Verhalten dem Stressabbau. Insbesondere das „Besteigen“ ist ein häufiges Übersprungsverhalten, das nicht durch das Streben nach Macht, sondern durch Stress bedingt ist.
– Vierbeiner, die vor dem Halter wegrennen, in die Leine beißen, knurren oder schnappen, zeigen konfliktlösendes und konfliktvermeidendes Verhalten, sie sind jedoch nicht dominant.
– Jagdverhalten oder Ressourcenverteidung sind weder Dominanz noch Ungehorsam, sondern natürliches Verhalten, das aus Hundesicht absolut logisch ist. Es liegt am Halter, dieses mit bedürfnisorientiertem Training in angemessene Bahnen zu lenken.
– Ein Hund, der wegläuft, versucht, sich dem Konflikt mit seinem Halter zu entziehen, ein Hund, der knurrt oder schnappt, möchte kein Anführer sein, sondern kommuniziert Unbehagen und versucht, die Situation durch sein Kommunikationsrepertoire zu lösen.
– Hunde, die nicht auf den Rückruf reagieren, nicht auf die Worte des Halters reagieren, entgegen eines Verbotes aufs Bett springen, sind nicht dominant, sondern haben schlichtweg nicht zufriedenstellend gelernt, was sie dürfen oder nicht dürfen. [2]

In Studien über das Verhalten einer Gruppe Haushunde waren lediglich paarweise Beziehungen erkennbar, aber es konnte keine Gesamthierarchie festgestellt werden. Assoziatives Lernen bietet mehr Erklärungen für das agonistische Verhalten bei Hunden als das traditionelle Konzept der Dominanz. Andere Untersuchungen zeigen, dass Hunde nicht motiviert sind, einen Platz in einer „Rangordnung“ einzunehmen oder eine Gruppe anzuführen. Die Vorstellung, dass jeder Hund von einem angeborenen Wunsch motiviert wird, Menschen und andere Hunde zu kontrollieren, unterschätzt die komplexen kommunikativen und kognitiven Fähigkeiten von Hunden enorm. Vermeintlich dominantes Verhalten wird oftmals von Hunden gezeigt, die gelernt haben, Aggression zu nutzen, um eine vorweggenommene Strafe zu vermeiden oder von Hunden, die vermeintlich respektlose Übersprungshandlungen zeigen. [3]

Dominanz existiert tatsächlich, allerdings bezeichnet sie nicht das dauerhafte Streben nach Macht und Gewinn, sondern dient dazu, eine soziale Dynamik zu beschreiben. Dominanz ist ein Konzept zwischen Individuen und ein situationsbezogenes Verhalten, doch basiert eine gesunde soziale Dynamik nicht darauf, eine Hierarchie durch aggressive Handlungen durchzusetzen – derartige Konzepte sind potenziell gefährlich und fördern Aggression. Eine ordnungsgemäße Sozialisation und bedürfnisorientierte Ausbildung fördern eine angemessene Interaktion zwischen Mensch und Hund und tragen zu einer auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt beruhenden Beziehung bei; im Falle von Verhaltensauffälligkeiten ist keine „Rangreduktion“ sinnvoll, sondern ein auf den Einzelfall angepasstes Training, das den Umgang zwischen Hund und Halter schult.

Sources:
http://www.journalvetbehavior.com/article/S1558-7878%2808%2900115-9/abstract
https://www.sciencedaily.com/releases/2009/05/090521112711.htm
http://www.sciencemag.org/news/2014/08/wolves-cooperate-dogs-submit-study-suggests
http://www.apbc.org.uk/articles/why-wont-dominance-die

Einmaleins Kanidenverhalten

Teil 3- Neophobie bei Hunden und Hundeartigen

Der Begriff Neophobie bezeichnet die Angst vor unbekannten Situationen, neuartigen Dingen oder fremden Personen. Neophobie wird besonders bei Wildkaniden (Wölfen, Kojoten, Schakalen und Dingos), aber auch bei Hunden mit Deprivationssyndrom beobachtet.
Bei wildlebenden Hunden und nicht domestizierten Kaniden erfüllt die Angst vor Unbekanntem eine wichtige, überlebenssichernde Funktion – Neophobie erfüllt eine wichtige Funktion bei der Nahrungsbeschaffung, der Wahl des Reviers und dem Verhalten anderen Lebewesen gegenüber. Neophobische Tiere sind seltener gefährdet, toxische Pflanzen zu konsumieren, sich potenziell gefährlichen Objekten und Lebewesen unbedacht zu nähern und sich selbst Gefahrensituationen auszuliefern – es ist eine Überlebensstrategie.
Deprivierte Hunde reagieren auf eine Vielzahl unbekannter Reize ängstlich-vermeidend, weil sie aufgrund ihres reizarmen Aufwachsens keine angemessenen Bewältigungsstrategien kennenlernen und kein gesundes Explorationsverhalten entwickeln konnten – wie auch bei Wildkaniden und deren Mischlingen bleibt das instinktgeleitete neophobische Verhalten ein Leben lang präsent, lässt sich jedoch durch intensives Training deutlich verbessern.

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-Hund bei dem Vorhaben, Futter aus der Hand eines Fremden zu nehmen, in Fluchtposition verharrend, vor dem Essen wieder zurückschreckend, dann auf Distanz bleibend

Im Gegensatz zu deprivierten Hunden zeigen Wildkaniden und deren Mischlinge neben Neophobie auch Neophilie, eine große Neugier und ein ausgeprägtes Erkundungsverhalten bei neuen Objekten. Exploration ist eine wichtige Eigenschaft, um Informationen über Merkmale der Umgebung zu sammeln, die direkt oder indirekt das Überleben und die Reproduktion beeinflussen können. In engem Zusammenhang mit der Exploration steht die Neophobie, die die Exposition gegenüber der Gefahr reduzieren kann, aber auch das explorative Verhalten einschränkt.
Wolf & Co dazu, schneller Bewältigungsstrategien zu entwickeln, erlerntes Verhalten anzuwenden und sich selbst neues Verhalten zu erarbeiten, sind jedoch weniger zugänglich dafür, sich Verhaltensweisen mit menschlicher Hilfe beibringen zu lassen.


Kojoten-Hund-Mischlinge nach jahrelanger Gewöhnung an neue Objekte. Trotz des intensiven Trainings zeigen die Tiere noch immer neophobische Tendenzen.

Die reduzierte Latenz, sich neuen Objekten zuzuwenden und Gefahren abzuwägen sowie weniger Zeit für die Erkundung von Gegenständen aufzubringen, kann bei Hunden als eine Folge der Domestikation interpretiert werden – durch die Domestikation haben gesunde Hunde die Angst vor Neuem abgelegt, jedoch auch ihr ausgeprägtes und eigenständiges Erkundungsverhalten verloren – zwei Eigenschaften, die mit der engen Kooperation mit Menschen einhergehen und häufig als wünschenswert angesehen werden.

Sources: The influence of relationships on neophobia and exploration in wolves and dogs -Lucia Morettia, Marleen Hentrup, Kurt Kotrschal,Friederike Range
The Domestic Dog: Its Evolution, Behaviour and Interactions with People – James Serpell
Kalissa Black as owner of the coydogs and originator of the linked video

Partners in crime

Für viele Hundehalter ist das ausgeprägte Instinktverhalten, insbesondere das Jagdverhalten, ein Graus – dabei lässt sich das Jagdverhalten als Chance sehen, die „wilden Überbleibsel“ des Canis Familiaris Venatorius, des jagenden Haushundes, verstehen und wertschätzen zu lernen, einen Blick in die faszinierende Weite des hündischen Verhaltensrepertoires zu werfen.

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Wild dogs hunting prey – unknown photographer; source: Greg Litatcio

Jagdersatztraining oder auch Anti-Jagd-Training ist den meisten Begleitern eines jagdbegeisterten Hundes ein Begriff – eine Herangehensweise des gemeinsamen Jagens, die „Ulli-Methode“, findet ebenso immer mehr Beachtung – in diesem Artikel möchte ich meine Heransgehensweise beschreiben, aber auch kurz auf die anderen eingehen.
Beim gemeinsamen Jagen, beim „Ullieren“ und auch bei der Jagdkooperation geht es in erster Linie darum, mit dem Jagdverhalten, das der Hund zeigt, zu arbeiten, es nicht auf Ersatzobjekte umzulenken, sondern sich selbst als Jagdpartner zu beweisen und das erwünschte, kooperative Jagdverhalten des Hundes auszubauen, um jenem Schritt für Schritt mehr Bedeutung als der Solitärjagd beizumessen.

Der jagende Hund

Jagende Hunde sind hochtalentiert – einige haben eine außergewöhnliche Expertise auf ihrem Gebiet, andere sind echte Allrounder; ob im Spurenlesen, Vorstehen, Aufstöbern, Hetzen oder auf allen Ebenen, sie perfektionieren ihre Taktik jeden Tag und geben uns Tag für Tag die Chance, an ihrer Welt teilzuhaben.
Mit einem jagenden Hund eröffnen sich nicht nur neue Herausforderungen, sondern auch neue Welten, wir haben die Möglichkeit, das hochfunktionale, präzise und über Jahrtausende perfektionierte Verhalten des Hundes verstehen zu lernen, indem wir ihn beobachten, seine Körpersprache lesen lernen und die Motivation hinter den einzelnen, für den jeweiligen Hund bedeutsamen Sequenzen zu verstehen.
Durch das Fördern der jeweiligen Talente entsteht seitens des Hundes Eustress, er verknüpft die Interaktion mit uns besonders positiv und nimmt den Menschen auf seinen Jagdabenteuern als angenehme Begleitung wahr – er kann seine Leidenschaft (maßvoll) ausleben und wird zusätzlich dafür belohnt, er bekommt positives Feedback, soziale Anerkennung, das Verhalten, aber auch die Interaktion mit dem Menschen wird verstärkt – nicht nur die Jagdsequenz rückt in den Fokus und bleibt dem Hund in positiver Erinnerung, sondern auch die Orientierung an seinem Menschen.

Der Meisterschnüffler

Der Geruchssinn eines Hundes ist deutlich genauer und besser entwickelt als der eines Menschen – Hunde nehmen Gerüche schneller und präziser wahr und können sie deutlich besser zuordnen. Während der Mensch noch rätselt, ob der Hund sich für eine Hasen-, Katzen-, oder Rehspur interessiert, weiß der Hund bereits vor dem Betreten der Spur, welche Tiere sich dort zuvor aufgehalten haben – und er kann es uns beibringen, wenn wir ihn aufmerksam beobachten.
Die Körpersprache verrät häufig, für welches Tier sich der hündische Begleiter just interessiert, jedes Lebewesen hat für den Hund eine andere Bedeutung und ist mit einem anderen Grad an Erregung und unterschiedlicher Erwartung verbunden. Mittlerweile kann ich an der Art, wie Frau Hund die Spur, absucht feststellen, von welchem Tier sie hinterlassen wurde und damit einschätzen, welche Wertigkeit für meinen Hund dahintersteht. Das erleichtert es mir, auf seine Bedürfnisse einzugehen, auszumachen, wie ich am besten reagiere und wie gut die Ansprechbarkeit meines Vierbeines derzeit ist – auch, wie nah das Wild ist und wie frisch die Spur ist, erkenne ich an den Signalen, die mein Hund sendet und kann so im Sinne des Wildes und meines Hundes handeln.
Wann immer mein Hund mir eine Fährte anzeigt und zuvor Kontakt zu mir aufnimmt, erkläre ich mich bereit, sie mit im gemeinsam abzusuchen – an kurz genommener Schleppleine, manchmal nur ein kleines Stück, manchmal weiter, so, dass wir nicht in den Niederwald gehen und kein Wild belästigen.
Auf einsichtigen Wiesen und Weideflächen ist meine erste Handlung, Fräulein Furchtlos mit einem Suchsignal loszuschicken und sie für jede Spur, die sie findet, zu loben; auch, wenn ich sehe, wie Wild eine Spur hinterlässt, gehe ich jene, sobald es sicher nicht mehr gestört wird, mit ihr ab.
Durch dieses Training ist ihr Verhalten auf Spuren deutlich entspannter geworden, sie ist geschult. Sie kann einschätzen, ob sich eine Fährte lohnt, wie frisch diese ist, welches Wild dort gelaufen ist oder, ob andere Tätigkeiten spannender sind – und nicht nur sie kann das, ich kann es durch ihr Verhalten ebenso.

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Mit Adleraugen

Hunde sind nicht nur exzellente Spurenleser, sondern auch sehr gute Bewegungsseher – Objekte, die sich im Stillstand bewegen, nehmen sie deutlich schlechter wahr als wir, wohingegen sie auf Bewegungsreize binnen Sekunden reagieren und ihr Instinktverhalten sofort überhandnimmt – doch auch das Anzeigeverhalten lässt sich fördern und ausarbeiten.
Solange das Wild im Stillstand ist, nehmen Hunde es eher über den Geruch wahr, den es aussendet, allerdings können auch Hunde lernen, die Silhouetten verschiedener Wildarten auf Distanz zu erkennen. Mir war es besonders wichtig, ein ruhiges, bedachtes Anzeigeverhalten auszuarbeiten, um dem Hund zu ermöglichen, abzuwägen, wann es sich lohnt, dem Wild nachzustellen und, wann die Beschäftigung mit dem Wild Energieverschwendung ist – wann immer ich bemerkt habe, das Frau Hund Wild sichtet, habe ich das Anzeigen ruhig gelobt, mich mit ihr ein Stück genährt und sie leicht berührt, um sie durch einen taktilen Reiz ansprechbarer zu machen und, um sie in ihrer ruhigen Position zu halten.
Jede Orientierung zu mir oder Weg vom Wild, jedes Ohrenzucken, jede Gewichtsverlagerung wurde belohnt und anschließend wieder Aufmerksamkeit auf das erwünschte ruhige Beobachten gelenkt. Sah ich das Wild vorher, habe ich jede Gelegenheit genutzt, den Hund darauf leise aufmerksam zu machen, um das Erlernte kontrolliert zu festigen und besonders diesem Hund zu zeigen, dass auch ich Interesse an seiner (Um-)Welt habe.
Das Training hat uns nach recht kurzer Zeit dazu gebracht, dass auch flüchtiges Wild auf eine Distanz von unter 20-30 Metern nur noch selten interessant ist, es wurde nicht als erfolgversprechend eingestuft und das Stresslevel, jedem Wild potenziell folgen zu wollen, deutlich reduziert. Sogar aus einem Hundekletteräffchen, das für ein Eichhörnchen schon mehrfach einen geraden Baumstamm meterhoch geklettert ist, ist ein Hund geworden, der sich damit zufriedengibt, den Baum emporzublicken und sich danach Futter abzuholen oder es vom Baum abzulecken – obwohl er weiß, dass er anders könnte, wenn er wollte.

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Der gemeinsame Höhepunkt oder: die Königsdisziplin

Unsere Teamarbeit bezieht sich nicht nur auf die ruhigen Sequenzen des Jagdverhaltens, das Wittern und Anzeigen, sondern auch auf das Aufstöbern und die gemeinsame, zugegebenermaßen stark abgewandelte Hatz.
Kooperation direkt am Wild, in höchster Erregungslage, funktioniert auch jetzt noch nicht zuverlässig. Eine Zuverlässigkeit, die es uns ermöglicht, einen leinenlosen Hund zu haben, gibt es in unserem Duo ohnehin nicht, doch manchmal hapert es leider sogar daran, Wild in Interaktion mit mir aufspüren und nachgehen zu wollen – verständlich, schließlich bin ich da in jeder Hinsicht ein Bremsklotz und Spielverderber, der darauf achten möchte und muss, dass sich das Wild trotz unseres Trainings nicht gestört fühlt oder gefährdet wird.

Nichtsdestotrotz sind wir auch in dieser Hinsicht weit gekommen – neben einer Kanidin, die mir Umweltgefahren bereits von Anfang an zuverlässig als Bedrohung gemeldet und uns den Weg dorthin verwehrt hat, ist auch eine Hundedame aus ihr geworden, die mit mir gemeinsam unterschiedliche Wildarten sucht und, nach Begegnungen mit fliehenden, defensiven Wildschweinen, die als jagdbares Gut klassifiziert wurden, tatsächlich aufgrund meiner ehrlichen Sorge anerkannt hat, dass Wildschweine diskussionslos gefährlich sind.
Wir gingen öfter kleine Abstecher ins übersichtliche Wegabseits, wo ich jedes Wittern von Wildschweinen gelobt und mit einem besorgten Gefahrenausruf quittiert habe, sodass sich ein vorbildlicher Rückzug eingespielt hat, während ich jede Rehsichtung mit einem interessierten Anpirschen und anschließendem Hinhocken zur Beobachtungsposition aufgebaut habe.
Um das Verhalten am Wild gezielt zu fördern, habe ich sowohl wildreiche als auch wildarme Gebiete aufgesucht, um die Gewöhnung an den Reiz ausbauen, aber auch Entspannungstage zu haben, die uns beide die Aufregung abbauen lassen und zeigen, dass sich Spaziergänge ebenso für andere Abenteuer lohnen.
In wildreichem Gebiet habe ich jede Chance ergriffen, Wild ruhig zu beobachten, die Witterung aufzunehmen, die Nähe einzuschätzen und das erwünschte Verhalten zu belohnen, um es zu festigen.
Ohne Interesse an Kooperation mit mir zu zeigen, lasse ich Jagdsequenzen soweit wie möglich nicht zu – es gibt keinen Abbruch, die Leine wird kurz genommen und ich warte ab, bis wieder eine beidseitige Kommunikation möglich ist und wir gemeinsam spazieren gehen können.
Passiert es, dass Wild im Unterholz aufspringt oder den Weg kreuzt, fasse ich die Leine so kurz wie möglich und renne auf dem Weg mit, bis ich merke, dass das Adrenalin im Hunde-und Menschenkörper abgebaut wurde – dann gibt es ein Stoppsignal oder einen Rückpfiff und viel, viel Futter vor einer Verschnauf- und Sammelpause. Zeigt der Hund jedoch in diesem Moment kein Interesse daran, loszustarten, pfeife ich ihn zu mir, um ihn mit dem Sprint und einer großen Futterportion zu belohnen.

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Erlaubte Solitärjagd und Jagdersatz

In wenigen Situationen darf der rote Hund selbstbestimmt jagen – es ist in Ordnung für mich, wenn er buddelt und Mäuse fängt, er darf Ratten von mir fernhalten und, nach kurzem Blickkontakt, nicht dem Jagdschutz unterliegende Vögel aufscheuchen, weil er davon jederzeit abrufbar ist und kein Interesse zeigt, Vögel zu erhaschen, dabei renne ich nicht mit, er darf seine Energie loswerden und wir nutzen es als Training zur Abrufbarkeit.
Als Jagdersatz nutzen wir sehr gern Fleisch- und Schleppwildfährten, die mit hoher Nase und nicht spurgetreu abgesucht werden dürfen, wir machen Futtersuchspiele und Zughundesport, bei dem ausgiebig gerannt werden darf.
Werkzeuge aus klassischem, aber auch aus abgewandeltem Jagdersatztraining haben für uns nicht funktioniert, jeder Versuch, Jagdverhalten zu verbieten oder zu Sanktionieren, scheiterte sofort. Für uns war dieser Weg richtig und ich freue mich, in die Jagdwelt des Hundes einzutauchen, ihn zu lassen, Sachen zu erkunden und zu lernen und mitzufiebern, wenn er gefahrenlos sprinten oder einen gelungenen Mäusesprung vollziehen kann.

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Wer sich zum Jagdersatztraining, aber auch zum gemeinsamen Jagen nach der Ulli-Methode informieren möchte, kann das hier tun:

Jagdersatztraining – Facebook
Markertraining-Website – Jagdersatztraining
Ullihunde – Facebook
Ullihunde-Website

Credits to Greg Litatcio as photo source

Einmaleins Kanidenverhalten

Teil 2 – knabbern, festhalten und lecken als Zeichen der Zuneigung

Knabbern, Festhalten mit der Schnauze und zärtliches Beißen sind Zeichen hündischer Zärtlichkeit. Hunde, insbesondere im Welpenalter, erkunden mit dem Mund. Ihre Artverwandten, Wölfe, Dingos und andere Kaniden, zeigen dieses Verhalten auch als adulte Tiere Artgenossen und in Obhut lebend auch Menschen gegenüber.

Hunde kauen, lecken und saugen an Gegenständen und Menschen aus unterschiedlichen Gründen – sie finden einen Geruch interessant und möchten ihn erkunden oder beginnen, in spielerischer Absicht zu knabbern.
Eine klassische Form der Spielaufforderung ist es ebenso, zu knabbern oder zart zu beißen.

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-Adulter Wolfhund knabbert am Bein seiner Besitzerin, um seine Zuneigung auszudrücken, ihre Aufmerksamkeit einzufordern und sie bei sich zu behalten

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– Hündin beißt dem zu ihr gehörigen Rüden nach dem gemeinsamen Schnüffeln zärtlich in den Hals, um Zugehörigkeit zu demonstrieren

Untereinander zeigen Kaniden ein partnerschaftliches, pflegendes Verhalten, indem sie sich gegenseitig mit den Vorderzähnen beknabbern, einige Hundeartige möchten auch Menschen mit dem unter Hunden so üblichem Knabbern pflegen und auf diese Weise ihre Gewogenheit ausdrücken.
Insbesondere primitive, sehr junge Hunde und Wildkaniden sowie deren Mischlinge neigen dazu, spielerisches oder pflegendes Kauen zu zeigen – manche nehmen sogar den Kopf, die Hand oder den Arm ihrer Bezugsperson in das Maul, ebenso, wie sie bei Artgenossen die gesamte Schnauze oder den gesamten Nackenbereich umfassen können. Besonders junge Kaniden neigen dazu, durch Hochspringen und gleichzeitiges Schnappen ein Spiel iniziieren zu wollen – ein juveniler Zug, der auch bei manchen adulten Tieren besteht und ebenso im Mensch-Hund-Kontext gezeigt werden kann.

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– Hündin zeigt ein herausforderndes, spielerisches Fletschen und beginnt anschließend, an dem Ärmel und der Hand der Besitzerin zu kauen

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– Wolfhund umfasst die Hand seiner Bezugsperson mit dem Fang, kaut vorsichtig auf ihr herum und hält sie fest, um Zuneigung zu bekunden und Aufmerksamkeit einzufordern

Lecken oder auch „küssen“ wird häufig mit hündischer Zuneigung assoziiert, wobei das Schnauzenlecken häufig eine Beschwichtigungs- und Demutsgeste darstellt, die dazu dient, das Gegenüber und sich selbst zu beruhigen. Lecken an Händen oder anderen Körperstellen dient hingegen häufiger der Pflege und der Zuneigung als der Besänftigung. Durch das Schnauzenlecken demonstrieren Kaniden außerdem Zugehörigkeit und Akzeptanz.

Diese Verhaltensweisen werden aufgrund ihrer Divergenz zu menschlichem Verhalten und ihrer Seltenheit in domestizierten, adulten Hunden häufig als Dreistigkeit und als unerwünschtes Verhalten wahrgenommen und den Hunden infolgedessen untersagt – tatsächlich handelt es sich dabei um ein unter Hunden sehr vertrautes, zärtliches Verhalten, das nur selten eine Grenzüberschreitung, die eine Zurechtweisung zur Folge hat, darstellt.

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– Neuguinea-Dingos lecken einander die Schnauze, um Zugehörigkeit und Demut zu zeigen

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-Huskyrüde leckt Bezugsperson über das Gesicht, um seine Zuneigung auszudrücken, zu beschwichtigen und sich ergeben zu zeigen

Sources: Behaviour of Wolves Dogs and Related Canids – Michael W.Fox
Canine Behavior: A Photo Illustrated Handbook – Barbara Handelman
Natasha Woodall, Texas Wolfdog Project: Rescue, Adoption and Education – photo sources
Joan Dalgeish, owner of New Guinea Singing Dogs – photo sources

Interessenkonflikt – unterschiedliche Charaktere in der Mehrhundehaltung

Mittlerweile ist es immer üblicher, mehr als einen Hund zu haben – die Vorteile liegen auf der Hand: Viele Hunde sind hochsozial und schätzen den Kontakt zu Artgenossen in einer festen, harmonischen Gruppe sehr, sie profitieren Tag für Tag davon, können an Souveränität gewinnen, manche Verlustängste verlieren, ihr Sozialverhalten ausbauen und befinden sich in ständiger Interaktion mit einem Partner, der sie im Idealfall vollumfänglich versteht – jedoch ist das nicht grundsätzlich so; damit das Zusammenleben mit mehr als einem Hund eine Bereicherung darstellt, müssen die Hunde untereinander kompatibel sein und auch als Gruppe zu ihrem Menschen passen.

Hunde sind Individuen, ganz klar – kein Hund gleich dem anderen, erst recht nicht charakterlich. Ihre Empfindungen und Bedürfnisse stehen denen der Menschen in Vielschichtigkeit und Vielseitigkeit in nichts nach.
Hunde möchten vor allem eins: Bedürfnisbefriedigung, genauso wie die meisten Menschen, als Einzelhund ist das selten ein Problem, doch manchmal ist es dem Menschen ein Bedürfnis, gleich mehrere Hunde zu halten, obwohl die Hunde gänzlich andere Vorstellungen haben – sind die Unterschiede der Hunde zu gravierend und eine Angeleichung durch Training nicht möglich, gestaltet sich die Mehrhundehaltung häufig als Herausforderung.

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Mehrhundehaltung kann erfüllend sein, auch, wenn man völlig unterschiedliche Hunde miteinander sein lässt, doch kann es zu Konflikten führen, wenn die Hunde charakterlich oder bedürfnisbezogen nicht zusammenpassen und man keine Möglichkeit hat, das zu ändern.
Hat der eine Hund ein ausgeprägtes Ruhebedürfnis und muss seinen Alltag mit einem quirligen, unbeherrschten Jungspund verbringen, ist das für den Ruheliebenden problematisch – sieht er sich gezwungen, den Hampelmann zurechtzuweisen und sein Verhalten zu unterbinden, befinden sich beide Hunde in einer für sie unangenehmen Situation, schlimmstenfalls nicht nur für wenige Minuten, sondern für den Rest des Hundelebens.
Lebt man mit einem einen Hund, der ausgesprochen artgenossenverträglich ist und nichts lieber tut, als Hundekontakt zu haben und einem anderen, dem andere Hunde vom Pelz bleiben sollten, bedeutet das viel Management oder eine extreme Einschränkung für mindestens einen der Hunde, vor allem, wenn man beide gleichzeitig ausführen möchte oder muss. Die Liste der möglichen Ungleichheiten zwischen Hunden setzt sich endlos fort, nicht nur charakterlich, sondern auch seitens des Trainingsaufwandes, des Auslastungsbedarfes oder der gesundheitlichen Versorgung.

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Mehrere Hunde zu halten sollte kein Kompromiss sein oder zum Dauerspießrutenlauf werden. Sicherlich ist die Haltung eines Hundes ein geringerer Aufwand als die zweier, dreier oder einer Gruppe, doch sollte der Mehraufwand in Relation zu dem Gewinn dieser Haltungsform stehen – was nützt es mir und insbesondere den Hunden, wenn zwei von ihnen fünffache Arbeit bedeuten, die man nicht leisten kann und die dazu führt, dass die Hunde unverhältnismäßig stark zurückstecken müssen? In einem solchen Fall müssen Lösungen gefunden werden, für alle Beteiligten.

Hunde sollten keine Kommunikationsbarrieren überwinden müssen, nicht zurückstecken müssen, weil einer völlig andere Bedürfnisse als der andere hat oder als Belastung empfunden werden, weil man ihrem Arbeitsaufwand nicht gerecht werden kann.
Im Idealfall bedeutet Mehrhundehaltung Mehrkosten, Mehraufwand, aber auch deutlich mehr Lebensqualität auf allen Seiten – deshalb ist es unabdinglich, sich vor der Haltung genau zu entscheiden, welche Hunde miteinander kompatibel sind und bei bereits bestehender Haltung zur Zufriedenheit aller Parteien zu lösen.

Auch hier leben zwei Hunde, die sehr unterschiedlich in ihren Bedürfnissen sind, aber auch zwei Menschen, die den Bedürfnissen des jeweiligen Hundes gerecht werden können, ohne einen benachteiligen zu müssen.
Der freundliche, verträgliche und Menschen zugewandte Husky kann Hundekontakt haben, gestreichelt werden, sich über Ansprache freuen – Dinge, die nicht möglich sind, wenn ich mit beiden Hunden allein unterwegs bin, weil mein Hund völlig andere Bedürfnisse hat. Es ist kein schönes Gefühl, Hundebegegnungen abweisen zu müssen, beide Hunde durch die Gestaltung des Spaziergangs nur halbgare Zufriedenheit zu ermöglichen und sie in ihrer Persönlichkeit dadurch mehr als nötig einschränken zu müssen.
Sind wir zu zweit mit beiden Hunden unterwegs, kann meine Hündin Menschen meiden, mit mir auf Lichtungen stöbern, sich mit ihrer Umwelt befassen und den Husky bespielen, während jener all das tun kann, was das schönste Huskygrinsen dieser Welt hervorruft – knapp überholt vom schönsten Rothundschmunzeln desselben Tages.
Allein mit beiden Hunden wäre das für beide Hunde und den Menschen eine brenzlige Konstellation, weil es immer einen Interessenskonflikt gäbe – die zwei sind so unterschiedlich in vielen Dingen, dass sie bei einer Person untergehen würden; da jedoch jeder von uns einen Hund hat und ihm gerecht werden kann, sind sie eine absolute Bereicherung füreinander und für uns. Für mich käme die Haltung zweier Hunde als Einzelperson nur infrage, wenn die Hunde sich aneinander angleichen und ihren Interessen allein nachkommen kann – wenn sie einander zufriedenstellen und auch für mich doppelte Freude bedeuten.

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„Die klären das unter sich?“

Ob und was überhaupt Hunde unter sich klären ist ein viel behandeltes, kontroverses Thema – „Was haben zwei Fremde schon miteinander zu klären?“ ist eine der treffendsten Fragen, die ich zu dieser Thematik bisher gelesen habe – „Nichts – oder besser: Fast nichts“.
Hunde kommunizieren bei jeder Begegnung miteinander und auch mit uns, sie teilen dem Gegenüber Informationen über ihre Absichten mit, über das Gefühl, mit dem sie in die Begegnung gehen, sie präsentieren sich, sie drohen oder beschwichtigen; doch nicht immer werden diese Informationen auch vom anderen Hund verstanden oder berücksichtigt.

Grundsätzlich erübrigen sich klärende oder eher mehr Unklarheit schaffende Begegnungen zwischen einander fremden Hunden bereits, wenn man die Körpersprache beider liest und feststellt, dass jene ausgesprochen selten Wert darauf legen, sich näher miteinander bekannt zu machen.
Direkte Konfrontationen zwischen zwei oder mehreren Hunden sind unnatürlich und für die meisten Hunde unhöflich, dadurch entsteht ein Konflikt, den es dann zu klären gilt – im Idealfall unter den Haltern, indem man sich Sichtzeichen gibt oder sich kurz austauscht und einander ausweicht. Kommt dennoch eine Begegnung zustande, weil die Kommunikation der Halter miteinander genauso reibungsvoll verläuft wie die der Hunde, ist es Sache des Menschen, die Situation aufzulösen – im Sinne aller Beteiligten.

Die verschiedenen Absichten und das unterschiedliche Kommunikationsverhalten der jeweiligen Hunde kann forcierte, unerwünschte Begegnungen zum Problem werden lassen; dass zwei fremde Hunde miteinander spielen wollen und dem jeweiligen Spielstil des anderen entsprechen, ist ausgesprochen selten – „Spiel“, das unter Fremdhunden beobachtet wird, dient oftmals eher einer sehr juvenilen, freundlichen Art des Konfliktabbaus, kann allerdings in Sekundenschnelle umschlagen, wenn einer die Konfliktlösung des anderen nicht akzeptiert oder ein „Spielverhalten“ zeigt, das dem Gegenüber widerstrebt.
Besonders dann, wenn ein Interaktionspartner sexuelle Ambitionen hegt oder dazu neigt, sein Gegenüber zum Stressabbau zu besteigen, kommt es zu Konflikten, die ernster werden können – aber auch, wenn zwei sehr unterschiedliche Charaktere einander begegnen, besteht ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotenzial, vor allem bei einem sehr ungestümen, rüpelhaftem und einem zurückhaltenden, ängstlichen Hunden – für beide sind geordnete, kontrollierte Begegnungen wichtig, damit die jeweiligen Verhaltensweisen modifiziert und in Bahnen gelenkt werden können, erzwungener Fremdhundkontakt wirkt sich in jedem Fall kontraproduktiv aus.
Hunde, die immer und immer wieder in Situationen gedrängt werden, die sie nicht selbst lösen können, verlieren das Vertrauen zum Halter und entwickeln unerwünschte Lösungsstrategien, die oftmals zu übermäßigem Flucht- oder Aggressionsverhalten, das nur mit großem Aufwand wieder gelöst werden kann, führen. Prävention und Augenmaß ist eindeutig die bessere Wahl als die bequeme Maxime „Das machen die unter sich aus.“

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Vorsorgliche Beschwichtigung seitens sozial unsicherer Hündin gegenüber ungestümen Hund

„Dürfen die Hunde gar nichts mehr untereinander regeln?“

Doch, dürfen sie – wenn sie einander kennen oder, wenn sie auch gegenüber fremden Hunden fair handeln können – und der andere Hund das annehmen kann.
Ich lasse meinen Hund ausgesprochen selten auf fremde Hunde los – weil ich nicht weiß, wie der jeweilige Hunde reagiert. Bevor ich entscheide, meinen Hund eine Situation an meiner Stelle klären zu lassen, vergehen in der Regel einige Sekunden, in der ich die Körpersprache des anderen Hundes (und, falls anwesend, des Halters) so genau wie möglich lese und abwäge, ob mein Hund der bessere (Er-)Klärer ist als ich.
Häufig passieren solche Situationen mit Hunden, deren Menschen einige hundert Meter vor oder hinter jenen laufen und gar nicht mitbekommen, dass der Hund auf Abwegen quer übers Feld zum Fremdhund ist.
Bemerke ich, dass der andere Hund stoppt, einen Bogen läuft oder anders bereits auf Distanz beginnt, zu kommunizieren und die Signale meines Hundes richtig zu deuten, lasse ich eine Kommunikation zu – ist das nicht der Fall und alle noch so feinen oder offensichtlichen Drohsignale meines Hundes werden ignoriert, übernehme ich die Verantwortung, den Fremdhund zu stoppen, um den Konflikt im Keim zu ersticken und beiden Hunden eine unerwünschte Konfrontation zu ersparen; die wenigsten „Tut-Nixe“ ignorieren die Signale anderer Hunde aus Absicht oder dem Wunsch nach Maßregelung, viele verstehen sie nicht oder reagieren darauf mit „fiddle about“ – einer spielerischen, häufig stark überzogenen und hektischen Art der Konfliktlösung, die unter adulten Hunden vieler Rassen selten verwendet wird und damit häufig zu Konflikten führt.
Findet ein Kontakt zwischen meinen Hunden und einem Fremdhund statt, ist die Sache häufig schnell erledigt – entweder, der Kontakt ist erwünscht und die Hunde gehen ein Stück miteinander oder der unerwünschte Gast sucht schnell das Weite, notfalls, indem ich als Mensch meiner Aufgabe nachkomme und nachhelfe.

Klärungsbedarf unter Hundefreunden

Sind meine Hunde und ich in einer Gruppe aus mehreren Hunde-Halter-Teams unterwegs, die bereits miteinander bekannt sind und einander mögen, dürfen die Hunde nahezu alles untereinander klären – weil sie einander einschätzen können, weil sie sich miteinander verstehen, weil auch wir als Halter genau wissen, dass die Kommunikation erfolgreich ist.
Ich weiß, dass ich in einer Diskussion meiner Hunde innerhalb ihrer Gruppe nicht einzugreifen brauche – weil die Hunde so aufeinander abgestimmt sind, dass die Kommunikation passt und dass verschiedene Konflikte nicht aus dem Ruder laufen.
Meine Hunde haben zum Glück (!) kein ausgeprägtes Ressourcenverteidigungsverhalten, keine Tendenzen, andere Hunde zu jagen, zu hüten, zu besteigen oder andauernd zu bespielen – sie sind durchsetzungsstark und können maßvoll mit anderen Hunden umgehen, deshalb dürfen sie viele Dinge selbst lösen. Mit uns laufen jedoch auch Hunde mit, die das nicht können, mit denen es eine Gratwanderung darstellt, ob sie eine Zurechtweisung eines anderen, eines vertrauten Hundes akzeptieren können oder ob sie über die Stränge schlagen – in solchen Fällen greifen wir als Halter ein, denn auch unter Freunden gibt es keine Narrenfreiheit.

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Ressourcenverteidung zwischen zwei Jugendfreunden – ein Beispiel reibungsloser Kommunikation

Fremden Hunden traue ich in der Regel nicht zu, meine Hunde einschätzen zu können oder angemessen zu reagieren – ein Grund, aus dem ich nur Hundekontakt zulasse, wenn ich zweifelsfrei sehe, dass beide Hunde jenen wünschen, sofern er sich ansonsten verhindern lässt.
Kenne ich Hund und Halter und weiß, dass jeder von uns seinen Hund richtig einschätzen kann, lassen wir die Hunde ihre Konflikte lösen – eine erfolgreiche Konfliktlösung ist wichtig für das Sozialverhalten und Selbstbewusstsein des Hundes, deshalb sollte es jedem Hund ermöglicht werden, unter kontrollierten Bedingungen eigene, angemessene Lösungsansätze finden zu dürfen; Fremdhunde sind dafür allerdings ein denkbar schlechter Übungsgegenstand.

(M)ein Xoloitzcuintle – eine Rassebeschreibung

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– Ein Gastbeitrag von Jenny –

Obwohl der Xoloitzcuintle – oder Mexikanischer Nackthund – zu den ältesten Hunderassen der Welt zählt, ist er doch heute eher selten anzutreffen und den meisten Menschen völlig unbekannt.
Seit fast zwei Jahren wohnt mein Xolo-Rüde Nextic bei mir und ich möchte euch an meinen Erfahrungen mit dieser Rasse teilhaben lasssen.

Ein kurzer geschichtlicher Überblick zur Rasse

Der älteste ärchologische Beweis für die Existenz des Xolos ist eine etwa 1700 vor Christus entstandene Tonfigur aus Tlatilco (Mexiko) und es ist sehr wahrscheinlich, dass auch schon vor dieser Zeit Nackthunde eine große Rolle im Leben der Azteken gespielt haben, hauptsächlich als Jagd- und Wachhunde.
Den Name Xoloitzcuintle kann man als „Hund des Gottes Xolotl“ übersetzen – Der Xolo war ein wichtiger Teil des religiösen Kultus. Man glaubte, dass ein Xolo das Heim vor bösen Geistern und Eindringlingen beschützen würde, die Hunde wurden oft geopfert und mit dem Besitzer begraben, um dessen Seele sicher in die Unterwelt zu führen.
Außerdem galten die Hunde als Delikatesse und wurden zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten, Begräbnissen und religiösen Festen verspeist sowie als „lebender Proviant“ auf Reisen mitgeführt. Auch Heilkräfte sprach man dem Xolo zu, besonders bei Asthma, Rheuma und Schlaflosigkeit.
Weiters galt es als sehr gastfreundlich, jemanden ein paar Xolos ins Bett zu legen, damit diese in kalten Nächten als Wärmeflaschen fungieren konnten.
Nach der Kolonialisierung durch die Spanier wurde die Rasse fast ausgelöscht und bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts nicht mehr bewusst gezüchtet. Stattdessen haben viele Xolos halbwild als Straßenhunde überlebt und gehören somit zu den klassischen Pariahunden – Auch heute findet man in Mexiko noch viele nackte, halbwilde Hunde.

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Xoloitzcuintle – Foto von Jenny G.

Erscheinungsbild

Den Xoloitzcuintle gibt es heutzutage in drei verschiedenen Größen:

Standard: 46-60cm
Medium: 36-45cm
Miniatur: 25-35cm

Natürlich ist das hervorstechendsten Merkmal des Xolos seine Haarlosigkeit, wobei es auch eine behaarte Variation gibt. Da diese erst seit kurzem in den Rassestandard aufgenommen wurde und sie nicht bewusst gezüchtet, können alle Fellvariationen fallen – Vom Stockhaar, Langhaar bis hin zum Rauhaar in allen möglichen Farben kommt alles vor. Im neuen Standard wird allerdings ein kurzes Fell ohne Unterwolle verlangt.
Bei beiden Variationen werden einfarbige, dunkle Hunde bevorzugt – Gerade bei der haarlosen Variante wird so eine übermäßig sonnenempfindliche Haut vermieden.
Bei der haarlosen Variante können auch Haare am Kopf, den Extremitäten, der Rute und dem Rücken auftreten, gewünscht wird aber ein möglichst haarloser Körper.

Der Xolo sollte ein wenig länger als hoch sein, mandelförmige Augen, große Stehohren und einen harmonischen, Körperbau ohne Extreme aufweisen.

Mexikanische Nackthunde sind oft sehr frühreif, auch bei der großen Variante werden die Hündinnen oft schon mit 5-6 Monaten läufig und dann auch gerne drei Mal im Jahr.

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Xoloitzcuintle rennend – Foto von Jenny G.

Charakter

Xolos binden sich eng an ihre Bezugsperson und sind dann in der Regel richtig „anhänglich“ und fast katzenartig– Mein Nextic ist trotz seiner Größe ein absoluter Schoßhund und liebt es, eng an mich gekuschelt dazuliegen. Wenn er das einmal nicht darf, liegt er zumindest auf meinen Füßen oder sitzt neben mir und legt seinen Kopf auf meinen Oberschenkel. Generell könnte man ihn den ganzen Tag streicheln, er bekommt davon nie genug und grunzt dann entspannt vor sich hin – Schnurren kann er dann halt doch nicht 😉
Ich kann aber dadurch zumindest den aztekischen Mythos der Heilkräfte bestätigen –
Bei Bauchweh und Kopfschmerzen hilft so ein warmer Xolo definitiv.
Bei Schlaflosigkeit würde ich ihn allerdings eher nicht empfehlen – Nextic schläft sehr gern mit komplett verrenktem Hals und drückt seine Nase gegen irgendwas und schnarcht dann lautstark.
Bei fremden Leuten ist Nextic reserviert bis misstrauisch, sprechen sie ihn nicht direkt an, sind sie ihm vollkommen egal, er würde nie einfach zu jemanden hinlaufen oder mit jemand unbekannten mitgehen.
Im Gegensatz zu meinem TWH ist seine erste Strategie hier immer schon weggehen gewesen, damit er offen nach vorne geht, muss schon einiges vorfallen – Das liegt allerdings sicherlich auch daran, dass der Herr Nackt seinen persönlichen Bodyguard in Form meine Hündin meist dabei hat 😉
Xolos sind auch gute Wachhunde und auch Nextic entgeht nichts – Aber er hat auch schnell gelernt, die Nachbarn von Fremden zu unterscheiden und wenn er einmal etwas meldet, dann ist es wirklich etwas ungewöhnliches.
Viele Xolohalter erzählen auch, dass ihre Hunde durch Bellen melden, das macht Nextic gar nicht, aber er bellt auch sonst sehr, sehr selten und ich war mir lang nicht sicher, ob er es überhaupt beherrscht.
Dafür heult Nextic in bestimmten Situationen, zum Beispiel (selten) beim Alleinbleiben oder wenn er meine Hündin beim Spaziergang aus den Augen verliert und sie sich gegenseitig suchen.

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Xoloitzcuintle sitzend – Foto von Jenny G.

Sozialverhalten mit anderen Hunden

Ich habe Nextic mit 12 Wochen bekommen und schon damals war er für sein Alter sehr erwachsen. Dieses typische babyhafte Welpenwesen hatte er gar nicht mehr, er hat schon damals genau gewusst, was er wollte – oder auch nicht – und hat das auch wesentlich älteren Hunden deutlichst und mit Nachdruck vermittelt -an Selbstbewusstsein hat es ihm nie gemangelt .
Nextic hatte eigentlich nie sonderlich großes Interesse an Fremdhunden, der Kontakt mit meiner Hündin und ein paar Hundekumpels haben ihm auch als Junghund ausgereicht, richtig gespielt hat er nie mit Fremdhunden. Heute, als zweijähriger Rüde, spielt er zwar immer noch gern mit meiner Hündin, aber sehr selten mit anderen Hunden – Da sehr oft, wenn meine Hündin ein Spiel initiiert und er mitmachen kann.
Mit Hunden, denen wir draußen begegnen, ist er soweit verträglich, lässt sich aber nichts bieten und erwartet die Einhaltung gewisser Höflichkeitsregeln. Generell haben Xolos aber selten ein Problem mit Artgenossen, auch wenn sie meist eher selbtsicher und statusbewusst sind – Auch bei der Haltung von gleichgeschlechtlichen, intakten Gruppen kommt es in der Regel eher nicht zu Konflikten.
Wie viele primitive Rassen kommuniziert auch der Xolo sehr fein und spielt recht wild und mit vielen Nacken, Kehl-, Bein- und Ohrbissen und Pfotenhieben – Das irritiert viele Hunde „normale“ Rassen oft am Anfang.

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Xoloitzcuintle-Welpe droht adultem Hund – Foto Yves R.

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Xoloitzcuintle im Spiel mit peruanischem Nackthund – Foto Jenny G.

Hundesport

Hier sind die Xolos sehr unterschiedlich – im allgemeinen dank ihres Körperbaus echte Allrounder, die für fast alle Hundesportarten geeignet sind, aber nicht jeder Xolo bringt beispielsweise den Beutetrieb für Discdogging oder ähnliches mit. Viele Xolos werden im Agility geführt, auch beim Trailen/Fährten stellen sie sich meist sehr geschickt an.
Mit Nextic mache ich Unterordnung – Das gefällt ihm total, er macht da mit Begeisterung mit und ist dabei sehr konzentriert und lernt sehr schnell. Allerdings darf man ihn hier natürlich nicht mit den klassischen Gebrauchthunderassen vergleichen – Nextic muss man oft wirklich überzeugen, dass etwas lustig ist und er kann dann auch sehr stur sein (Platz auf der Wiese war ein Theater – Er wollte sich partout nicht hinlegen und ist sogar extra auf den Gitterboden daneben ausgewichen, nur weil er seinen mexikanischen Sturschädel durchsetzen wollte). Auch wenn er einen schlechten Tag hat und keine Lust, brauche ich gar nicht auf den Hundeplatz fahren – Dann verweigert er die Mitarbeit komplett. Auch wenn er merkt, dass ich nicht bei der Sache bin, macht er zu und ich kann das Training vergessen.
An den meisten Tagen ist Nextic aber mit vollem Herzen dabei und ist dann auch sehr ausdauernd und kann sich lange konzentrieren und es macht dann einfach Spaß, mit ihm zu arbeiten.
Außerdem machen wir Zughundesport (Canicross, Bikejöring und beim Wandern hängen die Hunde auch im Zuggeschirr, und sie ziehen vor dem Wagen) – Das war eine Sache, von der ich Nextic lange überzeugen musste, da er Geschirre ansich schrecklich findet. Mittlerweile ist er aber ein toller Zughund geworden und gerade beim Wandern und vor dem Wagen ein echter Verlasshund. Er denkt an den richtigen Stellen mit, ohne alles zu hinterfragen und zeigt konstante Leistung.
Ich denke auch, dass ihm Coursing großen Spaß machen würde, da er Gefallen am Hetzen findet, leider habe ich hier keine Möglichkeit, das einmal auszuprobieren.

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Xoloitzcuintle beim Apport – Foto von Jenny G.

Jagdtrieb

Ich weiß von keinem (erzogenen) Xolo, der einen wirklich unkontrollierbaren Jagdtrieb hat und nie abgeleint werden kann. Nextic hat es mir in der Hinsicht sehr einfach gemacht, da er sich zunächst sehr an meiner Hündin orientiert hat und die schon gewusst hat, dass ich es nicht schätze, wenn sie sich ihr Abendessen selbst fängt und so hat Nextic in seiner Junghundezeit auch nicht wirklich Interesse an Wild gezeigt. Mittlerweile findet er Wild durchaus spannend – wenn er es sieht – und würde auch ohne meine Hündin losstarten. Gottseidank zeigt Herr Nackt mir Wild sehr schön durch vorstehen an, wenn man ihn da abruft, geht er auch nicht hinterher. Einmal habe ich das Vorstehen wirklich lange übersehen, da ich einen Hundehaufen auf der Wiese gesucht habe, und als der angezeigta Auerhahn dann den typischen Tiefstart hingelegt hat, ist Nextic auch hinterher. Allerdings hat er dann sofort umgedreht, als er bemerkt hat, dass er keine Chance hat, den Hahn zu erwischen und ist nicht kopflos hinterhergerannt.
Allerdings ist er ein passionierter und erfolgreicher Mäusejäger – Aber das darf er bei mir auch.

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Xoloitzcuintle vorstehend – Foto von Jenny G.

Was kann man also abschließend über den Xolo sagen und warum habe ich mich für diesen Hund entschieden?

Nextic ist ein genialer Hund und sicherlich nicht mein letzter Xolo. Ich mag, dass er zwar ursprünglich ist, aber doch ein „Hund“ und dass er für jeden Blödsinn zu haben ist. Trubel und Menschenmassen machen ihm nichts, er kommt in der Großstadt genauso gut klar wie am Land, man kann mit ihm Hundesport machen oder auch einfach nur ohne Leine Gassi gehen. Drinnen merkt man kaum war von ihm, draußen kann er richtig Gas geben. Herr Nackt ist ein kleiner, sturer Choleriker, der gern testet, ob es auch heute noch verboten ist, das leere Teller auszuschlecken, aber er hat noch nie irgendwas etwas kaputt gemacht (ok doch – eine Klopapierrolle 😉 ).
Und lustigerweise finden die meisten Menschen, die Nextic kennenlernen, ihn zwar im ersten Moment eher hässlich aber wirklich jeder mag ihn einfach. Auch Menschen, die sonst eigentlich keine Hunde mögen sind nach kurzer Zeit hin und weg von ihm.
Ich wollte immer einen Hund um die 25kg mit moderatem Körperbau, der gerne ein bisschen Hundesport macht, mich aber auch überall hin begleiten kann. Er sollte kein „Everybody’s Darling“ sein, aber meine Kernfamilie mögen und akzeptieren. Mein Hund soll und darf wachen und mich im Zweifelsfalle auch beschützen. Ich mag keine hektischen, zum Überdrehen neigende oder laute Hunde und mir war wichtig, dass mein Hund auch klar mit Artgenossen kommunizieren kann. All das habe ich beim Xolo gefunden und Nextic erfüllt meine Erwartungen sehr gut – Ein bisschen weniger stur könnte er aber sein 😉

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Xoloitzcuintle „Nextic“- Foto von Jenny G.

Einmaleins Kanidenverhalten

Teil eins – Markieren

Hunde haben einen hochentwickelten Geruchssinn, den sie zum Zweck der sozialen Kommunikation nutzen; sie verwenden eine Mischung aus Urin, Fäkalien und Duftdrüsen, um mit Artgenossen und Artverwandten zu kommunizieren.
Markierverhalten tritt auf, um sich mit unbekannten Objekten vertraut zu machen, um sich zu beruhigen und um mit der eigenen Gruppe oder Fremdhunden zu kommunzieren –  dieses Verhalten zählt zur sozialen Kommunikation und ist ebenso Teil des Territorialverhaltens / der Ressourcenverteidigung.
Es werden neue oder bereits bekannte Orte markiert, um gegengeschlechtliche Hunde anzulocken, um die Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu demonstrieren und das eigene Territorium zu kennzeichen, eine wichtige Rolle für das Markierverhalten spielt das Sexualverhalten, aber auch das Erkundungsverhalten des Hundes.
Häufig werden Grashalme, kleine Büsche, Stämme, Felsen und Fäkalien / Duftmarken anderer Tiere zum Markieren genutzt.
Das Scharren, das bei männlichen Kaniden deutlich häufiger gezeigt wird als bei weiblichen, nimmt insbesondere in der Paarungszeit eine wichtige Funktion bei der Geruchsverteilung ein – viele kastrierte Hunde oder Hunde mit ausgeprägtem, meist unerfahrenem Sexualverhalten zeigen das Scharren ganzjährig, während ältere und erfahrene Hunde vermehrt während der Ranzzeit gezielt Spuren läufiger oder gleichgeschlechtlicher Hunde aufsuchen, um jene anzulocken oder durch den eigenen Duft fernzuhalten.

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Zum Markierverhalten gehört nicht jedoch nur das klassische Markieren, sondern auch sich in Geruchsobjekten zu rollen, z.B. auf Futter, Aas, in dem Kot anderer Tiere und den Ausscheidungen anderer Hunde – dadurch werden Ressourcen beansprucht, unbekannte Gerüche eingeordnet und der eigene Duft weitergegeben. Einige Dinge riechen für viele Hunde besonders interessant, insbesondere verweste Tiere oder Kot veranlasst sie dazu, sich intensiv in der Geruchsspur zu wälzen. Bei Gruppen von mehreren Hunden lässt sich beobachten, dass sie sich hintereinander in dem Geruch rollen, um Zugehörigkeit auszudrücken – auch das Rollen auf Nahrung übernimmt vor allem in Kanidengruppen eine Funktion und dient häufig dazu, die Nahrung für sich zu beanspruchen und andere durch den Geruch davon abzuschrecken.

Ich erlaube meinen Hunden grundsätzlich, so viel und intensiv zu markieren, wie sie möchten – wer danach stinkt, springt in den Bach oder putzt sich erst mal draußen, bevor er ins Haus kommt. Markierverhalten ist ein natürlicher, funktionaler Instinkt, den ich Hunden nicht nehmen möchte.

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Sources: Scent marking in mammals – Roger P. Johnson, Department of Zoology, Edinburgh University UK
Why dingoes scent mark – Jen Parker & Gary Taylor
Observations of scent-marking and discriminating self from others by a domestic dog (Canis familiaris): tales of displaced yellow snow – Marc Bekoff, Department of Environmental, Population, and Organismic Biology, University of Colorado, Boulder, Colorado 80309-0334, USA9

Das Drama des begabten Hundes

Manche Hunde passen zu ihren Haltern wie Arsch auf Eimer – doch was, wenn die Interessen des Hundes überhaupt nicht mit den Vorstellungen des Halters übereinstimmen?
Viele Hunde zeigen Jagd-, Schutz-, oder Hüteverhalten, das nicht selten unerwünscht ist – sind die Interessen von Hund und Halter nicht vereinbar und das Verhalten nur trainingsaufwändig modifizierbar, werden die Vorlieben des Hundes zum Problem im Zusammenleben. Liegen die Ursachen für das Verhalten  in Trainingsfehlern oder sind durch Stress des Hundes bedingt, lässt sich die unerwünschte Vorliebe aushebeln, indem die Ursache behoben wird; ist das Verhalten jedoch genetisch bedingt und bereits einstudiert, ist der Trainingsansatz ein anderer: Das Interesse muss in Bahnen gelenkt und kontrollierbar werden. Damit ein entspannter Alltag möglich ist, muss eine Lösung gefunden werden – idealerweise für Hund und Mensch.

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Fördern und fordern

Um das Verhalten des Hundes unter Kontrolle zu bringen, gibt es unterschiedliche Ansätze. Hat der hündische Begleiter bereits seit Längerem die Möglichkeit, seiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen und seine Taktik dabei stets zu seinem Erfolg zu verbessern, ist es häufig wenig zielführend, das Verhalten zu verbieten – der Hund lernt nicht, was er stattdessen tun soll, er muss sich andauernd zurücknehmen und häufig das, was ihm in die Wiege gelegt wurde, unterdrücken; das führt zu Frust und oftmals zu Ersatzhandlungen, es können sich unerwünschte Verhaltensweisen an anderer Stelle zeigen, das andauernde Verbot kann zu massivem Stress führen oder zur Folge haben, dass der Vierbeiner Wege sucht, um das Verbot zu seinem Vorteil zu umgehen.

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Eine andere Möglichkeit ist, dem Hund Ersatzbeschäftigungen anzubieten, die sein Interessensgebiet aufgreifen und seinen Talenten entsprechen.
Für jagdambitionierte Hunde bieten sich Mantrailling, Fährtensuche, Dummyarbeit, Training mit der Reizangel, Apportierübungen und anderes Jagdersatztraining an, bei dem der Hund statt echtem Wild einer Ersatzbeute oder einer anderen Geruchsspur nachjagt. Besonders Hunde, die eine hohe Kooperationsbereitschaft mitbringen und sich nicht nur für die Jagd an echtem Wild, sondern auch an Spielzeug oder Futter begeistern können, ist eine solche Alternativbeschäftigung ideal.

Bei Hunden, die Schutzverhalten zeigen, bietet sich IPO oder Mondioring an, zwei Hundesportarten, die auf beuteorientiertes Arbeiten – mitunter auch Unterordnung und Fährtenarbeit – unter hohen Gehorsamkeitsanforderungen ausgelegt sind und die Ansprechbarkeit des Hundes fördern, ihm jedoch zugleich die Möglichkeit bieten, in gestellten Bedrohungssituationen Ansprechbarkeit zu zeigen und in hoher Erregungslage die gewünschten Entscheidungen zu treffen.

Für Hunde, die ursprünglich für die Arbeit am Vieh gezüchtet wurden oder daran großes Interesse zeigen, gibt es einige etablierte Hundesportarten – dynamischer, schneller Sport wie Agility, Rally Obedience, der bei einigen Hunden das Risiko birgt, sie aufdrehen zu lassen, für andere jedoch genau das richtige Ventil darstellt oder ruhigere Beschäftigungen wie Longieren, Treibball (je nach Ausführungsart) oder Obedience. Besitzt man einen Hund, der sich für tatsächliche Hütearbeit eignet und ist man in der Lage, in die Viehhaltung genauso viel Herzblut zu investieren wie in die Hundehaltung, besteht ebenso die Option, den Hund tatsächlich hüten zu lassen.

Insbesondere bei Hunden, die zusätzlich zum Jagdverhalten sehr zugfreudig sind, bietet sich Zughundesport als Möglichkeit an, dem Hund sowohl zu ermöglichen, zu rennen / zu hetzen und, seinen Vorwärtsdrang auszuleben, ohne dabei stupide in der Leine zu hängen – er übernimmt eine Aufgabe und wird Teil eines Teams.

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Teamwork statt Einzelkämpfer

Für uns war es zielführend, konsequent mit dem Hund statt gegen ihn zu arbeiten, zu sehen, dass er kein Fehlverhalten zeigt, sondern hochtalentiert ist. Für unseren Alltag heißt das, dem Hund so wenig Verbote in seinem Interessengebiet wie möglich aufzuerlegen; abgesehen von den Verboten, die notwendig sind, um ihn und andere Lebewesen zu schützen, darf er seiner Begabung nachkommen – mehr noch, er wird darin geschult. Ich habe mich dafür entschieden, mit meinem jagdambitionierten und ausgesprochen talentierten Hund gemeinsam zu jagen. Wir machen dabei natürlich keine echte Beute, sondern geben uns mit Ersatz zufrieden, dennoch ermögliche ich meinem Hund, so viele Jagdsequenzen wie möglich auszuleben.
Ich fördere gezielt das Wittern von Wild, das Vorstehen, das Spurensuchen, ich beobachte, wie sich die Körpersprache meines Hundes von Wildart zu Wildart unterscheidet, wie sich seine Anspannung je nach Entfernung des Wildes bemerkbar macht und lerne, darauf zu reagieren – ich werde zum Jagdpartner.

Unsere Partnerschaft sorgt dafür, dass mein Hund seine Leidenschaft ausleben kann und dadurch, dass er immer besser lernt, seine Umgebung zu beobachten und einzuschätzen, ansprechbarer und kontrollierter wird.
Viele Hunde lernen dadurch, nicht sofort loszustürmen, wenn sie Wild riechen oder sehen, sondern abzuwarten, so beobachten, durchdacht zu handeln.
Das kann für den Halter ein ungemeiner Vorteil sein, er hat Zeit, um zu reagieren, er kann die Momente, in denen der Hund ansprechbar ist, verlängern und die Kontrollierbarkeit immer mehr ausbauen.

Mein Hund kam schon als kleines Jagdwunderkind zu mir, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Er wusste genau, wann es sich lohnt, Wild nachzugehen, konnte einschätzen, ob er eine reelle Chance hat, es zu erwischen und kannte sofort den Unterschied zwischen „angeleint“ und „abgeleint“. Mir hat das anfangs einiges erschwert, nun erleichtert es mir vieles. Dieser Hund hat mich für sein Hobby nicht gebraucht, aber er hat durch unsere Kooperation gelernt, mich als Begleitung wertzuschätzen.

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Die Rasse macht’s!?

„Die Rasse ist so!“ – ein viel gesprochener Satz in Bezug auf Hunde und ihre Eigenschaften; doch ist das so einfach? Im Grunde ja, nur macht eine Rasse noch kein Individuum.

Rassespezifische Eigenschaften sind das Resultat jahre-, jahrzehnte- und jahrhundertelanger Selektion, sie sind fest in den zugehörigen Hunden der Rasse verankert und für die meisten Hundehalter der Grund, sich für genau jene Rasse zu entscheiden.
Jede Hunderasse weist spezielle Eigenschaften auf, einige unterscheiden sich nur wenig von anderen Rassen derselben Gruppe, andere Wesenszüge sind eher selten vertreten.
Die Eigenschaften verschiedener Hunderassen sind so vielfältig wie das Aussehen und ebenso einheitlich – Selektion auf bestimmte Merkmale funktioniert zuverlässig, aber ist dennoch keine Schablone, die man jedem Hund überstülpen kann.

Hunde sind Individuen mit einzigartigem Charakter

Obwohl nahezu alle Hunde einer Rasse rassespezifische Eigenschaften aufweisen, unterscheiden sich selbst innerhalb eines Wurfes alle Individuen voneinander, sie entwickeln ihren eigenen Charakter, der auf ihren rassetypischen Merkmalen, dem vererbbaren Wesen der Eltern und den Erfahrungen, die sie im Laufe ihres Lebens machen, basiert.
Selbst zwei Hunde mit ähnlichen Anlagen können sich in verschiedenem Umfeld gänzlich anders entwickeln, die Erziehung und Aufzucht eines Hundes spielen eine maßgebliche Rolle für das Verhalten, das der Hund im Verlauf seines Lebens zeigen wird.

Ob der eigene Hund später ableinbar ist, freundlich auf Artgenossen reagiert, mit Außenreizen umgehen kann, nervös oder gelassen ist, hängt oft von seinen Erfahrungen und seinem Trainingsstand ab.
Die Rasseeigenschaften sind lediglich die Basis, die den Grundstein für das legen, auf das der Halter aufbauen kann – die Rassezugehörigkeit entscheidet, wie einfach einem Hund bestimmte Aufgaben zu vermitteln sind, wie ausgeprägt sein jagdliches Interesse ist, wie er nach der Pubertät auf Artgenossen reagiert oder wie gut er allein bleiben kann, sie ist jedoch kein undurchdringbares Schild, das verhindert, einem Hund einen zuverlässigen Abruf beizubringen oder ihn zu einem freundlichen, ansprechbaren Begleiter zu erziehen.
Inwieweit der erwünschte Trainingserfolg möglich ist, hängt sowohl von der Art des Trainings als auch von der Vorgeschichte des Hundes ab – ein Hund, der in ungünstigen Verhältnissen aufgewachsen ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine geringere Trainierbarkeit aufweisen als einer, der einen optimalen Start ins Leben hatte.

Die Rasse setzt Grenzen der Trainierbarkeit

Trotz der Persönlichkeit eines jeden Hundes und der Tatsache, dass alle Hunde gleich lernen, können die rassetypischen Anlagen eines Hundes den Trainingserfolg eingrenzen.
Insbesondere ursprüngliche und primitive Hunde, aber auch andere Rassehunde, können selten dauerhaft zuverlässig abgeleint werden oder mit jedem Hund ohne Management in Kontakt treten.
Einem Trainingserfolg, beispielsweise in Bezug auf einen erfolgreichen Abruf, liegt häufig ein sehr viel längeres und arbeitsintensiveres Training zugrunde als bei anderen Rassen, die von sich aus ein geringeres jagdliches Interesse zeigen oder eine höhere Kooperationsbereitschaft aufweisen.  Ein Trainingserfolg ist allein durch die Rasse nicht unmöglich, der Weg zum Erfolg ist jedoch oftmals deutlich länger und aufwendiger.
Gegen rassespezifisches Verhalten zu arbeiten, ist anstrengend; für Hund und Halter, deshalb ist es wichtig, sich für einen Hund zu entscheiden, mit dessen Anlagen man arbeiten kann, statt stets gegen sie zu trainieren.